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12.09.2006 Praful Bidwai Info von:   jungewelt
USA drohen Indien wegen Getränkeboykott
   
Einen Monat, nachdem sieben indische Bundesstaaten den Verkauf von Cola- und anderen Brausegetränken eingeschränkt haben, formiert sich im größten Unionsstaat des Subkontinents, in Uttar Pradesh, eine starke Bürgerbewegung gegen den internationalen Getränkekonzern Coca-Cola. Im Mittelpunkt der Kampagne steht die Coca-Cola-Abfüllanlage in Mehdiganj. Die Betreiber werden beschuldigt, die Grundwasservorräte zu erschöpfen und das Grundwasser mit giftigen Schwermetallen wie Blei, Cadmium und Chrom zu verseuchen.

Die Bürgerbewegung National Alliance of People's Movement (NAPM) fordert die Schließung der Abfüllanlage. Auftrieb erhielt die Kampagne im August, als das unabhängige Centre for Science and Environment (CSE) die Ergebnisse einer Untersuchung veröffentlichte. laut der viele Softdrinks auf dem indischen Markt, darunter Coca-Cola und Pepsi-Cola, einen Cocktail an Pestiziden enthielten, deren Konzentration weit über das hinausging, was die nationalen Behörden und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für unbedenklich halten. Nach Angaben der Umweltorganisation waren die dabei festgestellten Pestizidrückstände im Durchschnitt 20 bis 25 Mal so hoch wie der vom Bureau of Indian Standards (BIS) definierte zulässige Grenzwert.

Die Veröffentlichung der Zahlen führte zu einem sofortigen Produktions- und Auslieferungsverbot für Cola-Getränke in Kerala. In sechs weiteren Bundesstaaten wurde der Verkauf von Softdrinks in der Nähe von Schulen, Universitäten und Regierungsbehörden eingeschränkt.

Inzwischen mehren sich Hinweise darauf, daß noch weitere der 28 indischen Bundesstaaten dem Beispiel folgen werden. Vertreter verschiedener politischer Parteien fordern inzwischen ein Verbot aller Softdrinks, die von multinationalen Konzernen hergestellt werden. Mit über 355 Millionen verkauften Kästen im Jahr haben Coke und Pepsi zusammen fast ein Monopol auf dem indischen Softdrinkmarkt.

Doch nicht nur die Pestizide, auch die Belastung des Grundwassers erhitzt die Gemüter. Nach den Angaben von NAPM ist der Grundwasserpegel in Mehdiganj infolge der exzessiven Nutzung stark gesunken. »90 Prozent der Brunnen in der Region sind bereits in Mitleidenschaft gezogen«, berichtet die Ingenieurin R. Chandrika. Ein Drittel sei schon ausgetrocknet oder stehe kurz davor. In mehr als 20 Dörfern herrsche bereits Wassermangel. »Aus anderen Teilen des Landes erhalten wir ähnliche Berichte«, so Sandeep Pandey, der nationale Koordinator von NAPM.

Indiens Gesundheitsministerium hat inzwischen eine eigene Untersuchung angekündigt, sich aber bisher nicht zu der Frage geäußert, warum das Bureau of Indian Standards die Unregelmäßigkeiten unter Verschluß gehalten beziehungsweise die Standards nicht durchgesetzt hat. Bekannt ist lediglich, daß die Behörde immer wieder von industriefreundlichen Regierungsbehörden unter Druck gesetzt wird.

Coke und Pepsi haben inzwischen Schützenhilfe von der US-Regierung erhalten. Vor der Ankunft einer großen Handelsdelegation aus den USA warnte der Unterstaatssekretär für Internationalen Handel, Franklin L. Lavin, Indien vor einem Getränkeboykott. Dies könne das Investitionsklima ernsthaft beeinträchtigen, drohte er.

 

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