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24.8.200 PHI Info von:   PHI
EU will Internet-Zeitungen stärker kontrollieren
   
Verleger und Internet-Wirtschaft protestieren gegen die geplante EU-Fernsehrichtlinie, die auch für redaktionelle Webseiten gelten soll. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) befürchtet wie viele andere in der Medienbranche, dass eine von der Europäischen Kommission installierte Behörde künftig darüber wacht, welche bewegten Bilder den Internetauftritt einer Zeitung oder Zeitschrift zieren dürfen. Auch die Internetwirtschaft ist alarmiert, weil die EU ihnen Werbeeinahmen wegzuregulieren droht. "Letztlich geht es um einen Zugriff von Brüssel auf die Medien", sagt Fiedler. Grund für die Aufregung ist eine 19seitiges Expertise der EU-Medienkommissarin Viviane Reding:, welche die strengen Rundfunkregeln zumindest teilweise ins Internet exportieren will. Die Richtlinie erfasst dabei nicht nur fernsehähnliche Internet -Angebote mit einem festen Programm, sondern auch Seiten, die einzelne Filmchen zum Herunterladen anbieten - so genannte "nicht-lineare" Dienste. Allerdings soll eine "redaktionelle Verantwortung" entscheidend sein; eine Internet-Videothek bleibt damit ohne EU-Aufsicht. Zielgruppe sind vielmehr Seiten von Verlagen, die informieren wollen und dazu bewegte Bilder anbieten. Im Kern geht es um die Frage, wie sich bewegte Bilder im Internet ins Medienrecht einordnen lassen. Traditionell genießen Printmedien grössere Freiheiten als Fernsehsendungen: Der Staat kontrolliert keine Inhalte. Eine Lenkung erfolgt nur durch gesellschaftliche Organisationen, bzw. Entzug von Inseraten und Abkopplung von Informationen, wenn die Zeitungsredaktionen die Regierungen, Konzerne und internationale Organisationen zu stark kritisieren. Für den Rundfunk und Fernsehen gelten dagegen strengere Regeln: Über öffentlichrechtliche Sender wachen die Rundfunkräte, über private die Landesmedienanstalten. Hintergrund für dieses Sonderregime: Weil die Zahl der Kanäle in der Vergangenheit technisch stark begrenzt war und Fernsehen massenwirksamer ist als das gedruckte Wort, gilt die Meinungsmacht eines Senders mehr als die einer Zeitung. Große Meinungsmacht stellte EU-Kommissarin Reding und weite Teile des Europäischen Parlaments nun auch bei den Programmen im Internet fest. "Wir brauchen einen Rechtsrahmen, der die Bedeutung der Bilder berücksichtigt", sagt die deutsche EU-Abgeordnete Ruth Hieronymi, die für die neue Fernsehrichtlinie zuständige Berichterstatterin. Sie unterstützt ebenso wie ARD und ZDF die abgespeckte Rundfunkkontrolle für nicht-lineare Dienste. Jurist Wolfgang Schulz vom Hamburger Hans-Bredow-Institut für Medienforschung hält dies auch für den einzigen Weg zu einem fairen Reklamewettbewerb: "Audiovisuelle Mediendienste im Internet konkurrieren mit klassischen Fernsehsendern. Man will deshalb gleiche Spielregeln für alle Akteure schaffen." Auf der Seite der Kritiker stehen die Interessenvertreter von Printmedien und IT-Industrie Schulter an Schulter. "Die strenge Rundfunkregulierung war berechtigt, solange es nur fünf oder sechs Anbieter gab", meint VDZ-Vertreter Fiedler. "Aber das ist im Internet eben nicht der Fall." Daher sei für nicht-lineare Dienste im Internet nur das laxere Recht der Printmedien anzuwenden. Was nach einem akademischen Streit klingt, kostet Online-Medien womöglich bares Geld. Einerseits drohen die Einstiegshürden zu steigen: Die bisher fürs Internet maßgebliche E-Commerce-Richtlinie legt fest, dass ein Online-Dienst keine Erlaubnis braucht - die neue Richtlinie würde dagegen den Mitgliedstaaten erlauben, -Webseiten mit bewegten Bildern nur noch mit Lizenz zu betreiben. Andererseits fürchten die Wirtschaftsverbände um Werbeeinnahmen. Denn inhaltliche Grenzen für Reklame, die bisher nur für den Rundfunk galten, will die EU-Kommission nun auch im Internet anwenden. Verboten wären dann etwa Spots, die politische oder religiöse Gefühle verletzten. Für Unbehagen in der Medienbranche sorgt darüber hinaus eine Klausel, die zur kulturellen Vielfalt auf entsprechenden Webseiten aufruft. Daraus könnten Mindestquoten für bestimmte Inhalte entstehen, fürchtet etwa Fabian Bahr, Leiter des Brüsseler Büros des Technologie-Verbandes Bitkom. "Dabei ist die Vielfalt im Internet doch ohnehin gegeben. Der Nutzer entscheidet selbst mit der Maus, was er ansehen möchte." Der Hintergrund ist offensichtlich. Bilder bleiben im Kopf besser hängen als Texte aus Buchstaben. Das gilt beispielsweise von Internetfilmen über den Terrorakt auf die WTC-Türme in New York oder die Bilder aus dem Libanonkrieg. Für solche Darstellungen im Internet will man einen Lizenz-Zwang einführen
 

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