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Haben Sie folgendes schon
mal erlebt: Sie fahren auf der Autobahn und haben völlig freie Strecke,
während in der Gegenrichtung jede Menge Verkehr herrscht? Mir kommt dann
immer der mulmige Gedanke, daß ich der Einzige bin, der noch nichts von
dem Reaktorunglück erfahren hat, vor dem die anderen abhauen.
Physisch bin ich noch nie
näher an die wirkliche Geisterfahrt gekommen. Ich rate auch jedem Leser,
es beim Gedankenexperiment zu belassen, das ist besser für die eigene
Gesundheit und den Werterhalt Ihres Fahrzeugs. Aber stellen Sie sich einmal
vor, sie wären auf der Autobahn und Ihnen kommt ein Fahrzeug entgegen.
Klar, ein Geisterfahrer, da verständigen Sie über die
Freisprechanlage Ihres Mobiltelefons die Polizei, damit diese über den
Verkehrsfunk die anderen Fahrer warnt.
Was aber, wenn dem einen
Geisterfahrer andere folgen? Wenn es immer mehr werden? Wenn Sie der Einzige
sind, der auf dieser Fahrbahn in Ihrer Richtung unterwegs ist? Hunderte
Geisterfahrer? Tausende? Oder eben nur einer? Ja, jetzt kommen Sie ins
Grübeln. Und Sie halten Ausschau nach einer
Wendemöglichkeit.
Tja, und dann wird es noch
schlimmer. Laut den Schildern am Fahrbahnrand fahren Sie nämlich korrekt.
Die Schilder sind rechts von Ihnen und Ihnen zugewandt. Allem Anschein nach
fahren Sie richtig und alle anderen falsch. Noch ist wie durch ein Wunder kein
Unglück passiert. Bleiben Sie jetzt charakterstark (bzw. rechthaberisch)
und fahren weiter - oder passen Sie sich dem Strom an?
Zum Glück ist das ein
automobiles Gedankenexperiment. Allerdings eines mit realem Hintergrund, denn
ich fühle mich als virtueller Geisterfahrer. Ich habe ein Ziel, sehe immer
wieder "Schilder", also Anzeichen, daß ich mich auf dieses Ziel zubewege,
doch ich scheine der Einzige zu sein, der in dieser Richtung fährt, alle
anderen kommen mir unbekümmert entgegen.
Ob
ich den Fernseher anschalte, das Radiogerät oder auch nur die Zeitung
aufschlage - schon kommt mir die Masse der Autofahrer entgegen. Nicht nur so
Typen wie Boris Becker oder die Kanzlerin, nein, auch Leute mit der
erforderlichen intellektuellen Kapazität oder einer anzunehmenden Tendenz
zur Wahrheitsliebe.
Ich komme mir vor wie in
einem großen Biergarten, in dem immer zahlreicher die Leute
hineinströmen, während ich angesichts der herannahenden pechschwarzen
amboßförmigen Wolkenbank und dem eindrucksvollen Wetterleuchten
schon dem Ausgang zustrebe.
Die Börsenkurse
steigen, es wird immer mehr Geld verdient, die Gewerkschaften reden von
massiven Tariferhöhungen. Eine günstige Wirtschaftsmeldung jagt die
andere, die Arbeitslosenzahlen sinken, die Kanzlerin eilt von Erfolg zu Erfolg
und ihre Sympathiewerte steigen. Die größte politische Frage der
Gegenwart ist, ob nun der treuerprobte Parteisoldat Erwin Huber oder der
allzeit unberechenbare Querkopf Horst Seehofer CSU-Boß werden
wird.
Weltweit überschlagen
sich die Friedensinitiativen. Die Palästinenser einigen sich untereinander
in Mekka, Nordkorea verzichtet auf seine Atomtechnologie, Israels Olmert redet
mit dem Palästinenser Abbas, Rußland und China sind durch
vielfältige Wirtschaftsbeziehungen mit dem Westen verbunden, der
amerikanische Kongreß erlegt der Kriegslüsternheit des
Präsidenten Beschränkungen auf. Drohende Konflikte werden durch
Dialoge gelöst, durch Zugeständnisse und Zusammenarbeit.
Die Mehrheit der Menschen
kommen mir direkt entgegen, rauschen auf der Autobahn in Richtung goldenes
Zeitalter, während ich in Richtung Apokalypse unterwegs bin. Alle anderen
tanzen, doch ich spüre den Vulkan unter unseren Füßen, der kurz
vor dem Ausbruch steht. Die Medien feiern Erfolge, reden von einer besseren
Zukunft, nur ich spüre das Fin de sciecle, das Ende einer Epoche
nahen.
Bin ich der Geisterfahrer?
Bilde ich mir die Schrift an der Wand nur ein? Lese ich die Karte und alle
Wegweiser am Straßenrand falsch? Liege ich völlig daneben und leide
gar unter Halluzinationen?
Ja, vielleicht. Die
Wahrscheinlichkeit spricht dafür, denn Milliarden Fliegen können
nicht irren.
In
den amerikanischen Monumentalfilmen der fünfziger Jahre wurde das alte Rom
als Urbild des korrupten, unterdrückerischen Imperiums dargestellt, das
alle Nationen der Welt als Sklaven hält und dessen übermächtiges
Militär jede Regung der Freiheit mit blutiger Brutalität
erstickt.
Nicht gezeigt wird, was
das römische Imperium den unterdrückten Völkern gebracht hat:
religiöse Toleranz, fortschrittliche Medizin, Hygiene, sichere
Handelswege, kodifiziertes, einklagbares Recht, Versorgung mit sauberem,
gesundem Wasser, Technologie, Wissenschaft und Kunst. Ob man nun in Londinium
lebte, oder in Castra Colonia, Ostia, Alexandria oder Ephesus - man bediente
sich der gleichen Sprache, bezahlte mit den gleichen Münzen und huldigte
dem gleichen Kaiser. Der friedliebende Bürger des Reiches brauchte seine
Soldaten nicht zu fürchten.
Vom korrupten,
unterdrückerischen Rom der Neuzeit hingegen wird verschwiegen, daß
da mehr ist als Coca Cola und McDonalds, als Blue Jeans und Internet. Wir
verehren zwar nicht mehr den göttlichen Kaiser, aber haben dafür den
Holocaust in den Rang eines mythischen Dogmas erhoben, an dem zu zweifeln
Gotteslästerung darstellt (wie jüngst ein deutscher Richter in seiner
Urteilsbegründung formuliert hat).
Auch das neue Rom
zwingt seine Vasallenvölker zu Kriegsdiensten für das Imperium,
erlegt den Unterworfenen Besatzungssteuern auf ("Stationierungskosten" für
die "Schutztruppen"). Auch das neue Rom hat sein privilegiertes
Bürgerrecht, denn kein internationaler Gerichtshof darf einen
amerikanischen Soldaten wegen Kriegsverbrechen anklagen, aber die Amerikaner
selbst klagen gerne Angehörige anderer Völker an. Nichtamerikaner sind im
Zweifelsfall rechtlos, aber US-Gerichte verhandeln über alles, was sie
für verhandelnswert erachten.
Brachte das richtige
Rom Kultur und Zivilisation, so löscht das neue Rom diese aus. Der
bombastische Effekt und die brutale Gewalt dominieren die Leinwand, die Akteure
sind entweder gut oder böse, schwarz oder weiß, doch sie besitzen
keinerlei Tiefe oder Zwischentöne. Die kunstvolle Melodie wurde durch
rhythmischen Radau ersetzt. Sprachen, die sich über Jahrhunderte hinweg zu
nuancenreichen Ausdrucksmitteln herangebildet haben, ertrinken im
trübsinnigem Sumpf unsauberer Amerikanismen.
Hatten Städte
früher ein unverwechselbares Gesicht, so baut man heute die gleichen
Schachteln aus Glas und Stahlbeton in Chicago oder London, in Paris, Frankfurt,
Athen, Dubai oder Yokohama. Lagen die Legionen des alten Roms in den Garnisonen
überall im Reich, so finden sich die Trägerkampfgruppen des modernen
Roms auf allen Meeren, stehen seine Divisionen in allen geknechteten
Ländern. Schickten die unterworfenen Völker ihre Söhne zur
Erziehung nach Rom, schicken sie heute ihre Elite nach Harvard, Yale oder
Stanford.
Ja, das Imperium ist
mächtig, hält die Welt im eisernen Griff. Es nimmt mehr und gibt viel
weniger als das alte Rom. Die Eskapaden eines Caligula beschränkten sich
auf Rom selbst, unter den Eskapaden eines Bush' leidet die ganze Welt. Die
Unterdrückung der Völker erfolgt im Namen der Freiheit, die Peitsche
wird geschwungen für die Menschenrechte.
Der große Satan
regiert die Welt, scheint unangreifbar und übermächtig, in Erz
gegossen. Die Mächtigen der Völker kriechen im Staub vor dem Thron
der Weltbeherrscher, rückgratlose Vollstrecker des Willens ihrer
gottgleichen Meister.
Aber die Schrift steht
längst an der Wand, der Stab über das Imperium ist bereits gebrochen,
das amerikanische Zeitalter taumelt bereits seinem Ende entgegen. Aber
vielleicht bin ich auch nur der Geisterfahrer, der Dinge zu sehen glaubt, die
kein anderer sonst sieht.
Dem Imperium
gehen die Soldaten aus
Rom wurde durch ein
Bürgerheer aufgebaut und durch Söldnerheere verloren. Trotz der
wachsenden wirtschaftlichen Bedrängnis der US-Bürger und der
ständig wachsenden Bevölkerung (100 Millionen Zuwachs in rund 40
Jahren) haben die Werber für das US-Militär immer größere
Schwierigkeiten, neues Kanonenfutter zu finden. Das Militär bietet zwar
"sichere Jobs", doch diese Arbeitsplätze liegen sehr oft in Ländern,
in denen auf die amerikanischen Soldaten geschossen wird. Die Aussichten auf
eine bleibende Beschädigung oder die Heimkehr im Sarg halten die
Freiwilligen davon ab, sich zu melden.
Rom ersetzte die
Römer in seinem Heer immer mehr durch Söldner, angeworbene
Angehörige anderer Völkerschaften. Die USA werben nicht an, sondern
schicken ihre Verbündeten ins Feuer, ob nun Briten oder Polen, Kanadier
oder Italiener, Japaner oder Deutsche - die Unterworfenen schicken ihre Truppen
in die Kriege der Amerikaner. Zumindest übernehmen sie den Teil der
Kriegführung, bei dem Soldaten dem feindlichen Feuer ausgesetzt sind. Das
weit weniger gefährliche Abwerfen von Bomben vollführen weiterhin die
Amerikaner.
Dem Imperium
geht das Geld aus
Das römische
Imperium hatte seinen Höhepunkt unter Augustus erreicht. Der Aureus und
der Dinar, geprägt aus purem Gold und reinem Silber, wurden als
Zahlungsmittel in allen Winkeln der Welt akzeptiert, auch von Völkern, die
den Römern nicht wohlgesonnen waren. In der späteren Kaiserzeit
wurden zwar Münzen gleichen Namens verwendet, doch diese enthielten immer
weniger Edelmetall. Als Zahlungsmittel wurden sie nur noch innerhalb des
Imperiums angenommen, und auch das nur, weil die Staatsmacht das erzwungen
hatte.
Der Dollar war bis 1971
durch den Vertrag von Bretton Woods der Wertmaßstab für alle anderen
Währungen. Er wurde weltweit akzeptiert und selbst Terroristen, die
Anschläge auf amerikanische Einrichtungen unternahmen, ließen sich
bereitwillig in Dollar entlohnen. Heute hat die Abkehr vom Dollar bereits
eingesetzt. Es ist nicht mehr selbstverständlich, daß die Güter
der Welt in Dollar abgerechnet werden. Schon wird in Afrika der Euro lieber
gesehen als der Dollar.
Die Ursachen sind
dieselben wie vor 2000 Jahren: Das Imperium gibt mehr Geld aus, als es
einnimmt. Solange Roms Truppen reiche Länder ausplündern konnten, war
das Imperium zahlungsfähig. Die USA haben zwei Weltkriege
geführt, um ihre Staatsfinanzen zu sanieren. Mangels weiterer
Inkasso-Möglichkeiten mußte Rom den verbliebenen Wert (also das
Edelmetall) strecken, das heißt, immer schlechtere Münzen
prägen. Die USA befolgen exakt dieses Rezept, indem sie auf den
verbliebenen Wert (Wirtschaftskraft, Volksvermögen etc.) immer mehr
Anteilsscheine (Dollar) ausgeben.
Formal ist der Dollar
des Jahres 2007 immer noch ein Dollar, so wie jener von 1907. Ohne die
Künste der Papierherstellung und des Gelddruckens aber wäre der
Dollar aus dem Jahr 1907 eine massive Silbermünze von gut 30 Gramm
Gewicht, sein Urenkel von heute jedoch ein eine gleich große Münze
aus billigem Gußeisen, das mit gerade einmal einem Gramm Silber
überzogen wurde.
Das einstmals reichste
Land der Erde ist längst bankrott. 600 Milliarden Dollar
Außenhandelsdefizit bedeuten, daß dieses Land den Gegenwert dieser
600 Milliarden Dollar als Tribute erpreßt, für die nur mit
Schuldscheinen bezahlt wird - und zwar besondere Schuldscheine, denn die
größte Armee der Welt verhindert, daß diese jemals
eingetrieben werden können. Etwa jenen Betrag, 550 Milliarden Dollar,
lassen sich die USA jedes Jahr die Kriege kosten, die sie auf der Welt
führen, und die Armee, das Instrument zur Unterdrückung der
Völker. Und in gleicher Höhe bewegt sich das Haushaltsdefizit der
US-Regierung jedes Jahr.
Setzen wir
Gleichheitszeichen, so ergibt sich, daß die USA jene Armee, die sie
sich selbst nicht mehr leisten können, von jenen Völkern bezahlen
läßt, die von dieser Armee in Knechtschaft gehalten
werden.
Das Reichsvolk
ist bankrott
Rom prägte den
Spruch "panem et circenses", Brot und Spiele. Mit kostenlosem Brot und
Unterhaltung durch blutige Gladiatorenspiele wurde das Prekariat der
Welthauptstadt ruhig gestellt. Der Reichtum hatte sich auf wenige Familien
konzentriert, die Milliardäre der Antike. Die Masse der Bevölkerung
hingegen lebte von Sozialhilfe, eben der Brotverteilung.
Zu den Mythen der USA
gehört "der reiche Onkel aus Amerika" und der Tellerwäscher, der zum
Millionär aufsteigt. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Oh, sicher,
es gibt in den USA keine Sozialhilfe, von der große Teile der
Bevölkerung dauerhaft leben können. Der "Brot"-Teil funktionierte
so: Ständig steigende Immobilienpreise erlaubten es
Immobilienbesitzern, immer höhere Hypotheken auf ihr Eigentum aufzunehmen.
Dieses Geld haben sie ausgegeben und damit Konsumgüter angeschafft. Das
hat zwar die Weltwirtschaft belebt, doch diesen Käufen steht nicht der
Erwerb bleibender Werte gegenüber, sondern nur ein kurzfristiges
Vergnügen. Der teuere Plasmabildschirm bringt im Leihhaus nur noch einen
Bruchteil des Kaufpreises.
Und jetzt ist die Party
zu Ende. Der Wert der Immobilien steigt nicht mehr, dafür die Kosten der
einstmals billigen Hypotheken ohne Zinsbindung. Wer nicht mehr bezahlen kann,
dessen Hypothek wird fällig gestellt - und seine Immobilie zwangsverkauft.
Noch - denn durch jede derartige Aktion verliert die Hypothekenbank Geld. Laut
Meldungen, die eben nicht in den Tagesnachrichten auftauchen, verlieren bis
April zehn Millionen Amerikaner Haus und Hof.
Was passiert, wenn die
ersten Banken zusammenbrechen? Was hat die 1st National in
Kassameenee mit Ihrer Sparkasse in Mittelmietraching zu tun? Nun, die
US-Kleinbank hat sich refinanziert, also ihre Kredite weiterverkauft. John Doe
darf bankrott gehen, das ist einkalkuliert, James Brown auch noch, doch wenn
William Smith nicht mehr bezahlen kann, kann auch die 1st National
nicht mehr ihre Kredite bedienen. Das Spiel wird auf der nächsten Stufe
fortgesetzt und irgendwann fehlen auch den Großbanken die Einnahmen. Bank
America, Goldman Sachs, City Bank... sie alle hängen irgendwie zusammen
mit der die 1st National in Kassameenee - und auch mit Ihrer
Sparkasse im beschaulichen Mittelmietraching.
Milliarden
Schmetterlinge flattern, ohne daß viel passiert, doch jeder
Flügelschlag hat grundsätzlich das Potential, einen Orkan
auszulösen. Der eine William Smith zuviel kann das Weltbanksystem in
seinen Grundfesten erschüttern. Kein Staat der Welt kann den Banken in
diesem Fall helfen, im Gegenteil, die Staaten müssen versuchen, sich
selbst zu retten. Bankrotte Banken bedeuten fehlende Kredite, also verhinderte
Investitionen und damit ausgefallene Geschäfte. Das zarte Pflänzchen
Aufschwung wird niedergewalzt.
Dabei habe ich hier
noch gar nicht die Treibminen im Börsensumpf berücksichtigt, die
Hedgefonds. Deren Geschäft basiert auf Zukunftserwartungen und
Milliardenkrediten der Banken. Unser Freund William Smith läßt ein
paar Dominosteine purzeln, die schließlich dazu führen, daß
ein Firmenkredit nicht vergeben wird und ein Geschäft platzt - ein
Geschäft, auf das ein Hedgefonds spekuliert hat. Dann fällt dieser
Dominostein auf den Zünder einer Seemine mit einer Tonne Sprengstoff im
Leib.
Die Gegner
werden mächtiger
390 vor Christus haben
die Gallier Rom fast gänzlich erobert und zogen nur nach horrender
Tributzahlung wieder ab. 216 vor Christus stand Hannibal erfolglos vor den
Toren Roms und 102 bzw. 101 vor Christus gelang es Rom unter großen
Opfern, Kimbern und Teutonen in Norditalien zu vernichten. In den folgenden
fünf Jahrhunderten gab es zwar Bürgerkriege, aber
Auseinandersetzungen mit fremden Mächten wurden weit entfernt
geführt. 451 nach Christus wurden die Hunnen noch besiegt - aber 476 war
das Weströmische Reich erloschen.
1812 haben die Briten
Washington verbrannt, seither führen die Amerikaner - von ihrem
Bürgerkrieg abgesehen - ihre Kriege in fernen Ländern. Den zweiten
Weltkrieg haben sie noch mit größter Übermacht gewonnen, schon
in Korea mußten sie ein Unentschieden akzeptieren. Vietnam wurde zur
Niederlage; weder im Irak noch in Afghanistan gelingt es den Amerikanern, das
Land zu befrieden. Die scheinbar niedergeworfenen Taliban werden von Tag
zu Tag zahlreicher, in ihrem Land haben längst sie die Initiative, nicht
mehr die Amerikaner. Der Irak wird zur Blutmühle für die
amerikanischen Besatzer und ihrer Hilfsvölker, ein neues Stalingrad, ein
neues Vietnam.
Kann sich das Imperium
noch einen Gegner leisten? Den Iran? Oh, natürlich können die
USA das Land verwüsten, Atomwaffen haben sie dafür genug. Und wenn
der Kongreß nicht mitspielt, lassen die USA die Israelis vor und die
ersten Bomben werfen. Denen muß Amerika doch helfen, sie sind
schließlich die armen Opfer... Entschuldigung, die treuen
Verbündeten.
Aber wie soll ein
Imperium ohne Geld, ohne Soldaten, mit einem bankrotten und deswegen unwilligen
Reichsvolk einen Krieg gegen einen Gegner führen, der auf diesen Kampf
vorbereitet ist? Gegen einen mächtigen, fanatisierten Gegner?
Natürlich ist es Unsinn, dem Iran zuzutrauen, er könne die USA
ernsthaft gefährden. Das glaubt nicht einmal das amerikanische
Propagandaministerium. Es sind die Amerikaner, die im fremden Land kämpfen
- und das bedeutet wenige Amerikaner gegen viele Iraner.
Nebenbei haben die
Iraner das gleiche Kriegsziel wie die Amerikaner. Die amerikanischen Soldaten
wären viel lieber in Miami Beach als im Iran - und auch den Iranern
wäre es viel lieber, wenn die Amis in Miami Beach wären als im Iran.
Was zweifellos dazu führen dürfte, daß sehr viele Amerikaner
ganz in der Nähe von Miami Beach ankommen - auf dem Heldenfriedhof von
Arlington. (Na ja, richtig nahe ist der nicht, aber viel näher an Miami
als an Teheran.)
Geisterfahrer...
Ich fahre auf der
Autobahn und alle anderen kommen mir entgegen. Ich schaue auf die
Straßenschilder und stelle fest, daß ich richtig herum fahre. Aber
vielleicht sitze ich ja nicht im Auto, sondern in einer Geisterbahn. Alles um
mich ist Illusion, die nur dem Nervenkitzel dient. Vielleicht träume ich
auch nur...
Wenn ich jedoch nicht
träume, dann wird es knallen. Nach dem Ende des Römischen Imperiums
begann ein dunkles Zeitalter, das Ende der Zivilisation, weil die Quelle der
Zivilisation erloschen war. Doch die USA sind nicht die Quelle unserer
Zivilisation, sie sind die Unterdrücker unserer Kultur.
Wenn es also knallt,
wird sich bald der Staub legen und wir werden sehen, was wir aus den
Trümmern der alten Welt wieder aufbauen können. Dann ist kein Platz
mehr für Geisterfahrer, dann heißt es anpacken. Und jene Leute, die
mit mir in die richtige Richtung gefahren sind, haben dann hoffentlich
Landkarten und Baupläne im Handschuhfach. .
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