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10.10.2006 PHI Info von:   PHI
Terminator Samen
   

Agrarkonzerne arbeiten an Saatgut, das nur eine einzige Ernte erbringt - und gefährden damit die Bauern

auf der ganzen Welt.

Das Getreidekorn ist für viele Kulturen eines der zentralen Symbole des Lebens. Doch vor allem

europäische Konzerne wie Syngenta, BASF oder Bayer, aber zum Beispiel auch der US-Konzern Delta &

Pine Land, entwickeln gentechnische Methoden, um den Pflanzen und dem Korn gerade dieses Leben zu

nehmen. Eingriffe, die Pflanzen durch Manipulation des Erbgutes ihre Vermehrungsfähigkeit rauben, werden

landläufig auch als „Terminator"-Technologien bezeichnet. Das gekaufte Saatgut keimt aus, die Pflanzen

wachsen, doch die Samen in der Ernte bleiben steril. So sollen Landwirte daran gehindert werden, Saatgut

nachzubauen. Einmal gekauftes Saatgut kann nur einmal verwendet werden.

Bisher sind Terminator-Pflanzen noch nicht im Handel. Nach Aussagen einiger Unternehmen werden sie aber

in Gewächshäusern erprobt. Auch das US-Landwirtschaftsministerium ist an der Entwicklung von Terminator-

Pflanzen beteiligt. Nach Angabe eines Sprechers will man „den Wert patentierten Saatguts von USKonzernen

steigern und neue Märkte in Ländern der Zweiten und Dritten Welt erobern". Seit der sog.

„Grünen Revolution" mit ihren von Dünger und Chemie abhängigen neuen Sorten wird weltweit vermehrt

Sorten- oder patentrechtlich geschütztes Saatgut verbreitet. Damit geht einher, dass traditionelle Rechte von

Bauern sehr stark eingeschränkt werden. Betroffen ist insbesondere das sog. Landwirteprivileg für den

bäuerlichen Nachbau: Demzufolge dürfen Bauern unter bestimmten Bedingungen auch geschützte Sorten für

die Wiederaussaat einbehalten. Derzeit dringen global agierende Agrarkonzerne in Regionen der Welt vor, in

denen diese Selbstversorgung mit Saatgut noch die Regel ist. Insbesondere in der Dritten Welt wird Saatgut

ausgelesen und mit Nachbarn getauscht. Die besten Körner der Ernten werden für die Aussaat im nächsten

Jahr zurückbehalten. Gehandelt wird es jedoch nicht. So wird die Ernährung von mindestens 1,4

Milliarden Menschen gesichert.

Dieser bäuerliche Nachbau liegt zwangsläufig nicht im Interesse des globalen Saatguthandels. Um dessen

Geschäft zu ermöglichen, fehlt es in den sog. Entwicklungsländern zudem an Patentgesetzen und

Kontrollmöglichkeiten. Für die Agrokonzerne wären Terminator-Pflanzen der Schlüssel für das

Schlaraffenland, eine Welt ohne Nachbau. Schätzungen zufolge sind derzeit noch drei Viertel des weltweiten

Saatgutmarktes in bäuerlicher Hand. In Deutschland zum Beispiel werden zirka fünfzig Prozent des Getreides

von den Landwirten nachgebaut.

Die Grundlagen der Terminator-Technologie wurden zu Beginn der 90er Jahre entwickelt. ... Ans Licht der

Öffentlichkeit gelangte diese Form der gentechnischen Veränderung jedoch erst, als 1998 die Anmeldung

eines Patentes auf Terminator-Pflanzen und die Absicht bekannt wurde, diese auf den Markt zu bringen.

Bauern sehen ihre Rechte am Saatgut, Entwicklungsorganisationen das Menschenrecht auf Nahrung in Gefahr.

Umweltverbände sorgen sich um die biologische Vielfalt und die Ethikkommission der

Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen erklärt, es sei „unakzeptabel, Saatgut zu verkaufen, dessen

Erntegut die Bauern nicht wiederverwenden können". Zudem hatten die Vertragsstaaten der UNKonvention

über die biologische Vielfalt (CBD) im Jahre 2000 ein Moratorium für die kommerzielle Nutzung

gentechnisch sterilisierter Pflanzen beschlossen. Hauptargumente der internationalen Gemeinschaft waren,

dass die Terminator-Technologie die biologische Vielfalt, das Wissen hierüber sowie die traditionellen - in den

Ländern des Südens noch heute vielfach praktizierten - Saatgut-Tauschpraktiken gefährdet.

Die meisten beteiligten Unternehmen versprachen daraufhin, diese Technologie nicht weiter zu verfolgen oder

auf ihre Anwendung zu verzichten. Dennoch soll eine neue Strategie nun die Vermarktung von Terminator-

Pflanzen ermöglichen: Die Industrie versucht seit einiger Zeit, gentechnisch veränderte Terminator-Pflanzen

als Lösung des Problems der Verunreinigung konventionell und ökologisch bewirtschafteter Felder durch

genmanipulierte Gewächse zu verkaufen. Mit anderen Worten: Eine von der Gentech-Industrie selbst

herbeigeführt Situation - die Verunreinigung anderer Felder durch transgene Pflanzen - dient als Vorwand, die

neue Terminator-Technologie als Schutz zu propagieren. Die These, mit Terminator-Pflanzen könnte

Auskreuzung verhindert werden, ist jedoch schlicht Lügerei, denn nur die Samen der Terminator-Pflanzen

sind steril - nicht jedoch die Pollen. Diese können andere Pflanzen bestäuben und benachbarte Äcker

kontaminieren. Die Ernten dieser Felder könnten dann ihrerseits, zumindest teilweise, steril werden.

 

Die US-Gentechnik-Industrie erhält Unterstützung von den Regierungen Kanadas, Australiens und Neuseelands, die

ihrerseits das Terminator-Verbot der CBD aus dem Jahre 2000 schwächen wollen. ...

Doch die Ächtung der Terminator-Technologie ist auch in Deutschland nicht unumstritten ... Eine Initiative der SPDBundestagsfraktion

zur Unterstützung des Verbots scheiterte - interessanterweise am Widerstand der sogenannten

christlichen Parteien. Wie ernst es den Saatgut-Multis mit ihren Forderungen zur Einschränkung des Nachbaus ist,

konnte im vergangenen Jahr verfolgt werden: Im Herbst forderte deren europäische Dachorganisation ESA schlicht

die vollständige Abschaffung des Landwirteprivilegs. Dieses würde bedeuten, daß kein Bauer auf der ganzen Welt

sein Saatgut selbst züchten darf.

Notwendig ist daher eine dauerhafte und völkerrechtlich verbindliche Ächtung aller Technologien zur gentechnischen

Sterilisierung von Pflanzen. Nur so können grundlegende bäuerliche Rechte verteidigt und die biologische Vielfalt

geschützt werden. ... (Andreas Bauer und Christof Potthof in der Süddeutschen Zeitung,, der Artikel war

aber auch in mindestens 5 Landwirtschafts-Zeitschriften zu finden.)

 

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