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Was bezweckt
der G8-Gipfel? (30.5.2007)
Ursprünglich haben
diese Gipfel als eine Art "Kamingespräche" begonnen, bei denen sich die
Oberhäupter der sieben größten Industriestaaten der Welt und
Rußlands miteinander ausgesprochen haben. Bei Kamingesprächen der
Untertanen geht es um das Befinden der Erbtante Olga oder ob man lieber den 3er
mit der stärksten Motorvariante oder doch den 5er, etwas schwächer,
aber dafür komfortabler ausgestattet, bevorzugt.
Bei den Mächtigen der
Welt geht es um ähnlich banale Themen. Nur eben auf der höheren
Etage: Also, welche afrikanische Befreiungsbewegung hat, bei entsprechenden
Waffenlieferungen, die größte Aussicht, die Bodenschätze des
Landes in westliche Hände zu spielen? Eignet sich für glaubhafte
Großmachtpolitik besser ein neuer Flugzeugträger oder sollten es
doch lieber vier Raketenfregatten sein?
Es
ist schließlich gemütlich, man plauscht auf gleicher Augenhöhe
und kann so dem Präsidenten Rußlands in aller Ruhe erklären,
daß die vier neuen atomgetriebenen Angriffsträgergruppen der USA
eine reine Defensivmaßnahme seien, um die Eisfischer von Alaska vor
angriffslustigen Eisbären zu schützen.
Aber diese Idylle war
einmal. Heute geht es um knallharte Politik, deshalb werden diese Treffen auch
viel umfassender vorbereitet. In Heiligendamm begleitet die sieben
Staatsmänner und die eine Hosenanzugträgerin ein Troß von
15.000 Personen. Wozu die acht Hanseln die Personalstärke einer
Infanteriedivision benötigen, weiß ich nicht, aber diese Zahl wird
genannt.
Der Gipfel kostet uns 100
Millionen Euro... Nein, so sollte ich es nicht formulieren. Den Gipfel zu
veranstalten, kostet uns besagte 100 Millionen. Was uns das kosten wird, was
diese Veranstaltung beschließt, ist noch völlig offen.
Jedenfalls sind wir
Normalbürger vor dieser Veranstaltung sicher. Allein 12.000 Polizisten
sorgen dafür, daß der Troß samt Leithammeln sicher in
Heiligendamm hinter dem großen Zaun weggesperrt bleibt. Schiffe der
Bundesmarine und der US-Navy riegeln alle Fluchtmöglichkeiten zur See ab,
außerdem stehen Alarmrotten der Luftwaffe bereit, um selbst
Heißluftballone vom Himmel zu holen.
Was stört die Demonstranten?
Mich persönlich
stört, daß hier für sogenannte Demokraten mehr Aufwand und Pomp
betrieben wird, als zu Zeiten der absolutistischen Monarchien. Außerdem
finde ich die Schutzmaßnahmen reichlich überflüssig. Wenn CIA,
NSA, KGB (bzw. dessen Nachfolger), MI5/6 oder Mossad einen der Herren umlegen
möchten (Merkel ist viel zu gehorsam, um gefährdet zu sein), dann ist
es viel einfacher, das im eigenen Land geschehen und wie einen Unfall aussehen
zu lassen.
Abgesehen von den
Radaubrüdern im Geiste eines Joschka Fischer, denen es egal ist wogegen
sie randalieren, gibt es noch Demonstranten, die ein ernsthaftes und
nachvollziehbares Anliegen haben. In einem demokratischen Staat würde die
Regierung sie auch demonstrieren lassen. In einer modernen Demokratie hingegen
erlaubt man das Demonstrieren nur wechselseitig. Merkel erlaubt jedem, in
Rußland gegen Putin zu demonstrieren, dafür gestattet Putin
freizügig, in Paris gegen Sarkozy Flagge zu zeigen, Sarkozy erlaubt
Demonstrationen in Washington...
Mit dem G8-Gipfel begegnet
uns die geballte Arroganz der Macht. Was sich da versammelt, ist von einer
guten Milliarde Menschen mehr oder weniger ordentlich ins Amt gewählt
worden. Die Beschlüsse, die in Heiligendamm gefaßt werden, betreffen
aber das Schicksal der sechsfachen Anzahl, aller 6,6 Milliarden Menschen auf
der Erde.
Die bankrotten,
entindustrialisierten USA bestimmen über ihre Vasallen den Gipfel und
bevormunden China, die boomende Industrienation, gängeln Indien, in dem
ebenfalls mehr Menschen leben, als in allen G8-Staaten zusammen. Für viele
andere Nationen, vor allem in Afrika, ist die G8 ein Club der ehemaligen
Kolonialherren, in dem die Ausbeutung der Welt mit anderen Mitteln fortgesetzt
wird.
Der Kern dieser
Veranstaltung geht jedoch noch weit tiefer. Ausgebeutet werden nicht nur
irgendwelche "Neger" in Afrika, ausgebeutet werden mindestens 98% der
Menschheit. Würde Opel deutschen Aktionären gehören, würde
es sich der Opel-Aktionär in Bochum überlegen, auf ein klein wenig
Rendite zu verzichten, damit sein Sohn im dortigen Opel-Werk eine Lehrstelle
findet und sein Neffe seinen Arbeitsplatz behält. Den
General-Motors-Aktionär in New York hingegen kümmert es
überhaupt nicht, ob in Bochum die Lichter ausgehen, Hauptsache er streicht
sein Geld ein.
G8, das bedeutet
Globalisierung, bedeutet die Verlagerung von Arbeitsplätzen in
Billiglohnländer, weltweiten Kapitalverkehr und immer anonymere
Beteiligungen. G8 bedeutet Heuschrecken, die heute Unternehmen ausweiden und
zerteilen, aber morgen Socken verkaufen würden, wenn das mehr Geld
einbrächte. G8 bedeutet die Entmenschlichung des Kapitals, die globale
Ausbeutung. G8 bedeutet auch vergiftete Flüsse und verpestete Luft in
China, Lohnsklaventum am Rande des Existenzminimums für billige Waren,
Zwangsarbeit von Strafgefangenen und Kinderarbeit.
G8
steht für Gentechnik, für Pflanzen, die sich nicht vermehren lassen
und deren Saatgut die Bauern Jahr für Jahr von großen Konzernen
kaufen müssen. G8 sorgt für die Abholzung des Regenwaldes, um
kurzfristigen Profit zu erzielen und die Landschaft für Jahrhunderte zu
verwüsten. G8 bedingt die Monokultur-Plantagen der Großgrundbesitzer
und läßt "unwirtschaftliche" Tier- und Pflanzenarten
aussterben.
G8
legt die Spielregeln fest, durch welche die Reichen noch viel reicher werden
und die Armen im Elend ohne jegliche Perspektive vegetieren
müssen.
Was wird offiziell auf dem G8-Gipfel
ausgehandelt?
Natürlich geht es um
den Welthandel. Es geht immer um den Welthandel, denn wie sollen sonst die
"reichen Nationen" noch reicher werden? Jedoch werden nicht die Nationen
reicher, sondern nur die Auserwählten in den jeweiligen Nationen. Der
einfache Bürger profitiert von der Globalisierung, indem er einige Waren
zum halben Preis bekommt, den er sonst bezahlen müßte. Aber wenn
sich sein Einkommen dank dieser tollen Globalisierung halbiert, nützt ihm
das wenig, denn andere Waren behalten ihren Preis.
Gerade in Deutschland
überwiegen die Globalisierungsopfer, denn seit Anbruch der Globalisierung
haben zwar die Manager prächtig verdient, bei der arbeitenden
Bevölkerung hingegen sind die Reallöhne gesunken. Bei den Politikern
nicht, die haben ihre Diäten durch diverse Nebentätigkeiten
aufgestockt, sie sind deshalb nicht von der sinkenden Kaufkraft betroffen,
trotz der so groß herausgestellten Nullrunden bei den Diäten.
Sozialrentner hingegen hatten keine Möglichkeit, die ihnen aufgezwungenen
Nullrunden zu kompensieren.
Im
Rahmen der Globalisierung wurden in Deutschland bewährte Institutionen in
private Firmen umgewandelt. Bei der Bundespost hat das dazu geführt,
daß zahllose Kleinaktionäre der Telekom wegen der
Globalisierungspläne eines Aron Sommer viel Geld verloren haben. Die
"gelbe Post" heißt heute "DHL" und nervt immer wieder mit den
Gottschalk-Brüdern. Bei der Bundesbahn gibt es zwar keine pünktlichen
Züge mehr, aber dafür bestens bezahlte Funktionäre, darunter
auch gerne Politik-Rentner wie Otto Wiesheu.
Die Privatisierungen im
Namen der Globalisierung haben vor allem drei Dinge gebracht: Hochbezahlte und
nicht unbedingt befähigte Manager an der Spitze der neuen Konzerne,
schlechteren und weniger zuverlässigen Service und Massenentlassungen von
Arbeitskräften. Aber dafür haben internationale Spekulanten
schöne Gewinne auf unsere Kosten eingefahren.
Die frühere
Deutschland-AG, mit wechselseitigen Beteiligungen der großen Unternehmen,
gibt es nicht mehr. Anstatt Firmen zu kaufen, die man kennt, verpulvern Nieten
in Nadelstreifen deutsches Kapital in maroden Firmen wie Chrysler, während
in Deutschland die Heuschrecken sich alles unter den Nagel reißen, was
sich irgendwie versilbern läßt.
Außerdem geht es
natürlich um das Weltklima. Das heißt, Angela D. Merkel fragt George
W. Bush, ob er es sich nicht noch einmal überlegen wolle, worauf Freund
George antwortet, das Essen habe ihm ausgezeichnet geschmeckt.
Durch die Quasselrunde von
Heiligendamm wird kein Gramm abgereichertes Uran aus der Umwelt entfernt. Auch
kein Kohlendioxyd, ganz im Gegenteil, durch den riesigen Troß und den
Aufwand bei der Absicherung wird soviel in die Atmosphäre gepustet, wie
durch alle Deutschen zusammen im Pfingsturlaub.
Die Umweltsünder in
den USA stellen sich taub, die Umweltsünder in China und Indien sitzen
nicht mal am Tisch. Was also soll dabei herauskommen? Daß Japan sich
verpflichtet, seine Eßstäbchen zukünftig aus schwedischem
Fichtenholz produziert, das im Sägewerk übrig bleibt, wenn Balken
für Bauholz geschnitten werden?
Oder erwarten Sie,
daß etwas gegen die "Erderwärmung" getan wird? Gegen einen Vorgang,
der sich ziemlich regelmäßig in der Natur abspielt? Im Mittelalter
war Grönland eine grüne Insel, auf der die Wikinger Ackerbau und
Viehzucht betrieben haben. Weihnachten haben Kinder im Rhein gebadet, so warm
war es. Ab 1300 begann die "kleine Eiszeit", die bis etwa 1700 gedauert hat.
Alles ohne vom Menschen produziertes Kohlendioxid.
Heute hat man jedoch den
großen Vorteil, daß man solche Effekte besteuern kann. Das nennt
sich dann "Klimaschutzabgabe" und wird an bedürftige Staaten
überwiesen. Nach einem kleinen Abzug, also einem Drittel für die
Erhebung der Klimaschutzabgabe, einem weiteren Drittel für die Verwaltung
und einem Drittel für die beteiligten Banken. Der Rest sorgt dafür,
daß die Seychellen als Urlauberparadies erhalten bleiben. Für die
Reichen, natürlich, die trotz horrender Klimaschutzabgaben dahin fliegen
können.
Worum geht es hinter den Kulissen?
In
erster Linie geht es darum, das System noch ein paar Tage am Leben zu erhalten.
Das System des wertlosen Dollar, der einstigen Weltwährung, das zu
kollabieren droht. Darum kümmert sich natürlich nicht George Bush und
schon gar nicht Angela Merkel, deren Aufgabe ist es, freundlich in die Kamera
zu winken und bei Bedarf das vorzulesen, was man ihnen in die Hände
drückt. Genau dafür hat man sie auf diesen Posten arrangiert, mit
mehr wären sie überfordert.
Die wirkliche Arbeit
erledigen die unauffälligen Leute im Hintergrund, im Troß der
15.000. Und ja, es geht um Globalisierung dabei, um die Fortsetzung der
Herrschaft der Heuschrecken. Solange man in den USA nur ein wenig Papier
bedrucken muß, um damit alles aufzukaufen, was einen realen Wert besitzt,
lohnt sich die Globalisierung, zumindest für jene Leute, die den Dollar
drucken können.
Der Dollar hat nur einen
kleinen Nachteil: Es gibt schon eine Unmenge davon. So ziemlich jeder Staat mit
ein bißchen Industrie hat das Zeug milliardenweise herumliegen. Die
Chinesen sitzen mittlerweile auf 1.000 Milliarden herum. Wenn jetzt alle Welt
versuchen würde, für diese Dollarschwemme noch ein paar Waren zu
ergattern, würden die Verkäufer frech die Preise erhöhen. Also
nicht wirklich, sondern nur in Dollar.
Anders formuliert: die
lieben Amerikaner müßten für einen Euro nicht mehr
lächerliche 1,35 Dollar hinblättern, sondern 5,00 Dollar - oder 23,60
Dollar. Und das wäre ziemlich übel, weil sich der einfache Joe Smith
da drüben plötzlich keine Importwaren mehr leisten könnte.
Obendrein müßte er sein geliebtes Auto in der Garage stehen lassen,
weil er sich die Tankfüllung für 893,47 Dollar nicht mehr leisten
kann.
Die Heuschrecken haben
jedoch kein Problem, nur weil jetzt 100.000-Dollar-Scheine gedruckt werden. Das
kommt auch nicht teurer als die jetzigen 1-Dollar-Noten. Wenn die
gewöhnlichen Amerikaner erleben, wie sich ihre Altersversorgung in Nichts
auflöst, melden sich alle freiwillig zur Armee. Zur konföderierten
Armee natürlich, die auf Washington marschieren möchte.
Nur, leider, passiert auch
das nicht. In den Tresoren der Europäischen Zentralbank liegen... Dollars.
Euros braucht sie nicht, die kann die EZB bei Bedarf nachdrucken. Und die Bank
von Japan hat auch massenweise Dollars. Und die Bank von England... Ja, wenn
der Dollar den Bach runter geht, gehen Euro, Yen, Pfund usw. auch mit. Deshalb
steigt der Euro zwar mal auf 1,50 Dollar, doch wenig später wird er wieder
absinken. Höchstens der Goldpreis könnte auf 1.000,- Euro / Dollar
pro Unze steigen, oder auf 2.000, 5.000 - so hoch man ihn läßt.
Folglich darf man ihn eben nicht lassen.
Deshalb sorgt der
G8-Gipfel, daß Gold nicht zu hoch steigt. Sonst merken zu viele Leute,
daß ihr Papiergeld nichts mehr wert ist. Und man sorgt dafür,
daß die Statistiken konsistent bleiben. Wenn ein Euro-Land plötzlich
eine Inflationsrate von jenen 15% ausweisen würde, die wir im
täglichen Leben spüren, während die anderen zwischen 1,8 und
2,7% ausweisen, kämen die Leute ins Grübeln.
Was nicht sein darf, wird
es auch nicht geben. Dank des G8-Gipfels, natürlich.
Es
gibt noch ein Thema, um das sich der Gipfel kümmern muß. Unsere
israelischen oder meinetwegen auch unsere amerikanischen Freunde haben ein
kleines Problem mit dem Iran. Ein Problem, das man auf gute israelische oder
amerikanische Weise mit massivem Waffeneinsatz lösen könnte. Das
heißt, wenn Rußland wohlwollend zusieht.
Unsere russischen Freunde
haben auch ein kleines Problem. Deren (und vermutlich auch unsere) serbischen
Freunde würden zu gerne den Kosovo behalten, während unsere
albanischen Freunde den gerne an Groß-Albanien angliedern möchte.
Bis jetzt tut die EU so, als wäre sie sehr dafür, Klein-Serbien und
Groß-Albanien als Nachbarn zu haben.
Da
nun aber unsere russischen Freunde gerne unseren serbischen Freunden helfen
würden, den Kosovo zu behalten, wäre es ein freundlicher Zug von der
EU, den Kosovaren nahezulegen, bei Serbien zu bleiben. Und noch freundlicher
wäre es, den Russen zu erlauben, als die große christlich-orthodoxe
Schutzmacht für das christlich-orthodoxe Serbien aufzutreten. Dann
müssen nur noch die USA wohlwollend zusehen.
Da
schon die alten Römer wußten, daß eine Hand die andere
wäscht, kann man sich doch beim G8-Gipfel zusammensetzen und sich auf
Kosten von Iranern und Kosovaren einigen. Das versetzt dann unsere israelischen
Freunde in Bombenstimmung.
Wenn die Leute auf dem
G8-Gipfel richtig gut sind, beginnt die Aktion, solange noch Tony Blair im Amt
ist. Nicolas Sarkozy steht in Treue fest zu den USA oder wenigstens zu Israel,
genau wie Angela Merkel.
Dann kann man diesen
Krieg mit den alten Dollars führen, die leider infolge dieses Krieges
verfallen - weil die Iraner so bitterböse sind. Bis dahin haben die
Heuschrecken die letzten Wertsachen an sich gerafft. Wenn dann China glaubt,
die Dollar-Container auskippen zu müssen, zeigt man ihnen eine lange
Nase.
Am Ende des Gipfels
hält dann unser aller Kanzlerin im zu engen Hosenanzug eine Rede,
daß auf dem Gipfel sehr viel zur Rettung des Weltklimas getan wurde.
Deshalb hätte man jetzt richtig was zu feiern. Das große,
große Feuerwerk, wird aus organisatorischen Gründen allerdings nicht
in Heiligendamm stattfinden. Dorthin kommt höchstens der Fall-out, aber
dann sind die hohen Herrschaften nicht mehr dort.
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