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ZÜRICH Vor den Toren Zürichs
wächst womöglich bald eine neue Weizensorte. Sie ist genetisch
verändert mit Teilen eines tödlichen Virus.

Die Pflanze enthält Gene des gefährlichen Grippe-Virus
Influenza A. In der Schweiz sterben jährlich rund 500 Menschen an
Influenza-Viren. Der Züchter des brisanten Weizens ist Beat
Keller, Professor an der Uni Zürich. Er will den Grippe-Weizen auf Feldern
der Forschungsanstalt Agroscope in Reckenholz anpflanzen. «Wir
wollen die Risiken von genetisch veränderten Pflanzen untersuchen»,
sagte Keller zu BLICK.
 Beat Keller
Die Kosten für den Versuch würde der
Schweizerische Nationalfonds übernehmen. Jetzt fehlt nur noch die
Zustimmung des Bundesamtes für Umwelt (Bafu). Gibt das Amt grünes
Licht, kanns losgehen. Im Gespräch betont Keller, der Versuch sei sicher.
«Weder für Menschen noch für die Natur besteht eine
Gefahr», sagt der Forscher. Das verwendete Bruchstück des
Grippe-Virus sei harmlos und diene nur zu Analysezwecken. Kellers
Forschungsantrag liegt BLICK vor. Darin tönt es ganz anders. Der
Grippe-Weizen könne eine «Schwächung des Immunsystems»
hervorrufen, schreibt der Professor in der fast 140-seitigen Arbeit.
Klartext: Wer den Weizen isst, verliert seine Abwehrkraft gegen Grippeviren.
Und ist den Mikroben bei der nächsten Infektion schutzlos ausgeliefert.
Zum Essen sei der Grippe-Weizen aber gar nicht gedacht, sagt Keller. Sondern
nur zu Forschungszwecken. Nun macht gerade einer dieser
Forschungszwecke besonders Angst. Keller: «Wir wollen studieren, ob sich
der genetisch veränderte Weizen mit Wildpflanzen kreuzen kann.» Das
Grippe-Virus-Bruchstück wäre dort einfach zu identifizieren.
Indirekt bestätigt der Zürcher Forscher damit: Es ist denkbar,
dass sich das Erbgut des Grippe-Weizen mit dem anderer Pflanzen vermischt. Wenn
das passiert, essen wir die Killergene vielleicht doch irgendwann. Die Folgen
wären fatal. Umweltschützer laufen Sturm gegen das Projekt.
«Das ist absolut unverantwortlich», sagt Marianne Künzle von
Greenpeace. Die Gentech-Expertin fordert ultimativ: Stoppt die
gefährlichen Genspiele mit Pflanzen in der Schweiz.
aus BLICK:
ZÜRICH
12 Millionen für
Gentech-Projekte
Genetisch veränderte Pflanzen sind in
der Schweiz sehr umstritten. Unter anderem, weil die Risiken des Anbaus und des
Konsums nicht genau bekannt sind. Dies will der Schweizerische Nationalfonds
(SNF) jetzt ändern. In einem Grossprojekt sollen die offenen Fragen um die
Gentechnologie bei Pflanzen beantwortet werden. Mit 12 Millionen Franken will
der SNF 27 verschiedene Projekte unterstützen. Eines davon wäre der
Grippe-Weizen. 5 Projekte befassen sich mit den Konsumenten und ihren
Ängsten. Auch rechtliche und wirtschaftliche Aspekte kommen unter die
Lupe.
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