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  Interview durch James F. Twyman
Deutsche Übersetzung: Martin Gadow
Twyman
Thomas' Botschaft

Am nächsten Tag wollte ich die anderen beiden Kinder interviewen, die in dem Bulgarischen Kloster lebten. Ich fragte mich, warum ich keines von ihnen spielen oder auf dem Anwesen herumlaufen sah, seit ich ankam. Es gab keinen Weg für mich, herauszufinden, wo sie sich aufhielten oder wo sie ihre eigenen Klassen hatten, wenn sie denn so benannt wurden. Es schien, als ob der Schleier des Geheimen auch dort gezogen war, und ich fragte mich, weshalb. Wurden sie in Gemeinschaft oder getrennt voneinander gehalten? Lernten sie als Gruppe oder hatten sie Einzelunterricht? Dies waren einige der Fragen, die mir durch den Kopf gingen, und ich fragte mich, ob ich je die Antwort darauf erhalten würde.

Sehr früh am Morgen klopfte es an meiner Tür. Als ich aufmachte, stand dort einer der Mönchs-'Brüder' und bedeutete mir wortlos, ihm zu folgen. Ich platschte rasch etwas Wasser auf mein Gesicht, und ohne noch groß meine Zähne zu putzen, verließ ich den Raum und folgte ihm durch die Halle und trepp-abwärts. Es war erst 6:30 Uhr und ich erinnerte mich, dass ich die Mönche ihre Morgenliturgie hatte singen hören, während ich noch halb schlief. Der Klang drang in meine Träume und ich meinte, ich wäre wieder in der Kirche meiner Kindheit. Als ich dem Mönch einen Weg bergab folgte, weg vom Gebäude, fing ich an, mich an Einzelheiten meines Traums zu erinnern.

Ich träumte, ich sei Ministrant, Messknabe, – und die Messe sollte beginnen. Ich stand am Altar und blickte mich suchend nach dem Priester um, der mit der Messe beginnen sollte. Dann sah ich, dass die ganze Kirche voller Leute war. Die Gemeinde saß da und blickte auf mich, als ob ich zu wissen hätte, was jetzt zu tun sei. Ich warf einen Blick in die Sakristei: da war niemand. Ich kam zurück zum Altar, und auch dort war kein Priester. Schließlich stand ein Mann auf und sagte: "Fang an, – mach' es ohne ihn!" Und das tat ich. Tatsächlich sprach ich selbst nun den gesamten Messtext, einschließlich der Segnung des Heiligen Sakraments, während ich da in der Robe eines Messknaben stand. Doch es schien so selbstverständlich, als ob vorausgesetzt wäre, dass ich das tat. Die Leute kamen zum Abendmahl und empfingen die Hostie aus meiner Hand. Dann wusch ich den Kelch und öffnete das Lektionar für mein Schlussgebet. Das war, als es an der Tür klopfte und der Mönch erschien, – und das nächste, an das ich mich erinnere, ist, dass ich losmarschierte und mit ihm auf ein offenes Feld trat.

"Wohin gehen wir?", fragte ich. Er schien nicht zu verstehen, was ich sagte und zuckte mit den Achseln. Minuten später kamen wir an einen wunderschönen Freilluft-Altar, der von hohen Rosenbüschen umgeben war. Ich erkannte Bruder Matthias, der dort auf uns wartete, und jemand war bei ihm. Es war ein kleiner Junge, augenscheinlich das dritte Kind, das ich interviewen wollte. Der Junge schien im Alter von zehn Jahren zu sein und sah, nach meiner Erinnerung, dem Jungen Marco sehr ähnlich. Er hatte kurzes dunkles Haar und tiefgründige Augen, die durch mich hindurchzublicken schienen, als ich näher kam. Der Mönch führte mich zu dem Altar, wo wir vor Bruder Matthias stehen blieben.

"Guten Morgen!", sagte er; dann nickte er dem anderen Bruder zu, der daraufhin kehrt machte und ging. "Sie fragen sich wahrscheinlich, weshalb ich Sie hierher gebeten habe anstatt in den Raum, in dem die anderen Interviews stattgefunden haben. Doch bevor ich solche Fragen beantworte, möchte ich Ihnen Thomas vorstellen. Er ist einer von unseren Kindern". Er sagte etwas zu Thomas und wartete dessen Antwort ab. Dann lachte Bruder Matthias: "Thomas sagt, dass er sich so fühlt, wie Sie aussehen, – dass man Ihnen beiden noch etwas mehr Schlaf hätte gönnen sollen.

"Ja, er hat eine gute Wahrnehmung", sagte ich. "Sagen Sie Thomas, dass ich sehr glücklich darüber bin, mit ihm zusammenzutreffen".

Bruder Matthias tat es und wandte sich dann wieder mir zu: "Dies ist ein ganz besonderer Ort, denn hier wurde die erste Messe auf diesem Grundstück gelesen. Hier war einst eine Kapelle, die aber vor etwa hundert Jahren zerstört wurde. Es ist ein sehr heiliger Ort für uns und die anderen Mönche, und ich dachte, es wäre ein guter Ort, um Thomas zu treffen und sich mit ihm zu unterhalten.

"Warum?", fragte ich ihn.

"Wir haben herausgefunden, dass einige der Kinder, besonders Thomas, draußen besser zurechtkommen. Ich denke, es hat etwas mit Natur zu tun, abseits von künstlicher Umgebung. Außerdem habe ich Ihnen viel zu viel Aufenthalt drinnen zugemutet, und es ist so ein wunderschöner Morgen. Ich dachte, es wäre eine nette Abwechslung".

"Hat Thomas eine besondere Fähigkeit, so wie die anderen Kinder?", fragte ich ihn.

"Ja, hat er. Thomas kann durch Dinge hindurchsehen, manchmal sogar durch Wände. Ich bin nicht sicher, ob es genau das ist, was er macht, aber so lässt es sich am besten erklären. Er kann sich auch geistig an bestimmte Orte versetzen, oder Texte lesen, die auf einem zusammengefalteten Papier in einem Umschlag geschrieben stehen. Wenn Sie möchten, können wir ihm jetzt eine Aufgabe stellen, auf die er sich eine Weile konzentrieren kann. Manchmal dauert es eine Weile, bis er es erkennt. Manchmal wird er mit uns reden und scheint das Papier dabei zu vergessen, – doch dann plötzlich, wie aus blauem Himmel, weiß er es". Bruder Matthias gab mir einen Bogen Papier, einen Stift und einen Umschlag, und bat mich, ein Stück abseits zu gehen, wo niemand von ihnen mich beobachten konnte. Es war nun meine Aufgabe, ein einfaches Bild auf das Papier zu zeichnen, es zusammenzufalten und in dem Umschlag zu versiegeln. Normalerweise würde jemand ein Wort für ihn aufschreiben, sagte er, doch da ich nicht Bulgarisch schreiben konnte und Thomas nicht Englisch sprach, spürte er, dass dies die bessere Lösung sei. Ich tat, um was er mich bat, zeichnete ein Bild von einem Haus mit einer strahlenden Sonne über dem Dach. Die Sonne hatte wellige Strahlen, und das Haus hatte nur zwei Fenster, beide im zweiten Stockwerk. Ich feuchtete den Umschlag an und klebte ihn zu.

"Geben sie es Thomas", sagte Bruder Matthias.

Ich hielt es dem Jungen hin und er vergrub es augenblicklich in seiner Achselhöhle.

"Was macht er?", fragte ich.

"So macht er das. Er tut es immer dort hin und glaubt, es funktioniert besser auf diese Weise. Mag sein, dass es so ist, – oder er stellt es sich so vor. Ich weiß es nicht. Doch nun lassen sie uns abwarten und sehen, ob er irgendwelche deutlichen Eindrücke bekommt".

Thomas sagte etwas auf Bulgarisch zu Bruder Matthias, der in überraschtem Ton reagierte. Es schien, als ob Thomas ihn bitten wollte, mich etwas zu fragen, doch Bruder Matthias schien das abzulehnen.

"Stimmt etwas nicht?", fragte ich.

"Es ist alles in Ordnung", antwortete Matthias. "Thomas besteht darauf, dass Sie eine Messe auf diesem Altar zelebrieren, aber ich sagte ihm, dass Sie kein Priester seien, – doch er beharrt darauf, – ich weiß nicht, warum".

"Ich soll eine Messe zelebrieren?", fragte ich; – daraufhin sagte Thomas noch etwas und Matthias hörte hin.

"Er sagt, dass das Gewand eines Messknaben lediglich ein Symbol gewesen sei," schilderte mir Matthias. "Ich verstehe nicht ganz, – aber er sagt, es habe etwas mit dem Kind in Ihnen zu tun, dem Teil, der weiß, wie man diese Gabe nutzt". – Matthias hörte weiter zu. – "Und er sagt: dass Sie eine Messe zelebrieren, ist wegen der Kommunion, der Gemeinschaft, die Sie über diese Gabe in sich erfahren müssen. Nur dann werden Sie fähig sein, ihnen, – den Kindern –, zu helfen, ihre Mission zu erfüllen".

"Dies ist erstaunlich", sagte ich.

"Ich sagte schon, dass ich nicht ganz verstehe, – so könnten Sie mir vielleicht sagen, was Sie denken, was das bedeutet".

Ich erzählte Matthias von meinem Traum, in dem ich unterbrochen wurde durch den Mönch, der an meine Tür geklopft hatte. – Thomas hatte jedes Detail interpretiert !

"Könnten Sie ihn fragen, weshalb der Priester da nicht anwesend war?", fragte ich Matthias. "Ich spüre irgendwie, dass dies ein wichtiges Element ist.

Matthias gab diese Frage auf Bulgarisch weiter und hörte sich die Antwort an. – Während Thomas sprach, schossen seine Augen vor und zurück, als ob er in seinem Gehirn nach der Antwort suchte. Auch wiegte er seinen Köper hin und her, was er normalerweise nicht tat, – nur, wenn er irgendwelche Daten bekam, die er brauchte.

"Er sagt, dass es an der Zeit für Sie sei, die Kirche ihrer Kindheit loszulassen", sagte Matthias. "Sie kann Ihnen dort, wo sie jetzt sind, nicht mehr dienlich sein, – nur auf neue Art und Weise. Er sagte, dass Sie versuchen, sich an alten Mustern festzuhalten und diese benutzen, um neue Dinge damit zu tun. Das würde nicht funktionieren. Warten Sie nicht auf irgend Jemanden, stehen sie einfach auf und sagen Sie, was Sie zu sagen haben, und die Menschen werden im Bilde sein.

"Wie weiß er das?", fragte ich.

"Wie weiß irgend einer von ihnen diese Dinge? Deshalb sind sie ja hier, damit sie lernen, diese Gaben verantwortlich einzusetzen. Wenn Thomas wirklich Zugang zu Ihrem Traum hatte, dann ist es das erste Mal. Ich habe ihn vorher so noch nie erlebt, aber es überrascht mich eigentlich nicht. Sie entdecken ständig neue Fähigkeiten, zum Teil dadurch, dass sie ständig Umgang miteinander haben. Ihre Kraft scheint sich zu steigern, wenn sie mit anderen gleichartigen Kindern zusammen sind, – wie bei einer Osmose".

Ich will nun noch den Rest der Unterhaltung mit Thomas wiedergeben, als ob wir keinen Interpreten dabei gehabt hätten. Wir setzten uns auf eine Bank neben dem Altar und die Unterhaltung begann:

"Thomas: hast du jemals vorher gesehen, was eine Person geträumt hat?", fragte ich ihn.

"Kann sein, – ein- oder zweimal, aber ich hab' es nicht erzählt".

"Warum hast du es dann mir erzählt?"

"Weil du mich gefragt hast. – Als du uns entgegenkamst, konnte ich spüren, dass du mich etwas über den Traum fragst, und ich war neugierig, was das bedeutet. Ich sah es, – und dann wollte ich es dir erzählen. Es waren die Gedanken hinter deinen Gedanken. Es kann sein, dass du nicht wusstest, was du fragst, aber du hast gefragt. Ich hab' es wie so ein Echo gehört, und ich wusste, was es bedeutet. Und solche Echos hab' ich jetzt eine ganze Weile gehört. Das Erste, was ich gehört hab', war der Hauptgedanke. Doch dann hörte ich die nächste Ebene, und manchmal sogar eine dritte Ebene: die Gedanken hinter den Gedanken hinter den Gedanken. Kaum einer weiß 'was davon, aber sie sind da".

"Versuchst du, Gedanken zu lesen, oder passiert es von ganz allein?", fragte ich ihn.

Thomas dachte einen Augenblick nach, dann sagte er: "Ich glaube, beides. Manchmal höre ich 'was, und dann kann ich nichts machen: – ich höre noch tiefer 'rein. Es ist fast, als wenn ich nichts dagegen machen kann, und wahrscheinlich ist das gar nicht so gut. Bruder Matthias sagt, dass wir immer um Erlaubnis bitten sollen, damit wir uns nicht einmischen".

"Thomas: vor ein paar Minuten hast du gesagt, ich sollte eine 'Kommunion' mit der Gabe erleben, wenn ich den Kindern helfen wolle, ihre Mission zu erfüllen. Zunächst: was meinst du, was die 'Mission' der Kinder ist?"

"Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll: aber es hat mit unserer Frage zu tun, die wir stellen müssen. Jeder muss diese Frage hören, und deshalb kommen immer mehr Kinder, die diese Gabe haben. Doch, mag sein, dass du den Menschen erklären musst, warum wir hier sind; das wird es ihnen leichter machen, zu verstehen. Darum hat Marco dich gefunden, damit du jetzt hier bist".

Ich bemerkte wieder den Blick in Matthias' Augen, der Thomas bedeutete, nicht über Marco zu reden. Wenn ich nicht durch die Kinder selbst ausreichend eingeweiht gewesen wäre, wäre ich jetzt misstrauisch geworden, – doch ich entschied, den rechten Zeitpunkt abzuwarten, um ihn zu fragen.

"Ich bedaure", sagte Matthias, "aber ich möchte, dass die Kinder lediglich über ihre eigenen Erfahrungen sprechen, nicht über die von anderen. Ich sagte Ihnen, dass ich Ihnen alle Fragen über Marco beantworten würde, und das werde ich auch tun. Bitte, machen Sie weiter mit ihrer Unterhaltung".

"Thomas: warum möchtest du, dass ich dir dabei helfe, 'deine Frage zu stellen'?", sagte ich.

"Ich weiß nicht ... ich bin nicht der, der dich gestupst hat ... das war ein Anderer".

"Marco?"

"Ich weiß nicht, – aber kann sein".

Ich sah, dass ich nicht weiterkam, wenn ich ihn noch mehr über Marco befragen würde; so wechselte ich das Thema.

"Würdest du es gut finden, wenn ich ein Buch über die Kinder von Oz schreiben würde?", fragte ich. "Wenn es das ist, was du möchtest, könnte ich das leicht tun. Ich denke, dass es Leute gibt, die diese Botschaft hören wollen, und sie werden auch über dich etwas wissen wollen".

"Ein Buch?", sagte er, und seine Augen weiteten sich. "Du könntest ein Buch über uns schreiben? Das wäre großartig. Was würdest du da erzählen?"

"Ich würde über meine Erlebnisse mit dir und den anderen Kinder schreiben, und ich würde über die 'Frage' schreiben, deretwegen du hier bist, um sie der Welt zu stellen. Ich denke, dass viel Menschen an einem solchen Buch interessiert wären".

Er sprang von der Bank auf und der Umschlag viel aus seiner Achselhöhle. Er hob ihn auf und gab in mir wieder.

"Es ist ein Haus mit einer Sonne darüber", sagte er in sachlichem Ton.

Dann wurde er wieder aufgeregt und sagte: "Würde ich in dem Buch vorkommen ... würdest du erzählen, wie ich deinen Traum sah?"

"Ja, wenn du möchtest".

"Ja, das möchte ich ... das wäre fantastisch".

"Thomas: seit wann wusstest du, was auf dem Papier war?", fragte ich. Er blickte zu Seite, dann zu Bruder Matthias, – als ob das, was er zu sagen hatte, ihm Ärger bereiten könnte.

"Ich wusste es, bevor du es mir gegeben hast", sagte er. "Ich wollte es dir nicht zu schnell sagen. Ich kann es nicht immer so gut, aber mit dir war es leicht".

"Warum ist das so?"

"Weil du die Gabe wie die anderen Kinder hast".

"Kannst du die Gedanken der anderen Kinder lesen, so wie du meine gelesen hast?"

"Es ist nicht ganz das selbe", sagte er. "Wenn du und ich uns mit dem Mund unterhalten, machen wir daraus keine großen Umstände, und wenn wir uns in Gedanken unterhalten, denken wir nicht, dass es einen großen Unterschied macht. Es ist leicht für uns ... es passiert einfach, wenn wir zusammen sind.

"Wie oft bist du mit den anderen Kindern zusammen?", fragte ich.

"Meinst du physisch?", sagte er.

"Ja".

"Ich weiß nicht ... ziemlich wenig, glaube ich. Aber jeden Tag. Aber wenn wir nicht physisch zusammen sind, heißt das nicht, dass wir nicht zusammen sind. Ich kann sie allezeit spüren. Ich kann all die Kinder in der ganzen Welt spüren, die so sind wie ich".

"Das wurde mir schon einmal berichtet", sagte ich zu ihm. "Wie fühlt sich das an?"

"Wie meinst du das?"

"Fühlt es sich seltsam an für dich, alle möglichen Kinder im Geist zu spüren?"

Er lachte laut heraus: "Nein, es fühlt sich überhaupt nicht seltsam an. Du solltest es eigentlich auch können, wenn du die Gabe hast. Kannst du nicht ihre Gedanken in deinem Kopf fühlen? Bist du dir nicht jedes Anderen bewusst?"

"Nein, das kann ich nicht", sagte ich.

"Also, auch du wirst es können. Recht bald wird es jeder können. Wir kommen alle dahin. Es steht dicht bevor".

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