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Einfach zum Nachdenken


Der menschliche Geist steht unter einer gewaltigen
Spannung, und diese Spannung hat einen Pegel erreicht,
der an Wahnsinn grenzt. Man muß diese Spannung lösen,
und daneben mangelt es dem menschlichen Herzen an
jeglicher Liebe. Eine Gesellschaft, die ihr Herz
verloren hat, eine Zeit oder Epoche, in der alle
Herzenswerte geschwächt wurden, hat alles verloren,
was gut, wahrhaft und schön ist. Wenn wir das Gute,
Wahre und Schöne in unser Leben einladen wollen, führt
kein Weg daran vorbei, erst einmal wieder unsere
Herzen auf Liebe einzustimmen.

Liebe heißt das Mittel, die Herzen so einzustimmen,
daß sie Musik hervorbringen. Aus diesem Grunde ist für
mich Liebe gleich Gebet: Die Liebe ist für mich der
Weg, der zum Göttlichen hinführt. Für mich sind Liebe
und das Göttliche dasselbe. Beten ohne Liebe ist
unecht, hohl, bedeutungslos. Ohne Liebe haben Gebete
keinerlei Wert. Und ohne Liebe wird es keinem, der an
der Reise zum Göttlichen interessiert ist, jemals
gelingen, zum Letzten und Höchsten vorzudringen. Liebe
ist das Mittel, das die Herzen zum Singen bringt. Dazu
werdet ihr ein paar Dinge verstehen müssen, was die
Liebe betrifft.

Zuerst die Illusion, daß ihr alle schon zu wissen
meint, was Liebe sei. Diese Illusion richtet einen
enormen Schaden an; denn um etwas zu erreichen oder zu
erwecken, das man bereits zu kennen glaubt, wird man
nie einen Finger rühren.

Was ihr aber überseht ist die Tatsache, daß wer die
Liebe kennengelernt hat, zugleich auch die Fähigkeit
erworben hat das Göttliche zu erkennen. Wer weiß, was
Liebe heißt, braucht sonst nichts weiter im Leben zu
erkennen. Aber so, wie ihr beschaffen seid, habt ihr
keine Ahnung; alles wartet erst darauf, erkannt zu
werden.

Somit ist das, was du für Liebe hältst, wahrscheinlich
nicht Liebe. Du hast etwas anderes Liebe genannt und
wie kannst du, solange du dieser Täuschung
unterliegst, also die Vorstellung hegst, schon alles
über die Liebe zu wissen, auf die Idee kommen, sie
ergründen und erfahren zu wollen?

Dies ist also das Erste, was es zu verstehen gilt,
nämlich daß du noch gar keine Ahnung hast, was Liebe
ist.

Keiner von euch kann lieben, weil in eurem Innern
keine Liebe strömt. Wenn ihr zu jemandem sagt: »Ich
liebe dich!«, schenkt ihr damit im Grunde keine Liebe,
sondern bittet um Liebe. Ihr alle bittet nur um Liebe
und wie kann jemand, der selber um Liebe bittet, Liebe
schenken? Wie könnten Bettler Kaiser sein? Wie könnten
Leute, die um Liebe betteln, Liebe-Schenkende sein?

Ihr alle bettelt gegenseitig um Liebe. Innerlich seid
ihr Bettler, die irgendwen bitten, sie zu lieben. Die
Ehefrau bittet ihren Mann um Liebe, der Ehemann bittet
seine Frau um Liebe, die Mutter bittet ihren Sohn, der
Sohn seine Mutter; Freunde bitten Freunde um Liebe.
Alle bettelt ihr einander um Liebe an, ungeachtet der
Tatsache, daß der Freund, den ihr bittet, selber um
Liebe bettelt. Ihr seid wie zwei Bettler, die
voreinander stehen und ihre Bettelschale hinhalten.

Solange jemand noch um Liebe bettelt, ist er nicht in
der Lage selber Liebe zu geben, denn das bloße Bitten
ist ein Zeichen dafür, daß er keine Quelle der Liebe
in sich hat. Warum sonst würde er um Liebe von außen
bitten müssen? Liebe schenken kann nur, wer über das
Bedürfnis um Liebe zu bitten hinaus gewachsen ist.
Liebe heißt Teilen, nicht Betteln. Liebe ist ein
Kaiser, sie ist kein Bettler. Liebe kennt nichts als
Geben, sie weiß nichts vom Bitten.

Weißt du, was Liebe ist? Die Liebe, um die ihr
einander bittet, kann keine Liebe sein. Und merkt
euch: Wer um Liebe bittet, wird niemals auf dieser
Welt ein Fünkchen Liebe bekommen. Eines der
Grundgesetze, eines der ewigen Gesetze des Lebens
lautet: Wer um Liebe bettelt, wird nie im Leben welche
bekommen.

Die Liebe klopft nur an die Tür eines Hauses, aus dem
das Bedürfnis nach Liebe verschwunden ist. Die Liebe
regnet in Hülle und Fülle auf das Haus desjenigen
nieder, der aufgehört hat um Liebe zu betteln.

Aber nicht ein Regentropfen wird auf das Haus dessen
fallen, der sich immer noch nach Liebe sehnt. Liebe
strömt niemals einem bittenden Herzen entgegen. Das
bittende Herz hat nicht die nötige Gastlichkeit, die
es der Liebe möglich macht einzutreten. Nur ein
teilendes Herz, ein schenkendes Herz, kann die Liebe
einladen an seine Tür zu klopfen und zu sagen: Mach
die Tür auf, ich bin da.

Hat die Liebe je an eure Türen geklopft? Nein. Denn
bis jetzt seid ihr noch nicht in der Lage gewesen
Liebe zu schenken. Und merkt euch auch, daß alles, was
ihr gebt, wieder zu euch zurückkehren wird. Eines der
ewigen Gesetze des Lebens lautet: Was immer wir
weggeben, kehrt zu uns zurück.

Die ganze Welt ist eine einzige Echowand: Du gibst Haß
und Haß bekommst du wieder; du gibst Wut und Wut
bekommst du zurück; du beschimpfst andere und deine
Beschimpfungen werden auf dich zurückfallen; du säst
Dornen und Dornen wirst du ernten. Alles, was du
gegeben hast kehrt wieder zu dir zurück, kehrt auf
zahllose Weise zu dir zurück. Und wenn du Liebe
austeilst, dann wirst du grenzenlos Liebe
zurückbekommen. Wenn die Liebe bisher noch nicht auf
zahllose Weise zu dir zurückgekehrt ist, dann wisse:
Der Grund ist der, daß du nie Liebe gegeben hast.

Aber wie solltet ihr Liebe geben können? Ihr habt
keine zu geben. Wenn ihr Liebe hättet, brauchtet ihr
nicht von Tür zu Tür zu wandern und um sie zu bitten.
Warum werdet ihr zu Bettlern, die von Ort zu Ort
wandern? Warum bittet ihr um Liebe? Ihr seid allesamt
Bettler und ihr bettelt immerzu andere Bettler um
etwas an, das sie nicht haben. Und wenn ihr es nicht
bekommt, werdet ihr traurig, dann weint und jammert
ihr und habt das Gefühl keine Liebe zu bekommen.

Liebe ist nicht etwas, das man von außen bekommen
kann. Liebe ist die Musik deines inneren Wesens.
Niemand kann dir Liebe geben. Liebe kann zwar in dir
aufsteigen, aber sie ist nicht von außen zu haben.
Nirgendwo gibt es einen Laden, einen Markt, einen
Verkäufer, bei dem man Liebe kaufen kann. Liebe kann
man zu keinem Preis kaufen.

Liebe ist ein inneres Aufblühen. Sie steigt aus dem
Innern auf, aus einer latenten Energie. Aber wir alle
suchen nach Liebe irgendwo da draußen, ein absolut
irregeleitetes und vergebliches Unterfangen.

Suche nach Liebe in dir selbst. Du kannst dir nicht
einmal vorstellen, daß es in dir so etwas wie Liebe
geben könnte, weil man immer meint, zur Liebe sei ein
Partner erforderlich. Da stellt man sich sofort immer
jemand anderen vor, außerhalb von einem selbst. Und da
du dich nicht entsinnen kannst, daß jemals Liebe in
dir aufgestiegen wäre, wird deine Liebesenergie nie
geweckt. Du ahnst nicht, daß du immer nur da draußen
um etwas bittest, das du bereits in dir hast. Und weil
du es von außen erwartest, schaust du nie in deinem
Innern nach. Somit steigt das, was in dir hätte
aufsteigen können, niemals auf.

Liebe ist der eigentliche Schatz, mit dem jeder
Einzelne geboren wird. Der Mensch wird nicht mit Geld
geboren, Geld ist ein gesellschaftliches Akkumulieren.
Aber der Mensch wird mit Liebe geboren. Sie ist sein
Geburtsrecht, sie ist seine individuelle Mitgift, sie
steckt in ihm drin. Sie ist eine Gefährtin, die ihm
bei der Geburt zur Seite gestellt wird und die ihn von
Anfang an begleitet hat. Aber die Wenigsten haben das
Glück nach innen zu schauen und zu erkennen, wo die
Liebe steckt, wie sie zu finden und wie sie zu
entfalten ist. Also werdet ihr zwar geboren, aber euer
Schatz bleibt unentdeckt. Ja, sie wird gar nicht erst
entdeckt und so bettelt ihr von Tür zu Tür und streckt
anderen eure Hände entgegen, weil ihr Liebe braucht.

Die ganze Welt ist nur von einem Verlangen erfüllt:
nach Liebe. Und die ganze Welt kennt nur eine Klage:
»Ich bekomme nicht genug Liebe!« Und wenn ihr keine
Liebe bekommt, werft ihr anderen vor euch keine Liebe
zu schenken. Die Frau sagt zu ihrem Mann: »Irgendwas
stimmt nicht mit dir. Kein Wunder, daß ich keine Liebe
bekomme.« Der Mann sagt zu seiner Frau: »Mit dir ist
etwas nicht ganz in Ordnung; was Wunder, daß ich da
keine Liebe bekomme!« Und keiner fragt sich auch nur,
ob es je möglich war Liebe von außen zu bekommen.

Liebe ist der innere Schatz, und Liebe ist die
eigentliche Musik des Herzens.

Die Musik des menschlichen Herzens ist schwer gestört:
Die Musik, für die sie geschaffen wurde, ist nirgends
zu hören. Wie bringt man diese Musik zum Erklingen?
Welches Hindernis steht im Wege, daß diese Musik nicht
erklingt? Was ist das Hindernis, daß es nicht dazu
kommt? Habt ihr euch je Gedanken über dieses Hindernis
gemacht? Habt ihr je überlegt, was es damit auf sich
haben könnte?

In eurem Innern kann es nur zwei Stimmen geben, die
Stimme des Ich oder die Stimme der Liebe. Wer von der
Stimme des Ich erfüllt ist, in dem ist die Stimme der
Liebe nicht zu hören. Und wer von der Stimme der Liebe
erfüllt ist, in dem ist die Stimme des Ich nicht zu
hören. Simultan sind sie nirgends zu finden, das ist
unmöglich.

Die Liebe ist in eurem Innern noch gar nicht erwacht,
also könnt ihr in euch immer nur das Echo eures Ich
hören. Und nur mit dieser Ich-Stimme sagt ihr dann:
»Ich möchte lieben! Ich möchte Liebe geben, ich möchte
Liebe bekommen.« Ja, seid ihr denn von allen guten
Geistern verlassen? So etwas wie eine Beziehung
zwischen Ich und Liebe hat es noch nie gegeben. Und
dann erzählt dieses Ich immerzu was von Liebe und
sagt: »Ich möchte beten, ich möchte zu Gott finden,
ich möchte befreit werden!«

Das Ich an sich ist Abwesenheit von Liebe. Ich heißt
Mangel an Liebe. Und je mehr du diese Stimme deines
Ich stärkst, desto weniger wirst du Liebe in dir
finden können. Je mehr Ego, desto weniger Liebe. Und
wenn das Ego total ist, stirbt die Liebe total. Es
kann keine Liebe in euch geben, denn wenn ihr in euch
geht, werdet ihr dort nur den Widerhall der Stimme
eures Ich hören können, rund um die Uhr. Ihr atmet mit
diesem Ich, ihr trinkt Wasser mit diesem Ich, ihr geht
mit diesem Ich in die Kirche. Was gibt es denn sonst
noch in eurem Leben außer diesem Ich?

Eure Kleider sind die Kleider eures Ich, eure Stellung
ist die Stellung eures Ich, euer Wissen ist das Wissen
eures Ich, eure spirituelle Praxis, eure guten Werke
sind die guten Werke eures Ich, euer Ein und Alles, ja
sogar eure Meditation ist noch die Meditation eures
Ich. Mit geschwellter Brust sagt ihr euch: »Ich bin
jemand, der meditiert! Ich bin kein Alltagsmensch, ich
bin kein gewöhnlicher Mensch, ich bin ein Meditierer!
Ich bin ein Helfer! Ich weiß eine Menge! Ich bin
reich! Ich bin dies, ich bin das...«

In das Haus, das ihr um dieses Ich her errichtet habt,
kann niemals die Liebe einziehen. Und dann wird auch
niemals die Musik, die das Herz bis zur innersten
Mitte führen könnte, die es die Wahrheiten des Lebens
lehren könnte, erklingen. Wird sich diese Tür nicht
auftun, wird sie immer verschlossen bleiben.

Euch muß ein für allemal klar werden, wie stark euer
Ego ist, wie tief es geht. Und ihr müßt klar
unterscheiden, ob ihr ihm noch mehr Kraft geben, ob
ihr es noch mehr vertiefen, ob ihr es von Tag zu Tag
nur noch stärker machen wollt. Und wenn du selber es
stärker machst, dann laß alle Hoffnung fahren, daß die
Liebe je in dir aufsteigen wird oder daß sich die fest
verschnürte Liebe lösen kann oder daß dir der Schatz
der Liebe zugänglich wird. Gib schon den Gedanken
daran auf. So ist es einfach ausgeschlossen.

Deswegen fordere ich euch auch gar nicht auf liebevoll
zu werden. Denn auch das Ego kann ohne Weiteres sagen
»Ich bin ein Liebender« und »Ich liebe!«

Die Liebe, die aus dem Ego kommt, ist absolut unecht.
Das ist der Grund, warum ich sage, daß all eure Liebe
nicht echt ist; denn sie kommt aus dem Ego, sie ist
der Schatten des Ego. Und vergeßt nicht, daß eine
Liebe, die aus dem Ego kommt, gefährlicher ist als der
Haß. Denn der Haß ist unmißverständlich, unmittelbar
und unkompliziert, aber eine Liebe, die mit einer
Maske auftritt, wird schwer zu erkennen sein.

Wenn du mit einer Liebe geliebt wirst, die aus dem Ego
kommt, wirst du nach einer Weile das Gefühl haben, von
eisernen Ketten statt von liebenden Armen umschlungen
zu sein. Nach einer Weile wirst du erkennen, daß eine
Liebe, die dir schöne Reden macht und schöne Lieder
singt und verführerische Signale aussendet, daß solche
süßen Lieder voller Gift stecken. Und wenn eine Liebe,
die in Gestalt von Blumen daherkommt, nur der Schatten
des Ego ist, dann wirst du entdecken, daß du von
Dornen gestochen wirst, sobald du diese Blumen
berührst.

Wer Fische fangen will, der steckt zunächst einen
Köder auf den Angelhaken. Das Ego will andere in
seiner Gewalt haben, es möchte sie besitzen, also
durchsticht es sie tief mit seinem Haken, auf dem
Liebe als Köder sitzt. Und so enden viele Menschen
wegen ihrer Liebesillusionen in Schmerz und Leid.
Nicht einmal in der Hölle müssen so viele Menschen so
sehr leiden. Und an dieser eingebildeten Liebe leidet
die gesamte Erde, die gesamte Menschheit. Aber ihr
habt trotzdem noch nicht begriffen, daß eine Liebe,
die aus dem Ego kommt, nicht echt ist. Nur so konnte
es zu dieser Hölle kommen.

Eine Liebe, hinter der sich das Ego verbirgt, ist eine
Art Eifersucht. Und darum ist auch niemand so
eifersüchtig wie die Liebespaare. Die Liebe, hinter
der das Ego steckt, ist nur eine Verschwörung und eine
List, um den andern zu vereinnahmen. Ich sage
Verschwörung: Nur so ist es erklärlich, warum niemand
so erstickend sein kann wie einer, der sagt, daß er
dich liebe. So weit kann es nur auf Grund der
angeblichen Liebe kommen, die aus dem Ego kommt. Und
zwischen Liebe und Ego ist grundsätzlich keine
Beziehung möglich.

Ein religiöser Mensch ist also nicht einer, der sich
auf die Suche nach Gott begibt; ein religiöser Mensch
ist einer, der sich auf die Suche nach seinem Ich
begibt, und je mehr er sich nach ihm umschaut, desto
mehr wird er entdecken, daß dieses sein Ich überhaupt
nicht existiert! Und am Tage, da das Ich nicht mehr da
ist, noch am selben Tage wird für ihn die Tür
aufgehen, hinter der sich die Liebe verbirgt.

Dies also ist der letzte Schlüssel: Suche nach dir
selbst, nicht nach dem Göttlichen.

Du hast nicht einmal einen Schimmer vom letzten und
höchsten Sein. Geh nicht auf die Suche nach dem
Göttlichen, weil du nicht die geringste Vorstellung
hast, was das Göttliche ist. Wie willst du nach etwas
suchen, wovon du nicht einmal eine Vorstellung hast?
Wo willst du jemanden finden, von dem du keine Adresse
hast? Wo willst du jemanden finden, über den du
keinerlei Informationen hast? Wo willst du jemanden
suchen, der keinen Anfang hat und kein Ende, jemanden,
von dessen Aufenthalt du nicht die geringste
Vorstellung hast? Du wirst verrückt werden! Du wirst
nicht wissen, wo du suchen sollst. Eines kennst du
jedoch: Du kennst dein Ich. Zu allererst also mußt du
dieses Ich aufstöbern, nachschauen, was es genau ist,
wo es steckt und wer das ist. Und auf deiner Suche
danach wirst du überrascht feststellen, daß dieses Ich
gar nicht existiert, daß es eine völlige
Wahnvorstellung war. Du hattest dir nur eingebildet,
es gäbe ein Ich. Es war eine Illusion, die du da
genährt hattest.

Eines Tages werdet ihr finden, daß dieses Ich
überhaupt niemand ist, da ist keiner da! Da herrscht
nur tiefe Stille und Friede, aber da ist kein Ich. Und
am Tage, da ihr erkennt, daß kein Ich in euch ist,
habt ihr das Ganze erkannt, das, was wirklich da ist:
das Sein, die Existenz, das Göttliche.

Nur aus diesem Grunde sage ich, daß die Liebe die Tür
zum Göttlichen und das Ego die Tür zur Unwissenheit
ist. Die Liebe ist die Tür zum Licht und das Ego ist
die Tür zur Finsternis. Dieses Letzte mußte ich noch
sagen. Erforscht die Liebe von dieser Warte. Diese
Forschungsreise wird beim Ego beginnen und wird mit
dem Eintreffen der Liebe enden.

In diese Richtung also gilt es zu forschen. Existiert
dieser Schatten von Ego tatsächlich, existiert dieses
Ich wirklich? Derjenige, der diese Forschungsreise
antritt, wird nicht nur kein Ich finden, sondern wird
auch beim Göttlichen ankommen. Wer an den Marterpfahl
des Ich angekettet steht, wird sich nicht auf den
Ozean des Göttlichen hinauswagen können.

Dies war das Letzte, was ich euch zu sagen hatte.
Eigentlich ist dies das Allererste, und das
Allerletzte, was es zu sagen gibt. Ich ist das Erste
im Leben des Menschen und ich ist das Letzte. Wer ans
Ich gefesselt ist, erleidet Schmerz und nachdem er
sich vom Ich frei gemacht hat, gelangt er zur
Seligkeit. Es gibt keine Geschichte, kein Märchen
außer Ich. Es gibt keinen Traum außer Ich. Es gibt
keine Lüge außer Ich.

Sucht dieses Ich und die Tore zur Seligkeit können
sich auftun. Ist der Fels des Ich erst zerschmettert,
werden die Quellen der Liebe zu sprudeln beginnen.
Dann wird das Herz von der Musik der Liebe erfüllt
werden. Wenn das Herz von Liebe erfüllt ist, setzt
eine neue Reise ein, die sich schwer in Worten
beschreiben lässt. Diese Reise wird euch mitten ins
Zentrum des Lebens führen.

Jetzt bleibt zehn Minuten lang innerlich wach und
lauscht ganz still all den Geräuschen um euch her.
Bleibt in eurem Innern bewußt. Bleibt innerlich wach
und lauscht still weiter. Hört einfach nur hin.
Lauscht der Stille des Abends. Und während ihr
lauscht, wird sich eine tiefe Leere ausbreiten....

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