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Die nicht erkannte Ursache |
Hätte mir jemand zum Zeitpunkt
meiner Erkrankung gesagt, mein Gesundheitszustand sei durch ein blödes,
modernes Telefon ausgelöst worden, so hätte ich nicht mal
darüber lachen können. Denn zu jenem Zeitpunkt war ich depressiv. Ich
hätte vielleicht gerade noch die Energie aufgebracht, den Kopf zu
schütteln über derartige Albernheiten.
Trotzdem. Es war so. Ich hatte ja schon den Verdacht, dass ich mit
dem, was mir als "Burnout" vorkam, eine für mich eher untypische Krankheit
ausbildete. Schliesslich war ich nie depressiv veranlagt, habe schon immer -
und gern - auf verschiedensten Hochzeiten getanzt und meine vielseitigen
Talente ausgebildet und gepflegt. Neben Karriere und Kinder Weiterbildung,
Ausbildung und Forschung, einfach so aus Spass. Und jetzt das! Angefangen hat
alles mit diesem schrecklichen Gefühl in der Nacht. So oft bin ich
aufgewacht, hatte einen erdrückenden Alb auf meiner Brust, konnte kaum
mehr atmen. Geschweige denn wieder einschlafen. Die wildesten
Befürchtungen jagten mir durch den Kopf. Ich analysierte Millimeter
für Millimeter den vergangenen Arbeitstag, suchte nach den kleinsten
Fehlern, die mir unterlaufen sein könnten. Dann trat der Alb auch in
meinen Alltag. Das Gefühl, einen folgenschweren Fehler begangen zu haben,
begleitete mich in den Tag hinein und wuchs heran zur Gewissheit, bei der
nächsten Handlung einen folgenschweren Fehler zu begehen. Dazu gesellte
sich die feste Überzeugung, dass alle um mich herum von diesem Fehler
schon wussten und nur auf eine Gelegenheit warteten, mir meine
Unzulänglichkeit an den Kopf zu werfen. Ich traute mich kaum mehr aus dem
Haus, betrat mein Büro mit schlotternden Knien, musste mich zwingen,
Telefonanrufe entgegen zu nehmen und brachte dann oft nicht mal meinen Namen
heraus. Der Blick in die Mailbox wurde zur Mutprobe, öffentliche
Veranstaltungen zum absoluten Grauen, an Geschäftssitzungen nahm ich,
gelähmt vor Entsetzen, nur noch teil, wenn ich's nicht verhindern konnte.
Und dann passierte es. Was ich wochenlang befürchtet hatte, trat ein. Ich
beging einen Fehler. Keinen unwiderruflichen oder folgenschweren, aber einen,
der die Kritik meiner Vorgesetzten auslöste. Und diese Kritik gab mir den
Rest. Der Fehler passierte an einem Donnerstag, am Freitag erreichte mich die
Kritik und am Sonntag lieferte mich mein Lebenspartner in die Notaufnahme ein.
Verdacht auf Herzinfarkt. Natürlich war es kein Herzinfarkt, der Atemnot,
Herzflimmern und Taubheit in den Gliedern ausgelöst hatte. Die Ursache
waren die Nerven. Der Notarzt fragte mich kurz aus, rief dann meinen direkten
Vorgesetzten an und informierte ihn, dass ich am Montag meine Arbeit nicht
antreten könnte. Er schrieb mich umgehend und zu hundert Prozent krank,
auf unbestimmte Zeit.
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Neubeginn, aber ohne nachhaltigen Erfolg
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Es dauerte drei Monate, bis ich halbtags wieder arbeiten konnte und
drei weitere, bis ich wieder zu hundert Prozent einsatzfähig war. Monate,
in denen ich Psychopharmaka erhielt und mehrmals wöchentlich zur
psychiatrischen Therapie musste. Monate, in denen ich auf schmerzhafte Art und
Weise wieder lernen musste, mich und mein Leben zu schätzen und zu
genießen. Monate, in denen mich nur meine Familie und die Fachleute davon
abhielten, meinem Leben ein Ende zu setzen. Weil ich überzeugt war, dass
die Welt ohne mich eine bessere wäre. Danach änderte ich mein Leben
radikal. Ich richtete meine berufliche Karriere neu aus, plante Auszeiten fest
ein, teilte den Tagesablauf penibel zwischen energiebrauchenden und
energiegebenden Tätigkeiten auf. Wir stellten unser Haus um, richteten das
Schlafzimmer anders ein, platzierten das Bett neu, schufen frische
Büroräumlichkeiten. Langsam stellte sich der Schlaf wieder vermehrt
ein, wenn er auch nicht immer erholsam war. Doch trotz allen
Veränderungen, so richtig frisch fühlte ich mich immer noch nicht.
Noch fehlte mir die gewohnte Energie, noch tanzten meine Lebensgeister nicht,
auch wenn sie nicht mehr so stark lahmten. Na ja - dachte ich und wurde von
meiner Umgebung in diesem Glauben bestätigt - das ist halt wie bei einem
Akku. Je älter er ist, umso geringer wird sein Ladevermögen. Ich
werde mich wohl damit abfinden müssen, dass ich nie mehr dieselbe Energie
und Nervenstärke würde aufbringen können. Die mehrmonatige
Medikamenteneinnahme hatte mich der chemischen Produkte überdrüssig
gemacht und ich wandte mich vermehrt den alternativen Heilmethoden zu. Shiatsu,
Homöopathie und Gedankenkraft heilten die meisten meiner Beschwerden, die
im Rahmen oder als Folge des vermeintlichen Burnouts aufgetreten waren. Doch so
richtig kam ich dennoch nicht vom Fleck. Es war, also ob eine fremde Kraft mich
davon abhalten würde, zu gesunden. Und dann erinnerte ich mich
plötzlich an eine ehemalige Bekannte. Einmal, in meiner Jugend, hat mich
diese Frau für eine Zeit in ihrem Haus wohnen lassen und mir einiges
über Pflanzenheilkunde und Fussreflexzonenmassage vermittelt. Und zwei
Monate, nachdem ich mich aus heiterem Himmel das erste Mal wieder an diese Frau
erinnert hatte, rief ich sie an und machte einen Termin bei ihr ab.
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Stecker des DECT-Telefons raus - und schon ging's bergauf
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Ich schilderte ihr meine Beschwerden. Migräne, Energielosigkeit,
Erschöpfungszustände nach der Arbeit, schwere Beine, heftige
Menstruationsbeschwerden, Gewichtszunahme trotz oftmaliger Appetitlosigkeit.
Und bevor sie etwas anderes sagte, fragte sie mich, ob wir zuhause ein
digitales Drahtlostelefon hätten. Von da an gings Schlag auf Schlag.
Messungen ergaben, dass wir eines der am schlimmsten pulsierenden DECT-Telefone
hatten. Und dass unser Bett - früher total, mit der neuen Einrichtung
etwas weniger - im Strahlungsbereich dieses Apparates stand. Also zogen wir
umgehend den Stecker dieses Telefons. Ab der ersten Nacht schliefen mein
Lebenspartner und ich besser, wachten besser erholt auf. Also begannen wir uns
über die weiteren Ursachen und Auswirkungen von Elektrosmog zu
informieren. Ein Fachmann mass unser ganzes Haus aus und deckte noch weitere
Strahlungsbomben auf, die wir Stück für Stück entschärften.
Und Stück für Stück begann meine Gesundung. Erholsamer Schlaf,
abnehmende Häufigkeit der Migräneanfälle, normal verlaufende
Menstruationen, wieder erwachende Lebensgeister. Welt, Du hast mich wieder!
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Vorübergehender Rückfall als Bestätigung
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Doch am eindrücklichsten war
für mich eine neuerliche, zeitlich begrenzte Anwesenheit in einem
Elektrosturm. Von Berufes wegen verbrachte ich einen Tag in einem
Kongresszentrum, welches vor allem wegen seiner technischen Einrichtungen sehr
geschätzt wird. Jeder Raum verfügt über sehr leistungsstarkes
WLAN für Internet, Funk-Stationen, damit korrespondierende Laptops, Beamer
mit Drahtlos-Verbindungen und so weiter und so fort. Keine zwei Stunden in
diesem Zentrum - und meine Beine schmerzten höllisch. Nach einer weiteren
Stunde begannen die Kopfschmerzen, anschliessend das beklemmende Herzklopfen,
dann das Kribbeln überall im Körper, welches mich fast zum Wahnsinn
trieb. Innert kürzester Zeit machte ich sämtliche Burnout-Symptome im
Eiltempo durch, durchlebte ein Wechselbad der Gefühle und wollte vor allem
nur noch eins: raus da! Von nun an wurde der Verdacht zur Gewissheit: Der
Elektrosmog trug einen massgeblichen Teil zu meinem "Burnout" bei. Gibt es
eigentlich Studien, die den Zusammenhang zwischen Burnout-Häufigkeit und
Verstrahlung untersuchen? Warum nicht? Fürchten sich die
Kommunikationskonzerne, dass sie ihre Produkte nicht mehr verkaufen
könnten oder für die Milliarden-Schäden, welche durch Burnouts
verursacht werden, verantwortlich gemacht würden? Ich jedenfalls nehme
zukünftig meine Verantwortung wahr. Ich selbst lade keine Teilnehmer mehr
in Räume ein, die derart verstrahlt sind, dass sie krank machen. Ich
beziehe meine Erkenntnisse zukünftig in jede private oder
geschäftliche Entscheidung mit ein. Und ich empfehle Ihnen dringendst:
Lassen Sie die Finger von dem ganzen Drahtlos-Kram. Ihnen und Ihrer Umwelt
zuliebe.
Eine Unternehmerin, Mutter und lebensfreudige Frau Mai 2006
(Aus der Tätigkeit der Bürgerwelle Schweiz. Die Verfasserin
des Erlebnisberichtes sowie die im Bericht genannte Heilpraktikerin sind der
Redaktion persönlich bekannt.)