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| 12.02.2002 |
Klaus Fischer |
Junge
Welt |
| Medienzar in der Defensive: Statt Bauernopfer
soll Springer dran glauben |
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Glaubt man der Financial Times (FT), setzt der
angeschlagene Kirch-Konzern zur Rettung seines Unternehmens auf den Verkauf
einer für ihn bisher strategischen Unternehmensbeteiligung. In der finalen
Partie beim nationalen Medienschach scheint der in die Enge getriebene schwarze
König nicht mehr durch ein paar Bauernopfer zu retten sein. Statt dessen
will Kirch nun seinen Springer opfern. Königsindisch nennt sich ein
bewährtes Verteidigungsspiel beim Schach und zielt meist auf ein Remis.
Ein solches Remis scheint für Kirch mittlerweile das bestmögliche
Ergebnis, nachdem die Liquiditätsprobleme seines Unternehmens eher auf
»schachmatt« deuten.
Vierzig Prozent des Stammkapitals des
Berliner Zeitungsimperiums Axel-Springer-Verlag hält Kirch, und das
dürfte eine Milliarde Euro wert sein. Mit dem Verkaufserlös
könnte KirchMedia die größten finanziellen Löcher stopfen
und die Zerschlagung des Konzerns verhindern. Zwar kam aus
München-Ismaning am Montag lediglich ein knappes »kein
Kommentar«, aber die Idee scheint nachvollziehbar. Laut FT stünden
die Verhandlungen sogar kurz vor dem Abschluß.
Allerdings
scheinen Kirchs Kontrahenten nichts von dem beim Schach üblichen Zeitlimit
pro Zug zu halten. Inzwischen erwägen die Gläubigerbanken nach
Informationen des Handelsblattes selbst eine Machtübernahme beim wankenden
Medienriesen. Angeblich dächten die Großbanken darüber nach,
einen Teil ihrer Kredite in Eigenkapital umzuwandeln und so Anteile an Kirch zu
übernehmen, berichtete das Blatt am Montag unter Berufung auf Bankenkreise
in Frankfurt am Main. Dadurch wären die Gläubiger am Konzern
beteiligt und bekämen direkten Einfluß auf das Unternehmen.
Begleiterscheinung dieses Zuges wäre, daß Firmenpatriarch Leo Kirch
von der Konzernspitze vertrieben würde.
Genau das scheint der
dynamische Mittsiebziger immer noch verhindern zu wollen. Das Lebenswerk
retten, nennt der Volksmund ein solches Verhalten. Aber in der Branche geht es
um Milliardenumsätze und um erheblichen politischen und wirtschaftlichen
Einfluß. Da ist kein Platz für Sentimentalitäten. Knackpunkt
ist, daß Kirch bei den Geldinstituten mit 5,5 Milliarden Euro in der
Kreide stehen soll. Außerdem bestehen derzeit zumindest zwei seiner
bisherigen Geschäftspartner auf Auszahlung: Springer will etwa 670
Millionen Euro für die Rückgabe von ProSieben-Sat.1-Mediaanteilen,
und Medientycoon Rupert Murdoch setzt Kirch mit einer Rückkaufsoption
seiner Anteile an Premiere World zum Preis von 1,3 Milliarden Euro unter Druck.
Auch das Geschäft mit Kirchs Springer-Aktien birgt einige
medienpolitische Brisanz. Derzeit lagern die Anteile als Sicherheit für
die Kirch-Kredite bei der Deutschen Bank. Deren Vorstandssprecher Rolf Breuer
soll dem Spiegel zufolge bereits in der vergangenen Woche während eines
Treffens mit Kanzler Gerhard Schröder, Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff
und WAZ-Patriarch Erich Schumann die Weichen in Richtung Entmachtung von Leo
Kirch gestellt haben. Demnach ging es den Beteiligten vor allem darum, einen
drohenden Einfluß von Rupert Murdoch auf die deutsche Medienszene zu
verhindern und den Kirch-Konzern ohne Kirch im wesentlichen zu
erhalten. Für die Springer-Anteile soll sich die WAZ-Gruppe (Medienkonzern
um die Westdeutsche Allgemeine Zeitung) interessieren.
Bei Springer,
dem bisher recht selbstbewußten und wohl lautstärksten
Medienunternehmen Deutschlands, scheint man über den möglichen neuen
Großaktionär wenig amüsiert. Die WAZ als Miteigentümerin
dürfte bei der großen Chefin im Hintergrund ebenso unwillkommen sein
wie einst Leo Kirch. Dessen vollständige Machtübernahme hatte Friede
Springer seinerzeit verhindern können. So hieß es am Montag in der
verlagseigenen »Welt« vorsorglich, daß eine Mehrheit an dem
Konzern nicht zu haben sei. Auch müßte die Übernahme des
riesigen Kirch-Aktienpaketes durch wen auch immer laut Satzung
von Springer-Vorstand und -Aufsichtsrat genehmigt werden. |
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