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31.05.2007 Reto Kohler Info von:   blick
Zürcher Forscher züchten Grippe-Weizen
   

ZÜRICH – Vor den Toren Zürichs wächst womöglich bald eine neue Weizensorte. Sie ist genetisch verändert – mit Teilen eines tödlichen Virus.

Die Pflanze enthält Gene des gefährlichen Grippe-Virus Influenza A. In der Schweiz sterben jährlich rund 500 Menschen an Influenza-Viren.

Der Züchter des brisanten Weizens ist Beat Keller, Professor an der Uni Zürich. Er will den Grippe-Weizen auf Feldern der Forschungsanstalt Agroscope in Reckenholz anpflanzen.

«Wir wollen die Risiken von genetisch veränderten Pflanzen untersuchen», sagte Keller zu BLICK.


Beat Keller


Die Kosten für den Versuch würde der Schweizerische Nationalfonds übernehmen. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung des Bundesamtes für Umwelt (Bafu). Gibt das Amt grünes Licht, kanns losgehen. Im Gespräch betont Keller, der Versuch sei sicher. «Weder für Menschen noch für die Natur besteht eine Gefahr», sagt der Forscher.

Das verwendete Bruchstück des Grippe-Virus sei harmlos und diene nur zu Analysezwecken.

Kellers Forschungsantrag liegt BLICK vor. Darin tönt es ganz anders. Der Grippe-Weizen könne eine «Schwächung des Immunsystems» hervorrufen, schreibt der Professor in der fast 140-seitigen Arbeit.

Klartext: Wer den Weizen isst, verliert seine Abwehrkraft gegen Grippeviren. Und ist den Mikroben bei der nächsten Infektion schutzlos ausgeliefert. Zum Essen sei der Grippe-Weizen aber gar nicht gedacht, sagt Keller. Sondern nur zu Forschungszwecken.

Nun macht gerade einer dieser Forschungszwecke besonders Angst. Keller: «Wir wollen studieren, ob sich der genetisch veränderte Weizen mit Wildpflanzen kreuzen kann.» Das Grippe-Virus-Bruchstück wäre
dort einfach zu identifizieren.

Indirekt bestätigt der Zürcher Forscher damit: Es ist denkbar, dass sich das Erbgut des Grippe-Weizen mit dem anderer Pflanzen vermischt. Wenn das passiert, essen wir die Killergene vielleicht doch irgendwann. Die Folgen wären fatal.

Umweltschützer laufen Sturm gegen das Projekt. «Das ist absolut unverantwortlich», sagt Marianne Künzle von Greenpeace. Die Gentech-Expertin fordert ultimativ: Stoppt die gefährlichen Genspiele mit Pflanzen in der Schweiz.

aus BLICK:     

   ZÜRICH – 12 Millionen für Gentech-Projekte

Genetisch veränderte Pflanzen sind in der Schweiz sehr umstritten. Unter anderem, weil die Risiken des Anbaus und des Konsums nicht genau bekannt sind. Dies will der Schweizerische Nationalfonds (SNF) jetzt ändern. In einem Grossprojekt sollen die offenen Fragen um die Gentechnologie bei Pflanzen beantwortet werden. Mit 12 Millionen Franken will der SNF 27 verschiedene Projekte unterstützen. Eines davon wäre der Grippe-Weizen. 5 Projekte befassen sich mit den Konsumenten und ihren Ängsten. Auch rechtliche und wirtschaftliche Aspekte kommen unter die Lupe.

 

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