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29.07.2006 Jörn Boewe Info von:   jungewelt
Wal-Mart gibt auf
   
Der US-Handelsriese Wal-Mart zieht sich nach acht Jahren wieder aus Deutschland zurück. Die deutschen Filialen von Wal-Mart übernimmt der Düsseldorfer Metro-Konzern, teilte Metro am Freitag in Düsseldorf mit. Übernommen würden 85 Selbstbedienungswarenhäuser, die den Angaben zufolge im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro erzielten. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Metro erklärte lediglich, die Transaktion werde im Geschäftsjahr 2006 zu einem Einmalertrag führen.

Der Verkauf gebe dem Unternehmen die Möglichkeit, sich verstärkt jenen Märkten zu widmen, auf denen die gesteckten Ziele erreicht werden könnten. Wal-Marts internationales Geschäft wächst schnell und umfaßt 2700 Märkte in 14 Ländern außerhalb der USA. Im vergangenen Jahr hat die Gesellschaft eine Mehrheitsbeteiligung an Seiyu in Japan erworben, den Erwerb von Sonae in Brasilien abgeschlossen und in sechs zusätzlichen Ländern den Markteintritt vollzogen (Nordirland, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua). Zusammen mit dem US-Geschäft und der SAM's CLUB Division operiert Wal-Mart weltweit mit mehr als 6600 Filialen und erzielte im letzten Jahr einen Umsatz von 312 Milliarden US-Dollar.

Der Rückzug aus Deutschland kommt den Konzern allerdings teuer zu stehen. Im Zusammenhang mit der Transaktion werde eine Abschreibung auf die Beteiligungen von rund eine Milliarde Dollar im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2007 vorgenommen. Wal Mart hatte vor acht Jahren in Deutschland die Wertkauf- und Interspar-Supermarktketten übernommen. Das Unternehmen beschäftigt hierzulande 11 000 Mitarbeiter, weltweit sind es mehr als 1,8 Millionen.

Metro legt zu

Für Metro bedeutet der Kauf nach eigenen Angaben eine »ideale Ergänzung des bestehenden Standortnetzes« der Kette mit Real-Warenhäusern. Zudem rechnet der Düsseldorfer Konzern mit »deutlichen« Synergieeffekten. Real ist derzeit in Deutschland mit mehr als 550 SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten präsent. Durch die Übernahme werde Real eine äußerst effektive Marktabdeckung erreichen, erklärte Metro. Die Real-Kette nimmt in Deutschland eine führende Position im großflächigen Lebensmittelhandel ein. Zugleich treibt das Unternehmen seine gezielte internationale Expansion voran. Real ist seit vielen Jahren in Polen und der Türkei vertreten und eröffnete kürzlich die ersten Standorte in Rußland und Rumänien. Die Vertriebslinie kündigte zudem jüngst an, die polnischen Märkte der französischen Hypermarktkette Géant zu übernehmen.

Die Metro Group ist eines der bedeutendsten internationalen Handelsunternehmen. Sie erzielte im Jahr 2005 einen Umsatz von 55,7 Milliarden Euro. Das Unternehmen ist in 30 Ländern an mehr als 2 100 Standorten tätig und beschäftigt rund 250 000 Mitarbeiter. Mit der Vertriebsmarke Metro/Makro Cash & Carry ist der Konzern Weltmarktführer im Bereich Selbstbedienungsgroßhandel. Bei 19 Standorten kauft die Metro das Immobilien-Eigentum mit, die übrigen Märkte stehen in Mietverhältnissen, wie der Konzern mitteilte. Der Übernahme, die den Angaben zufolge in der Nacht zum Freitag besiegelt wurde, müssen noch die Kartellbehörden zustimmen.

Binnennachfrage sinkt

Interessant die Begründung, mit der Wal-Mart den deutschen Markt aufgibt. Offenbar wird die Entwicklung der Kaufkraft und damit Binnennachfrage in Deutschland als mittel- bis langfristig kritisch eingeschätzt. »Nachdem wir unsere Aktivitäten auf die Bereiche konzentrieren, von denen wir uns hinsichtlich unserer Wachstumsstrategie den größten Erfolg versprechen«, heißt es in einer am Freitag verbreiteten Erklärung des Managements, »wurde zunehmend deutlich, daß es unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland schwierig ist, die von uns angestrebte Größe und angestrebten Ergebnisse zu erreichen.«

Das ist Prosa, die in deutlichem Gegensatz zu den lyrischen Anwandlungen der notorischen Gesundbeter diverser Konjunkturforschungsinstitute steht. Laut der am Donnerstag veröffentlichten Konsumklimastudie der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) befindet sich die »Neigung der Verbraucher, demnächst größere Anschaffungen zu tätigen« derzeit auf einem »historischen Höchststand«. Allein, die Neigung bringt es nicht, wenn das nötige Kleingeld fehlt. Laut Statistischem Bundesamt sind die Einkommen aus Lohnarbeit 2005 gegenüber 2004 um 0,5 Prozent gesunken (während die Vermögens- und Unternehmenseinkommen im selben Zeitraum um sechs Prozent zulegten). Schlechte Zeiten für Discount-Märkte. Für die ersten vier Monate des Jahres verzeichnet der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) einen realen Umsatzrückgang von 0,2 Prozent. Mit Prognosen für 2007 hält man sich beim HDE derzeit zurück: »Geht man davon aus, daß der klassische Einzelhandel im kommenden Jahr angesichts der Mehrwertsteuererhöhung Prozent mehr umsetzen müßte, um das Vorjahresergebnis in realer rechnung zu erhalten, sieht man, wie hoch die Vorgabe ist«, so HDE-Präsident Hermann Franzen.

 

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