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12.02.2007 Rainer Rupp Info von:   jungewelt
Neue »Schurken«
   

US-Verteidigungsminister Robert Gates benennt Rußland und China als potentielle Kriegsgegner. Aufregung in Moskau

Die US-kritische Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin in München am Samstag bestätigt die sich seit über einem Jahr ständig verschlechternden Beziehungen zwischen Moskau und Washington. Voraus gingen ihr am Donnerstag alarmierende Aussagen von US-Verteidigungsminister Robert Gates vor dem US-Kongreß. Der neue Mann im Pentagon hatte vor dem Haushaltsausschuß des Kongresses die gigantische Aufstockung der US-Rüstungsausgaben damit gerechtfertigt, daß es notwendig sei, auch auf einen Krieg gegen Rußland vorbereitet zu sein. Um den »zukünftigen Bedrohungen« zu begegnen, so Gates, »brauchen wir das ganze Spektrum von Maßnahmen, um Krieg zu führen, sowohl Spezialeinheiten gegen den Terrorismus als auch Infanterieeinheiten, die dazu fähig sind, große, reguläre Armeen zu bekämpfen. Wir wissen nicht, welche Veränderungen es in Ländern wie Rußland, China, Nordkorea, Iran und anderen geben wird.«

Damit hat Gates Rußland und China in einen Topf mit den von Washington als »Schurken« definierten Staaten geworfen und die beiden Mitglieder des UN-Sicherheitsrates der »Achse des Bösen« zugeordnet. In westlichen Medien wurde die skandalöse Aussage von Gates, die viel über das nach wie vor hegemoniale Denkmuster der Bush-Administration aussagt, nicht aufgegriffen. Umso mehr sorgte sie in Rußland für Aufregung. Gates habe »offen zur Konfrontation mit Rußland aufgerufen«, erklärte General Eduard Worobjow, ehemals stellvertretender Oberkommandeur der russischen Streitkräfte. Er befürchte, daß Gates damit »die offizielle Position der US-Administration widergab«. Dazu passe, daß Washington Teile seines »Star-War-Systems« zur Abwehr ballistischer Raketen in der Tschechischen Republik und Polen aufbaue und zugleich das größte seegestützte X-Band-Radar von Hawaii vor die Küste Kamschatkas verlegt habe.

   
Die Behauptung Washingtons, die Star-Wars-Vorbereitungen in Polen und Tschechien seien notwendig, um iranische und nordkoreanische Raketen abzuwehren, wird von russischen Experten als nicht schlüssig angesehen. Gegen die USA gerichtete Raketen würden schließlich nicht über Rußland fliegen. Nach Ansicht von General Alexander Wladimirow, Vizepräsident des Ausschusses russischer Militärexperten, handele es sich vielmehr um »Kriegsvorbereitungen«. Letztlich soll das Star-Wars-System die USA für Gegenschläge unverwundbar machen. Dadurch würde das Prinzip der nuklearen Abschreckung wegfallen, und die USA hätten freie Hand.

Der ehemalige General und Präsident der Stiftung für Militärreform, Pavel Zolotarew, vermutet noch einen weiteren Grund hinter Washingtons aggressiver Politik. Um Moskaus wachsenden Einfluß in der Weltpolitik zu stoppen, sei es »am einfachsten, wenn es gelingt, Rußland zu exzessiven Militärausgaben zu bewegen – ein Weg, der bereits entscheidend mit für den Zusammenbruch der Sowjetunion verantwortlich war«, sagte Zolotarew.

Genau das will Rußlands Verteidigungsminister, der als Putin-Nachfolger gehandelte Sergej Iwanow, verhindern. Nach der Sitzung des informellen NATO-Rußlands-Rats am Freitag im spanischen Sevilla kündigte er eine »asymetrische Antwort« auf die Star-Wars-Pläne der USA an, »die nicht teuer sein wird«. Niemandem werde es gelingen, »uns in einen Rüstungswettlauf hineinzuziehen«, sagte Iwanow. Dabei dürfte er an die längst im russischen Arsenal stehende Interkontinentalrakete Topol-1 gedacht haben. Diese kann im Flug den Kurs ändern und wäre folglich für die US-Star-Wars-Systeme unangreifbar.

   
 

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