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Washington kündigt an Grenze zu Kanada ein restriktives Grenzregime an
Das Schicksal der längsten unbewachten Grenze der Welt ist besiegelt. Die USA wollen an der fast 8900 Kilometer langen Demarkationslinie zu Kanada in wenigen Monaten mit der Aufrüstung beginnen. Presseberichten zufolge hat Washington unter anderem den Luftfahrt- und Rüstungskonzern Boeing mit der Bereitstellung unbemannter Flugkörper zur Grenzüberwachung beauftragt. Zur Bekämpfung von Drogen- und Waffenschmuggel eingesetzte Überwachungskameras und Bewegungsmelder sollen in den nächsten drei Jahren ausgebaut werden.
Die Großaufträge haben einen Gesamtwert von mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus sind Wachtürme und eine bessere personelle Ausstattung geplant. Bisher verrichten nur etwa 1000 der 11000 US-Grenzpolizisten ihren Dienst an der Trennlinie zum nördlichen Nachbarn. Sehr viel stärker wird die Grenze zu Mexiko überwacht, an der allein im vergangenen Jahr 472 Menschen ums Leben kamen. Kontrollen bei der Einreise kanadischer Staatsbürger in die USA sind dagegen bisher die Ausnahme, häufig reicht eine Fahrerlaubnis, um einen der 140 Übergänge an der US-Nordgrenze zu passieren. Einreisende aus Kanada müssen nun ab kommenden Januar Reisepässe mit sich führen, in denen möglicherweise auch Fingerabdrücke vermerkt sind.
Die US-Regierung fühlt sich in dieser Politik bestätigt, seit im Juni dieses Jahres in Kanadas Metropole Toronto eine mutmaßliche muslimische Terrorzelle ausgehoben wurde. Der Regierung in Ottawa wirft sie eine zu liberale Einwanderungspolitik vor. Kanada befürchtet unterdessen Exporteinbußen, denn im letzten Jahr gingen über 85 Prozent aller Ausfuhren in die USA. Der Grenzverkehr zwischen den Ländern ist sehr rege, 90 Prozent der kanadischen Bevölkerung leben nicht mehr als 350 Kilometer von US-Territorium entfernt. Doch auch die kanadische Regierung will aufrüsten: 4400 zusätzliche Grenzschützer sollen stationiert und in den nächsten zehn Jahren mit Schußwaffen ausgerüstet werden. Die Maßnahmen werden schon in den kommenden zwei Jahren mehr als 100 Millionen kanadische Dollar kosten, stoßen aber derzeit bei keiner der im Parlament vertretenen Parteien auf Ablehnung. Bisher sind etwa 5000 teilweise unbewaffnete kanadische Grenzschützer im Einsatz.
Allerdings gibt es zwischen den beiden nordamerikanischen Staaten schon seit Jahrzehnten territoriale Unstimmigkeiten, Washington und Ottawa bekräftigen beiderseits den Anspruch auf mehrere Inseln an der Atlantik- und Pazifikküste. Außerdem durchfährt die US-Marine regelmäßig und unangekündigt die Nordwestpassage, einen Seeweg zwischen nordkanadischen Inseln hindurch, der den Atlantik mit dem Pazifik verbindet und dadurch den Weg von Europa nach Asien gegenüber der traditionellen Route durch den zentralamerikanischen Panamakanal um 7000 Kilometer verkürzt.
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