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Tout passe, tout casse
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Die Franzosen sagen: Tout passe, tout casse. Alles vergeht. Alles zerbricht. Nichts wird geboren, das nicht auch irgendwann stirbt. Nichts beginnt, ohne zu enden. Es gibt keinen Morgen ohne einen Abend, und kein Licht am Ende ohne einen Tunnel. Imperien kommen, Imperien gehen. An den Finanzmärkten nennt man diese „Vergehens“-Phase Korrektur. Sie soll die Exzesse und die Fehler aus der Phase der Expansion korrigieren. In einem Bullenmarkt gibt es Korrekturen, die außergewöhnliche Gewinne wieder moderat werden lassen, bei einem Bärenmarkt heißen die Korrekturen, die die außergewöhnlichen Verluste wieder zu gewöhnlichen Verlusten werden lassen, Rallys. Im Allgemeinen entspricht die Kraft einer Korrektur umgekehrt dem Trend, der ihr voranging. Und der Schmerz, der durch sie verursacht wird, ist direkt proportional zu der erfreulichen Täuschung, die voranging. Als angewandte Formel nutzt uns das nur sehr wenig. Wir wissen immer noch nicht wann oder wie die Korrektur kommen wird. Und, um eine Idee von Lord Keynes aufzugreifen, die Täuschung kann wesentlich länger dauern, als man noch solvent genug ist, dagegen zu setzen. Und dennoch ist es noch wesentlich gefährlicher dagegen zu wetten. Amerikas Imperium der Schulden beruht auf vielen gewaltigen Trugschlüssen, die wir in einem Buch zu diesem Thema beschrieben haben: · Eine Generation kann konsumieren – und die nächste auf der Rechnung sitzen lassen. · Man kann etwas bekommen ohne etwas dafür geben zu müssen. · Der Rest der Welt wird die amerikanischen Schuldscheine auf ewig akzeptieren – und keine Fragen stellen. · Die Immobilienpreise werden auf ewig weiter steigen. · Das amerikanische Kapitalismussystem ist freier, dynamischer und produktiver als irgendein anderes System. · Viele Länder wollen stärker als Amerika sein, selbst wenn man sie dazu zwingen muss. · Die Tugenden, die Amerika einst reich und mächtig werden ließen, werden heute nicht mehr gebraucht, um Amerika auch weiterhin reich und mächtig zu halten. · Ersparnisse und Kapitalinvestitionen sind heute nicht mehr notwendig. · Die USA müssen heute keine Produkte mehr für den Transport herstellen. Die Trugschlüsse, die dazu führten, dass die Kreditexpansion zwischen 2001 und 2005 stetig zunahm, wurden eifrig von der eigenen Zentralbank verbreitet. Indem man den Diskontsatz noch unter die aktuelle Inflationsrate senkte, hat die Fed fast jeden in die Irre geführt. Während der Boomjahre zwischen 2002 und 2005 erschien der große Täuscher Alan Greenspan vor dem amerikanischen Senat und verstellte sich. Nicht nur die Inflation stellte keine klare und gegenwärtige Gefahr dar, sondern ebenso wenig die Schuldenlast der Amerikaner und die negativen Zahlen der Leistungsbilanz. Mr. Greenspan, der es doch sicherlich besser wissen musste, konnte nichts entdecken, was ihm nicht gefiele oder über das er sich hätte Sorgen machen müssen. Also halten wir inne, atmen tief ein und wundern uns. Die Täuschung ist so groß, dass wir uns schon fragen, wie sie je vollständig korrigiert werden soll. Ich spreche nicht nur von Mr. Greenspans Meineid vor dem Kongress, sondern auch von der größeren Täuschung, in der Mr. Greenspan die führende Rolle spielt. Das Versprechen des amerikanischen Kapitalismus lautet, dass er die Leute reicher machen will, freier und unabhängiger. Doch seit die Fed eingerichtet wurde und das Imperium aufstieg, hat die Währung, in der die Amerikaner ihre Bücher führen, die Zahlen so sehr verderben lassen, dass wir kaum mehr wissen, ob wir gewinnen oder verlieren. Der Dollar, den wir als Kinder kannten – in den 1950ern – ist heute nur noch ein Zehntel wert. Der durchschnittliche Haushalt hat heute wesentlich mehr davon als wir damals. In den 1950ern betrugen die Haushaltsschulden der Amerikaner im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen, was im Grunde genommen das Einkommen nach Steuerabzug ist, 34%. (Wenn das verfügbare Einkommen 10.000 Dollar betrug, dann hatte ein Haushalt 3.400 Dollar ausstehender Schulden). Heutzutage hat der durchschnittliche Haushalt das gute Leben kennen gelernt – in imperialem Ausmaß. Das Haus ist heute mehr Dollar wert. Man hat ein größeres Auto, man isst häufiger außerhalb, man hat einen größeren Fernseher mit besserem Bild. Man zahlt mehr für die Arbeitslosenversicherung. Mehr für die Gesundheitsversorgung. Mehr für die Sozialversicherung. Den Angestellten der Regierung werden mehr Absicherungen angeboten als je zu vor. Man hat deutlich mehr Kreditkarten, und einen wesentlich größeren Kreditrahmen. Man hat mehr Kleider. Mehr Spielzeuge. Mehr Gerätschaften, mehr Dinge, mehr von den Wieheißendienoch. Man hat mehr Schulden, mehr Verpflichtungen, mehr Ketten. Fast jeder Amerikaner glaubt heute, er sei reicher. Sicher, verglichen mit der alten Welt, haben die Amerikaner natürlich keinen Zweifel, dass das Leben eines jeden Einzelnen mit dem Aufstieg des Imperiums besser geworden ist. Aber ist das auch wahr? Wir halten inne, um ein schockierendes Update zu liefern. Die Leute stehen auf Mythen, auf Täuschungen und auf Geschwafel – ganz besonders dann, wenn es ihnen schmeichelt. Ihr Essen, ihre Lebenserwartung, ihre Verbrechensraten, Transport, ihre Frauen und ihre Architektur sind vielleicht nichts, womit man prahlen kann, sagen die Amerikaner wahrscheinlich zueinander, aber wenn sie ihr Geld raffen, dann raffen sie ordentlich. „Das alte Europa“, sagen sie, und fangen an zu vergleichen, „ist zu rigide, zu fossil, zu unaufgeschlossen ... ein Museum.“ Und auch das ist ein Trugschluss. Trotz der Laffer-Kurve, Greenspans Blasen und Reagans Revolution ist es der amerikanischen Wirtschaft nicht besser gegangen als der europäischen. Der Economist hat sich das Beweismaterial angesehen. Jeder ging davon aus, Amerika sei in den letzten zehn Jahren sehr viel schneller gewachsen als Europa. Aber die Zahlen, was das Bruttoinlandsprodukt pro Person anbelangt, liegen sehr nah beieinander, bei 2,1 Prozent im Jahr für Amerika und bei 1,8% im Jahr für Europa. Lassen wir einmal Deutschland außen vor – das Land musste die Aufnahme des ehemals kommunistischen Cousins im Osten bewältigen – und die beiden Regionen sind gleich. Und wie sieht es mit der Produktivität aus? Eine Studie von Kevin Daly, einem Wirtschaftswissenschaftler von Goldman Sachs, stellte fest, dass sobald man die Unterschiede in den jeweiligen ökonomischen Zyklen korrigiert hatte, das Produktivitätswachstum in den vergangenen zehn Jahren in der Eurozone ein wenig besser ausfiel als in Amerika. Und wie sieht es mit den Stellen aus? Amerika ist doch die größte Jobmaschine des Planeten, oder? Wieder gleich, mit Ausnahmen von Deutschland, das Stellenwachstum im Rest Europas dem Amerikas. Aber wie sieht es mit der „Erholung“ nach 2001 aus? Fiel die nicht in Amerika deutlich nachhaltiger aus als in Europa? Nun, nur an der Oberfläche. Hochgejagt durch die höchste Dosis fiskalischen und monetären Treibstoffs der Geschichte, hat die amerikanische Wirtschaft die europäische knapp überholt. Aber die Zahlen sind schwer zu vergleichen. Europa kalkuliert sein Bruttoinlandsproduktwachstum konservativer als Amerika ... und untertreibt die Wahrheit eher, als sie zu übertreiben, wie in Amerika das Arbeitsministerium. Noch wichtiger, Amerikas Wachstumsruck hat einen hohen Preis gekostet. Während Europa keinen Stimulus auf eigene Rechnung ausgelöst hat, fiel er in Amerika so ausgiebig aus, dass es sich schon schüttelt. „Eine extrem nachsichtige Politik der letzten Jahre hat so große wirtschaftliche und finanzielle Ungleichgewichte hinterlassen, dass es zweifelhaft ist, ob Amerikas Wachstum sich halten lässt“, sagt der Economist. Nachdem es sich 2000 noch im Plus bewegte, hat das strukturell bedingte Haushaltsdefizit (inklusive der Regierungen der Staaten und der Regionen) es heute auf fast 5% des Bruttoinlandsprodukt geschafft, und fällt damit dreimal so hoch aus wie in der Eurozone.“ „Amerika hat ein Leistungsbilanzdefizit von 5% des Bruttoinlandsprodukts, während die Eurozone einen kleinen Überschuss vorweisen kann. Amerikanische Haushalte sparen weniger als 2% ihres verfügbaren Einkommens, die Sparrate in der Eurozone liegt bei satten 12% Die Gesamtverschuldung der Haushalte in Amerika beläuft sich auf 84% des Bruttoinlandsprodukts, verglichen mit nur 50% in der Eurozone.“ Das 21. Jahrhundert hat noch kaum angefangen und Amerika findet sich in einer außerordentlichen Situation wieder. Amerika glaubt selbst, dass es die mächtigste Wirtschaft der Welt hat ... und die mächtigste Militärmacht. Wie die verstorbene Sowjetunion hat Amerika eine Sichel in der einen und einen Hammer in der anderen Hand. Die Sichel hat jedoch, oh weh, eine seltsame, sensenartige Biegung. Seit 1990 ist das Einkommen im durchschnittlichen amerikanischen Haushalt um 11% gestiegen, während die Ausgaben des durchschnittlichen Haushalts einen Sprung von 30% hinlegten. Wie könnten die Leute so viel mehr Geld ausgeben, ohne so viel mehr zu verdienen? Die ausstehenden Haushaltsschulden haben sich zwischen 1992 und 2004 auf mehr als zehn Billionen Dollar verdoppelt, selbst nachdem man die Inflation mit einrechnet. Und in Utah haben im vergangenen Jahr 28 von 1.000 Haushalten Insolvenz angemeldet, fast zehnmal so viele wie noch vor zehn Jahren. Die Leute sind entschlossen ein gutes Leben zu haben und besser zu leben als sie es sich leisten können. Sie erreichen das, indem sie, wie die Wirtschaftswissenschaftler sagen, ihr Einkommen aufrunden. Indem sie in Zukunft höhere Einkommen erwarten, geben die jungen Familien ihr Geld schon heute aus (sie kaufen beispielsweise größere Häuser als sie sich leisten können). Überall in der Nation ist die Größe der Häuser seit 1980 um 30% gestiegen, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Robert Frank von der Cornell Universität. Und heute rechnen sogar Menschen in ihren Fünfzigern und Sechzigern mit höheren Einkommen oder mit Wundern. Einige Wirtschaftswissenschaftler nennen das gesamte Phänomen die „Demokratisierung der Kredite“. Innovationen und Deregulierung haben die Verfügbarkeit von Krediten für praktisch alle Einkommensklassen erhöht“, sagt der Chef der Fed. Er ließ seine eigene Rolle bei dieser demokratischen Revolution unerwähnt. Er ist zu bescheiden. Er ist Danton und Robespierre in einem. Der Vorsitzende der Fed hat mehr erreicht als alle Erneuerer und Deregulatoren der Nation zusammen. Indem er den Preis der Kredite noch unter die Inflationsrate drückte, bot er der gesamten Welt etwas, ohne etwas dafür zu verlangen. Heute kann sich jeder in finanzielle Schwierigkeiten bringen, nicht nur Könige, Spekulanten und Finanziers. Er ermöglichte es den Kreditinstituten, die Leine des gewöhnlichen Mann so lang werden zu lassen, dass sich heute mit Sicherheit Millionen von ihnen selbst daran erhängen werden. Wir wissen nicht, was davon zu halten ist, also fragen wir die Toten nach deren Meinung. Aber es ist hoffnungslos, die Leichen wissen sogar noch weniger als wir. Sie können sich nicht einmal vorstellen, was gerade passiert. Das eigene Haus beleihen, wenn man nicht unbedingt muss? Ein Haus als „Investition“ kaufen? Den „Eigenanteil“ abschöpfen? Vom Ausland abhängig sein, um den eigenen Haushalt auszugleichen? Über die eigenen Verhältnisse leben und von den Lohnverdienern der Dritten Welt erwarten, dass sie die Differenz wieder ausgleichen? Auf die Vorstellungen, die man in Amerika einst für absurd hielt, verlässt man sich heute. Was war falsch mit unseren Eltern, Großeltern und den bereits lang verstorbenen Vorfahren? Warum waren sie nicht klug genug zu begriffen, dass sie ein brandneues Haus hätten haben können und alle modernsten Annehmlichkeiten, ohne dafür bezahlen zu müssen? Warum sind sie nicht darauf gekommen, dass sie alle reich hätten werden können, indem sie voneinander Häuser kaufen? Aber heute sind wir ja zum Glück alle Genies. Ein Baby, das geboren wurde, als das Imperium 1913 anfing, hatte nichts, als es auf die Welt kam. Aber es schuldete auch niemandem etwas. Heute kommt ein Baby auf die Welt und sitzt sofort auf seinem Anteil an 37 Billionen Dollar Schulden. Das sind 128.560 Dollar auf seinen Namen. Ist es deswegen heute reicher? Steht es besser da? Was würden die Toten sagen? Und damit sind noch nicht die Außenstände der Fed und die Festschreibungen erfasst, die leicht noch einmal 100.000 Dollar hinzufügen könnten. |
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