Zurück zur Seite vorher


Seitenzugriffe seit dem 24.08.2007290

Druckversion dieser Seite

Diese Information an einen Freund senden

 
Wie beurteilen Sie diesen Artikel Wie beurteilen Sie die Quelle dieses Artikels
Hier können Sie Ihren persönlichen Kommentar eingeben,
bzw. Kommentare von anderen Besuchern lesen
Kommentare
bisher
0
Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
August 2007 Info von:  
Lebensmittelpreise ziehen kräftig an

Weltweit ziehen die Preise für Lebensmittel kräftig an. Das ist kein kurzfristiger Trend. Im Gegenteil. Vor allem die steigenden Energiepreise und der Heißhunger Asiens treibt die Branche auch in Zukunft an

von Peter Gewalt und Carl Batisweiler

Zentralbankchefs legen bei ihren Meetings entgegen aller Erwartungen ein ähnliches Verhalten an den Tag wie Hausfrauen beim Tratsch nach der morgendlichen Einkaufstour. So gab es beim Treffen der wichtigsten 50 Notenbanker der Welt Ende Juni in der Schweiz ein Gesprächsthema, das die Gemüter ganz besonders erhitzte. Die obersten Währungshüter jammerten "einer nach dem anderen über die hohen Lebensmittelpreise", wie sich der türkische Zentralbankchef Durmus Yilmaz gut erinnert.

Denn ob Popcorn in den USA, ob Fish & Chips in England, ob Steaks in Südafrika oder Milchprodukte in Deutschland, die bald bis zu 15 Prozent mehr kosten dürften - die Preise für die Gaumenfreuden des Alltags steigen weltweit so rasant wie die Angst der Währungshüter vor einem Comeback der Inflation. Nicht zu Unrecht. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) haben die Kosten für Lebensmittel in den vergangenen 18 Monaten um 23 Prozent angezogen - der stärkste Anstieg des vergangenen Jahrzehnts.

Der Startschuss für diese Rally fiel just in dem Moment, als immer mehr Staaten aufgrund des rasanten Ölpreisanstiegs auf Biosprit aus Getreide, Sojabohnen oder Zucker setzten. Seither konkurrieren Milliarden Verbraucher mit milliardenschweren Biotreibstoffherstellern wie dem US- Unternehmen ADM um ein und dasselbe Gut. Und je höher die Energiepreise nach oben schießen, umso populärer wird Biosprit. "Der Preis von Öl bestimmt so immer mehr den Preis von Nahrungsmitteln", sagt Lester Brown, Chef der nicht-staatlichen Organisation Earth Policy Institute. "Die Rohstoffmärkte Lebensmittel und Energie wachsen daher immer enger zusammen."

Mit fatalen Folgen. In Mexiko demonstrierten die Massen Anfang des Jahres gegen die hohen Kosten für das aus Mais hergestellte Nationalgericht Tortilla, in England schafften es die steigenden Brotpreise auf die Titelseiten der Boulevardpresse, in Pakistan und der Ukraine wurden die Getreideexporte vor wenigen Wochen gestoppt, um Engpässe zu vermeiden. "Wir haben so etwas in diesem Ausmaß noch nie zuvor gesehen", staunt Martin von Lampe, Landwirtschaftsökonom bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit OECD. Und ein Ende ist so schnell nicht abzusehen. Die OECD prophezeit einen Anstieg der Lebensmittelpreise um bis zu 50 Prozent bis 2017. Ins selbe Horn bläst Nestlé-Chef Peter Brabeck. Seiner Meinung nach sind die gestiegenen Lebensmittelpreise kein "temporäres Phänomen, sondern Ausdruck einer veränderten Struktur von Angebot und Nachfrage. Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank, kennt die Gründe: "Der Biosprit-Boom, das starke globale Bevölkerungswachstum und die Änderung der Essensgewohnheiten ziehen die Nachfrage langfristig nach oben", meint Weinberg. "Das zusätzliche Nahrungs-und Futterangebot kann da nicht mithalten."

Vor allem die Situation auf dem Weizenmarkt ist nach einigen Missernten angespannt wie schon seit langem nicht mehr. So erwartet das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA wie schon im Vorjahr für 2007/2008 ein globales Defizit von zehn Millionen Tonnen. Weder Knappheit noch Preissprünge halten die von Energie-­Importen abhängige Staaten davon ab, die Ökowende zu proben. Dabei geht es nicht nur darum, das Klima durch nachwachsende Rohstoffen zu schonen. Gleichzeitig suchen die Industriestaaten mehr Unabhängigkeit von der Organisation erdölexportierender Länder Opec, die 75 Prozent der globalen Ölreserven beherbergen.

Der Aufstieg Asiens hat die Macht des Kartells gestärkt. Nicht nur die Wirtschaftsdynamik, sondern auch der Energieverbrauch zwischen Peking und Delhi nimmt rasant zu. Walter Stabell, Senior Client Portfolio Manager für Fonds bei Invesco, sagt: "Etwa die Hälfte der Zunahme des globalen Energieverbrauchs seit 2000 entfällt auf die beiden Länder China und Indien, deren Energiehunger noch lange nicht gestillt zu sein scheint."

Entlastung ist nicht in Sicht. Den Prognosen des IMF zufolge wird die Weltwirtschaft in den Jahren 2007 und 2008 um fast fünf Prozent zulegen - und jede Ausweitung des globalen Bruttoinlandsprodukts um zwei Prozent erfordert eine Million zusätzliche Fass Öl pro Tag. Die Opec wiederum lässt die Muskeln spielen. Trotz des Preisanstiegs hat das Kartell den Ausstoß in diesem Jahr schon zweimal gedrosselt. Gleichzeitig fällt die Ölproduktion in einigen Nicht- Opec-Förderländern wie Mexiko oder Großbritannien schneller als bisher erwartet. Mit schweren Konsequenzen: Die Internationale Energiebehörde (IEA) prophezeit bis 2012 eine weltweite Öl- und Gasknappheit, die die Energiepreise weiter in die Höhe treibt.

"Mit aller Macht gegensteuern" heißt daher die Devise der Industriestaaten. Allein die USA wollen die Produktion von Biokraftstoff aus Futtermais in den kommenden drei Jahren auf 90 Millionen Tonnen verdreifachen. Dieser Zuwachs entspricht der gesamten Maisproduktion der EU. Bis 2030 soll sich der Ethanolausstoß sogar verachtfachen. Noch ehrgeiziger sind die Pläne der Europäer, die laut IEA die Menge an Biosprit bis 2030 um das 18-Fache steigern wollen.

Klar ist: Je stärker die Energienotierungen in Zukunft nach oben schießen, umso stärker wird auch der Preis von Mais, Zuckerrohr und Sojabohnen anziehen. Einerseits weil Biokraftstoffe dadurch konkurrenzfähiger werden, andererseits weil auch die Energiekosten für den Anbau und die Produktion von Lebensmitteln bis hin zur Viehzucht zulegen. Spekulanten haben den Zusammenhang erkannt und wetten schon daher auf den sogenannten Grill-Spread. Soll heißen: Sie decken sich immer dann mit Fleisch-Futures ein, sobald die Preise für Energie steigen. Die Politik sorgt zudem dafür, dass es zu deutlichen Preisverwerfungen auf dem Weltmarkt kommt. "Die massive politische Förderung von nachwachsenden Energierohstoffen, also die Subventionierung, beeinflusst die Märkte teilweise sehr stark", erklärt Wolfgang Deml, Chef des Agrar- und Mineralölhändlers Baywa. So setzt Washington einseitig stark auf einheimischen Mais zur Produktion von Biosprit. Nach Untersuchungen der Eidgenössischen Material- und Prüfungsanstalt (EMPA) in der Schweiz hat die Getreidesorte aber die schlechteste Ökobilanz aller für die Ethanolproduktion vorgesehenen Nahrungsmitteln.

Vernichtendes Urteil der Eidgenossen: Die Herstellung des Bio-Alkohols aus Mais schneidet in der Ökobilanz noch schlechter ab als konventionelles Benzin. Zuckerrohr wäre laut EMPA die deutlich bessere Lösung. Bei der Umwandlung zu Ethanol müssen nicht nur deutlich weniger Pestizide, sondern auch deutlich weniger Energie eingesetzt werden. Problem für die EU und die USA: Die energiereichsten Grundsstoffe wie Zuckerrohr oder Palmöl sind vor allem in der südlichen Hemisphäre und in Asien zu finden.

Um in keine neue Abhängigkeit zu geraten, belegen die USA günstige Ethanolimporte mit Strafzöllen. Damit sollen auch die heimischen Produzenten geschützt werden, die zu sehr viel höheren Kosten Biosprit herstellen. Mit absurden Folgen: Während derzeit genug Zuckerrüben für die aktuelle Biospritproduktion vorhanden sind, bringen die US-Maiskäufe den Markt unter Druck.

Nicht nur der Heißhunger der Ethanolindustrie, sondern auch der wachsende Appetit der Menschheit treibt den globalen Bedarf an Getreide an. Jährlich legt die Weltbevölkerung um 70 Millionen Menschen zu. Noch wichtiger: Das Essverhalten mehrer hundert Millionen von Konsumenten in den Entwicklungsländern ändert sich gerade dramatisch (siehe Investor Info). "Durch das steigende Einkommen wird proteinhaltigeres Essen immer populärer", erklärt Eckart Keil, Fondsmanager des Stabilitas Soft Commodities.

Zwischen Peking und São Paulo kommt statt Reis immer mehr Geflügel, statt Gemüse immer mehr Fleisch auf den Tisch. Dadurch steigt der Einsatz von Mais, Weizen und Futtergetreide überproportional an. Rinder müssen erst einmal acht Kilo Getreide fressen, bis am Ende ein Kilo saftigen Hüftsteak beim Konsumenten auf dem Teller landet.

Eine massive Ausdehnung der Produktionsflächen im Gegenzug scheint schwierig. "Die weltweiten Anbaufläche von Getreide stagnieren bereits seit 1980 bei rund 750 Millionen Hektar", stellen die Rohstoffexperten der HVB fest. "Zuwächsen in Südamerika steht ein Verlust von Agrarfläche in China durch die Industrialisierung gegenüber."

Zusätzlich bedroht der Klimawandel die Ernten weltweit. Untersuchungen zu Folge wird eine Erwärmung um zwei Grad aufgrund zunehmender Trockenphasen zu 20 Prozent niedrigeren Ernteergebnissen führen. Einen Vorgeschmack auf künftige Ereignisse gab es vergangenes Jahr, als Australiens Getreideernte aufgrund einer lang anhaltenden Dürre schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Angesichts der drohenden Engpässe und Preissteigerungen warnt die UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung FAO vor weltweiten Hungersnöten, die vor allem den afrikanischen Kontinent treffen könnte.

Zu den Gewinnern gehören dagegen Flächenstaaten wie Brasilien und Argentinien, die ihre landwirtschaftlichen Produktionsflächen noch stark ausweiten können. Gute Aussichten gibt es auch für die Branchen, die die Produktivität des Ackerbaus vorantreiben. "Profitieren werden bei dieser Entwicklung grundsätzlich die Ackerbauern, Saatgutproduzenten, die Forstwirtschaft und die Landmaschinenhersteller", so Deml. Die Aktien von Firmen aus dem Agrar-Business konnten daher im vergangenen Jahr parallel zum Anstieg der Lebensmittelpreise teils über 100 Prozent zulegen.

Von einem Anleger-Boom zu sprechen ist aber verfrüht, meint Fondsmanager Keil. "Der Markt steckt noch in den Kinderschuhen." Abschreckend auf Privatanleger wirkten zuletzt aber vor allem die Ergebnisse von Direktinvestments in Weizen, Soja oder Kakao. Aufgrund von Rollverlusten (siehe Investor Info) schlitterten viele Papiere in die Miesen, obwohl die zu Grunde liegenden Preise gestiegen waren.

Immerhin: Die Deutsche Börse hat nun auf den Aufschwung der Lebensmittelbranche reagiert. Sie bildet seit vergangener Woche mit dem neuen DAX-global-Agribusiness-Index die Großen der Branche ab. Dazu gehören Saatgut- und Düngemittelproduzenten wie Monsanto, die Spar­te Nutztierhaltung und -verarbeitung, die Lebensmittelindustrie sowie Herstellung und Vermarktung von Ethanol und Biodiesel wie Archer-Daniels-Midland und natürlich die großen Landmaschinenhersteller. Noch gibt es keine investierbaren Produkte auf den Index. Zertifikate- und Exchange­Traded-Funds-Anbieter dürften aber schon bald reagieren.

Vorsichtig sollten Anleger bei reinen Lebensmittelherstellern wie Nestlé, Danone oder Cadbury Schweppes sein. Die Brot-, Snack- und Getränkehersteller werden von den gestiegenen Rohstoffpreisen hart getroffen. Den Firmen dürfte es nicht immer gelingen die Preissteigerungen 1?:?1 auf die Kunden umzuschlagen. Daher versuchen einige Unternehmen nun die Zusammensetzung ihrer Produkte so zu verändern, dass kostenintensive Ingredienzien durch günstigere ersetzt werden. Wie das funktioniert, haben einige chinesische Fastfood-Buden vorgemacht. Diese haben ihre Hamburger statt mit teurem Fleisch mit billiger Pappe hergestellt.



Diese Domain  www.das-gibts-doch-nicht.info an einen Freund weiterempfehlen

Diese Seite zu den Favoriten hinzufügen

Diese Seite auf Ihrem PC speichern!

Möchten Sie diese Domaine als Startseite haben...



Das Kopieren und Verteilen dieser Information ist ausdrücklich erwünscht!
www.das-gibts-doch-nicht.info

Sinn dieser Informationen

Zurück zur Seite vorher

Zur Gesamtübersicht

Wenn Sie sich wegen irgendeiner Information ärgern, deswegen wütend oder frustriert werden bzw. Hass oder Wut auf entsprechende Personen bekommen, sind SIE selbst der einzige der diese Emotion in Form von Krankheiten zurückbekommt. Ihre Wut trifft niemals den anderen.
Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.