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13.04.2007 Dario Pignotti Info von:   jungewelt
»Könnte sein, daß sie mich umbringen«
   

Seit 60 Jahren herrscht in Paraguay die Colorado-Partei. Doch die Macht der Oligarchie bröckelt. Gespräch mit Fernando Lugo

Der Befreiungstheologe Fernando Lugo will 2008 zu den paraguayischen Präsidentschaftswahlen kandidieren. Für seine Feinde ist er »der Chávez Paraguays«

Sie gelten in Paraguay als »Bischof der Armen« und haben im Dezember ihr Priesteramt niedergelegt, um bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr als Unabhängiger und als Anwalt der »von der Oligarchie vergessenen Mehrheit« anzutreten. In einem Land, in dem seit 60 Jahren dieselbe Colorado-Partei regiert und die Gespenster der Stroessner-Diktatur von 1954 bis 1989 noch immer nicht vertrieben sind… Machen Sie sich, auch angesichts Ihrer guten Umfragewerte, keine Sorgen um Ihr Leben?

Es gibt Leute, die nicht nur meine Person, sondern die Hoffnung des Volkes und die Suche nach Gerechtigkeit erschießen wollen. Diese Leute versuchen, dafür zu sorgen, daß die Ausgeschlossenen auch die Hoffnung verlieren, einen Platz in der Gesellschaft einnehmen zu können. Ich glaube, daß die Macht in Form von vier möglichen Szenarien gegen mich arbeitet: erstens durch die Anfechtung meiner Kandidatur, zweitens indem sie mich antreten läßt und dann zum Wahlbetrug greift, drittens, indem sie für ein Klima der Unsicherheit und der Gewalt sorgt, um mir die Macht nicht übertragen zu müssen, und viertens durch die physische Eliminierung.

Sie sprechen davon, daß man Sie töten will?

Ja.

Wer hätte ein Interesse daran?

Diejenigen, die an der Macht sind, diejenigen, die die Pflege ihrer Privilegien nicht aufgeben wollen, die mit der Macht verbundene Mafia. Dahinter stecken der Drogen- und Waffenhandel, die eine ganz beachtliche wirtschaftliche Macht besitzen und sehr stark mit einer politischen Partei verbunden sind.

Kommandieren in Paraguay weiterhin die Militärs?

Die Streitkräfte sind nicht mehr dieselben wie in den Jahrzehnten der Diktatur. Sie sind völlig entwaffnet und desorganisiert. Heute gibt es Militärs, die sich Geschäften widmen, andere widmen sich der Politik und damit muß Schluß sein.

Wie ebnet man in einem so heruntergekommenen politischen Milieu den Weg zur Veränderung?

Mit der Unterstützung des Volkes. Mich unterstützen verschiedene Bewegungen, wie Tekojojà (»Gleichheit« in der indigenen Sprache Guarani), die fünf Gewerkschaftszentralen, die linksnationalistische Febreristische Revolutionäre Partei, ein Teil der Liberalen Partei, die Basis der Colorado-Partei, Paraguay Posible, die Christdemokratie, die beiden Koordinationen der Indigenas, die Bauernbewegungen und die Basis der UNACE des Generals Lino Oviedo.

Ist es möglich, bei den Präsidentschaftswahlen ohne eine Partei anzutreten?

Ich glaube ja.

Erscheint es Ihnen nicht messianisch, allein auf die Popularität zu setzen?

Ich betrachte mich als einen nachdenklichen Menschen und halte an den Überzeugungen, die mich zu meinem Entschluß geführt haben, fest. Ich will nicht messianisch sein, aber ich glaube, daß Paraguay aufgrund einer Reihe von Faktoren (wie der Krise der Parteien und der Führungskrise) eine andere politische Praxis benötigt. Vielleicht ist es das, was dazu beiträgt, daß ich in den Umfragen an Unterstützung gewinne.

Wie würden Sie Ihr gesellschaftspolitisches Programm zusammenfassen?

Paraguay ist die Insel des Überflusses für zirka 500 Familien, die von einem Meer von Menschen umgeben sind, die im Elend leben. Deshalb spreche ich von Wachstum mit Gerechtigkeit und nicht von egalitärem Sozialismus. Nachdem ich das ganze Land bereist habe, sage ich, daß man den Mangel an Staat sieht. Es mangelt auch an einer starken Präsenz privater Investitionen. Ich glaube nicht an die Staatswirtschaft und auch nicht an das Kapital, daß sich auf der Jagd nach totaler Deregulierung befindet.

Stört es Sie, mit Hugo Chávez und Evo Morales verglichen zu werden?

Es gibt Leute, die versuchen, meine Person dadurch zu disqualifizieren, daß sie sie mit Chávez assoziieren. Ich glaube allerdings, daß wir uns – angefangen bei den Wurzeln – voneinander unterscheiden. Er ist ein Militär und ich komme von einer sozialen und kirchlichen Bildung her. Zu Evo sage ich, daß er für Bolivien optimal sein kann. Dort gibt es allerdings einen sehr hohen Prozentsatz Indigenas, anders als in Paraguay.

 

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