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April 2007 Sabine Lichtenfels Info von:  
Die Ego-Falle
   

aus dem Buch: GRACE - Pilgerschaft für eine

Zukunft ohne Krieg 

Es ist das Ego, das in den Kategorien von Angriff und Verteidigung

lebt und denkt. Es ist die seit Jahrhunderten traumatisierte Kraft in

uns, die süchtig geworden ist nach Leiden, denn davon nährt sie sich.

Das, was die derzeitigen Kulturen weltweit beherrscht, die Strategien

des Krieges, das, was die derzeitige Politik beherrscht, spiegelt

sich im Mikrokosmos Mensch, in jedem Individuum. Ich nenne es die

Egofalle. Irgendwann in der Schöpfung ist es geschehen, Mensch oder

Menschin trennte sich aus dem Schöpfungsganzen und brachte die Geburt

des Egos hervor. Dieser Vorgang ist historisch. Er ist verbunden mit

der Trennung des Menschen von der göttlichen Quelle und hat deswegen

in sich niemals einen dauerhaften Bestand. Deswegen ist die

Identifizierung mit dem Ego immer verbunden mit Angst und Schmerz.

Der Beginn liegt fast grundsätzlich darin, dass wir unser höheres

Selbst nicht mehr kennen und dass wir uns deswegen nicht wirklich

akzeptieren. Wir haben kein vollkommenes Bild von uns selbst.

Da tobt ein verletztes bedrohtes Etwas aus der Vergangenheit in uns,

das wir Ich nennen. Es lebt von den Blicken anderer und von dem

Ringen um ihre Anerkennung, weil es seinen tiefsten Grund verloren

hat, seine Heimat und seinen Schutz in der göttlichen Welt. Du fühlst

dich nicht gesehen und erkannt und schon beginnst du zu kämpfen. Du

fühlst deine Schritte nicht wirklich gesehen und gewürdigt und legst

es den anderen zur Last.

Immer, wenn etwas in uns denkt: „Zu wenig, nicht genug, mehr, nicht

im Recht, ungerecht behandelt“, sitzt das Ego auf der Lauer, gierig

nach neuer Beute, vor allem dann, wenn es sich bedroht fühlt. Es will

immer mehr haben und wird niemals satt. Es nimmt, was es haben kann,

nach dem großen überschwänglichen Glück rafft es um so hungriger nach

dem Elend und dem Leiden; nach der großen Verliebtheit kommt der

Trieb der Zerstörung. Es nimmt, was es auch immer haben kann, Materie

oder Geist.

Das Ego tarnt sich als die letzte Kriegerin in uns. Es ist der Kampf

ums Überleben, und je näher du deiner ursprünglichen Quelle kommst,

desto mehr beginnt es zu kämpfen.

Die Heimkehr zur Quelle bedeutet für das Ego den Tod. Dies ist die

Sichtweise des Egos, das noch nicht erkannt hat, dass die Geburt zu

einer höheren Gestalt auf es wartet. Wie die Raupe nichts weiß von

der Wandlung zum Schmetterling, so weiß das Ego noch nichts von der

Geburt zu einem höheren, göttlichen Selbst.

Das kämpferische Ego hat durchaus auch seine gute Seite, denn

letztlich ist es verbunden mit dem Hunger nach mehr Wahrheit und

Erkenntnis, sogar nach mehr Gerechtigkeit. Das Ego war notwendig, um

uns nicht einfach zu braven angepassten Mitläufern werden zu lassen.

Du musstest aufstehen gegen das Patriarchat. Es war das Ego in dir,

das immer wieder den inneren Stachel in dir ansetzte, um dich zu

wehren gegen die Ungerechtigkeiten dieser Kultur. Durch ein starkes

Ego-Bewusstsein erhielten wir den Mut, uns aufzubäumen gegen

bestehende Systeme und Ungerechtigkeiten, wagten es, Altes hinter uns

zu lassen und Neues zu beginnen, zu ringen, zu kämpfen, um

schließlich zu begreifen. Es gab vielen Widerstandskämpfern den

revolutionären Mut, den sie brauchten, und vielen Frauen die Kraft,

weitestgehend aus den patriarchalen Strukturen dieses Systems

auszusteigen. Und dennoch, irgendwann beginnt etwas in dir immer mehr

zu sehen: Du nährst die Dinge, gegen die du kämpfst, solange du noch

kämpfst. Erst wenn du aufgehört hast zu kämpfen, kannst du die alten

Muster wirklich verlassen. Ein langer Weg, ein tiefer Weg, ein

notwendiger Weg zum inneren Frieden. Sprosse um Sprosse sind wir die

Leiter zur göttlichen Quelle höher hinauf gestiegen. Irgendwann aber

kommt die letzte Stufe, und wir werden unsere Kriegerin verabschieden

müssen.

 

Vielleicht haben wir viele mutige Schritte in der

Emanzipationsbewegung getan. Vielleicht sind wir zu einer bekannten

Persönlichkeit geworden. Vielleicht haben wir in unserem Beruf eine

große Anerkennung gefunden. Aber alles das zählt jetzt nicht mehr.

Irgendjemand in dir, ein höheres Bewusstsein, verlangt, dass du alles

dies aufgibst. Nicht, indem du es verlässt, sondern indem du

erkennst, dass du alles das nicht bist. Das höhere Bewusstsein ist

ein umfassenderes Bewusstsein. Hier musst du niemandem mehr etwas

beweisen. Indem du aufhörst, Punkte zu sammeln, indem du aufhörst,

Erfolge oder Misserfolge auf dein eigenes Konto zu buchen, aufhörst,

im Vergleich zu leben, beginnt eine Ahnung von tieferem Frieden, sich

in dir zu melden. Du entdeckst, dass das alte Muster des Denkens dich

früher oder später immer wieder in den Krieg führte. Jetzt wird die

Luft dünner und dünner, und irgendwann kannst du mit allen bekannten

Methoden nicht weiterlaufen. Etwas vollkommen Neues muss eintreten.

Ein Absprung ist verlangt. Der Sprung in eine neue Dimension, der

Sprung in die Freiheit, der auch die letzten Fesseln des kämpfenden

Egos von sich streift. Du tust den Schritt aus der Emanzipation

hinaus in eine Welt, wo es keine Feinde mehr gibt. Dein stärkster

Feind wird zu deinem besten Freund, denn er zwingt dich zur

Selbsterkenntnis.

 

Dieser ganze Irrsinn hat seinen Zweck erfüllt. Du durchschaust den

Egowahn der gesamten Kultur. Es ist gut ihn zu sehen, ihn zu

erkennen, aber du kämpfst nicht mehr dagegen an. Inzwischen ist es

klar geworden, der größte Wahnsinn liegt in der Identifizierung mit

der Krankheit, zu glauben, das sei man selbst. Solange du dich

identifizierst mit irgendeiner dieser Frequenzen, bist du Teil des

Krieges. Wenn du dies erkannt hast, wird das Ego zu deinem

freundlichen Genossen in einem Kampfsport zur höheren Entwicklung. Du

bekämpfst es nicht länger, denn du bist das alles, alles, alles nicht.

Kraftsatz:

Wenn du aufgehört hast zu kämpfen, kannst du die alten Muster

wirklich verlassen

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Lichtenfels

 

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