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08.2007 Spatzseite Info von:  Spatzseite
Immer die selben Gerechten

Auf dem Sprung:

Und manchmal fallen sie auch vom Himmel, so wie zum Beispiel der ägyptische "Geschäftsmann" und Waffenhändler Ashraf Marwan: Der ist gestern vom Balkon seines Apartments in London gesprungen worden und ist damit, soweit die Öffentlichkeit davon erfuhr, der erste Tote des britisch-saudischen Bestechungsskandals. Für die Times of London und die israelische Zeitung Ha'aretz war es Selbstmord. Zuvor war nämlich aufgeflogen, daß der gute Mann ein Mossad-Agent war, der vor dem arabisch-israelischen Yom Kippur Krieg von 1973 militärische Geheimnisse für gutes Geld an Israel verkauft hatte.

Marwan mag damals wohl mit der Mossad zusammengearbeitet haben; das eigentliche Geschäft der ägyptischen Niederlage im Yom Kippur Krieg hatte aber der damalige ägyptische Premier Sadat mit Kissinger persönlich abgeschlossen und damit tausende seiner Landsleute für die Sache des Westens "geopfert" - und für etwas Anerkennung seitens der "Großen". Doch das ist lange her und war denen, die es nun haben durchsickern lassen, längst bekannt. Interessant ist, weshalb sie es nun mit den absehbaren tödlichen Folgen, haben durchsickern lassen. Nachdem Marwan in den 1960er Jahren Vorsitzender der Arab Corporation for War Industries in Ägypten war, lebte er nun seit 35 Jahren in England und arbeitete für die ganz Großen in New York und London, die sich bei ihren schmutzigen Waffengeschäften nicht gerne selbst dreckige Hände holen. Er vermittelte Geschäfte zwischen der internationalen Waffengroßindustrie und den kleinen Politikbeauftragten in den "unabhängigen Ländern". Die erste Garnitur dieser politischen Führer waren bekanntlich vom Westen zuerst durch Militärputsche an die Macht gebracht worden. Die zweiten Garnitur hatte er danach "demokratisch" dorthin wählen lassen. Die Waffengeschäfte dienten dazu, damit das Bevölkerungswachstum möglichst niedrig zu halten und die Industrialisierung weitgehend und weltmarktgerecht auszuschalten.

Als Waffenhändler arbeitete Marwan eng mit den Größen des BAE Skandals zusammen, so zum Beispiel mit dem Kollegen Adnan Khashoggi aber auch mit Tiny Rowland. Er betreute den Waffenmarkt im Nahen Osten und in Afrika. Hierbei waren zum Beispiel der CIA Mann Ted Shackley, der Ölhändler John Deus und der Brigadegeneral Tim Landon seine Kollegen und Wettbewerber. Landon war als Militärberater des Sultan von Oman, der "Weiße Sultan" ein besonderer Kunde, mit dem sich Geschäfte mit schnellen Gewinnen in Millionen Pfund Höhe einfädeln ließen. Für Rowland, der den Ländern der Dritten Welt ihre Rohstoffvorkommen abzuluchsen hatte, mußte Marwan unter anderem auch gegen seinen Landsmann Mohammad Fayed verleumderisch vorgehen. Dieser war bei Konsumartikeln statt mit Waffen erfolgreich gewesen, und hatte über das Techtelmechtel seines Sohnes Dodi mit Königin in Spe Diana in die Riege der ganz Großen aufzusteigen gehofft. Nun sind Waffenprinz Dodi und Prinzessin Diana tot und über Fayeds Versuche, Licht in diese Verunfallung zu bringen, kräht kein Hahn mehr. Marwan von der anderen Seite hatte also gesiegt. Warum also flog er vom Balkon? Ist mit dem BAE Skandal jetzt die andere Seite an der Reihe zu verunfallen? Zu hoffen wäre es.

Die Financial Times berichtet am 28. Juni, daß im Zuge der versuchten Flurbereinigung der beiden angeschlagenen Hedge Funds von Bear Stearns in den letzten beiden Wochen der Verkauf von Anleihen ins Stocken geraten sei. So hatte zum Beispiel "Foodservice", der Amerikanische Ableger der holländischen Supermarktkette Ahold, den Versuch abbrechen müssen, für 650 Mio. Dollar Anleihen den Markt zubringen um mit dem Erlös die Firma KKR kaufen zu können. MISC, der größte Eigner von Tankern für Flüssiggas, mußte am 27. Juni ein Anleihenangebot über 750 Mio. Dollar zurückziehen. Nach dem Zusammenbruch von Bear Sterns scheint plötzlich der Geldfluß zu versiegen, und das nicht nur bei Hypotheken, der Absicherung von Krediten, bei Ramschanleihen, sondern nun auch bei Industrieanleihen. Ein Analytiker von J.P. Morgan schrieb in dem hauseigenen Bericht am 27. Juni: "Wir erwarten im Zusammenhang mit dem Lagerabbau der letzten Woche, daß der Markt für Neuemissionen sich verlangsamt oder ganz zum Stillstand kommt", vorsichtig und etwas ungenau ausgedrückt! Ein Beispiel aus der anderen Ecke ist der 670 Mrd. Dollar umfassende Versicherungskonzern MBIA der Bank of Amerika. Dessen "Rating" (Kreditwürdigkeit) wurde von Barrons Magazin angezweifelt, weil er sich zu stark bei "Mortage Based Securities" (Hypothekenderivaten) aus dem Fenster gelehnt habe. Desgleichen kam Lehman Brothers, der größte Händler mit Hypothekenderivaten in Verruf, nach dem laut Washington Post vom 27. Juni fünfzehn Anklagen wegen Manipulationen und Fälschungen im Geschäft ihrer Hypothekenderivate (zum Teil von ehemaligen Mitarbeitern wie Coleen Columbo und fünf anderen Hypothekenhändlern für Lehmann) gegen das Bankhaus erhoben worden sind. Der Artikel war überschrieben "Wie die Wallstreet das Abschmelzen der Hypotheken anheizt".

Im Gegensatz zu den "Warnungen" vor einem kommenden Crash, die von allen Ecken her "verlautet" werden, scheinen unsere Medien den Aufschwung nicht laut genug bejubeln zu können. In dem kürzlich erschienenen neuen Wirtschaftsbericht der "Bank for International Settlements" (BIS), der Zentralbank der Zentralbanken in Basel, wurde zum Beispiel gewarnt: "Niemand sah die Große Depression der 1930er Jahre oder die Krise, die Japan und Südostasien Ende der 1990er Jahre traf, voraus. Tatsächlich ging jedem Abschwung eine Periode nicht inflationären Wachstums voraus, die üppig genug war, um die Kommentatoren zu der Annahme zu verleiten, daß nun eine neue Ära des wirtschaftlichen Aufschwunges eingesetzt habe". (nach Evans-Pritchard in: Daily Telegraph vom 25.6.). Der Bericht führt weiter aus, daß die Geldpolitik Greenspans zwar die unmittelbare Marktbereinigung hinausgezögert und dadurch nicht nur den Reichtum von den Kreditgebern auf die Schuldner umverlagert habe, sondern auch "die Saat für ernsthaftere Probleme in naher Zukunft ausgestreut" hat. Jedenfalls sei "der Dollar offensichtlich verwundbar, wenn plötzlichen das Vertrauens des privaten Sektors einbricht". Nach Aufzählung der gewaltigen Ausdehnung des Wertpapiervolumens und der Fusionen im letzten Jahr heißt es "Früher oder später wird sich der Kredit-Kreislauf umkehren und werden die Bankrotte zunehmen". Jedenfalls ginge es so nicht lange weiter.

Unser Aufschwung ist dagegen, so jubeln Regierung und Medien, dem drastischen Lohnabbau und Hartz IV zu danken. Doch ist nach Meinung der "Wirtschaftsweisen" vom Schlag eines Wolfgang Franz auf dem Gebiet noch lange nicht genug geschehen. "Wenn die Regierung nichts für die Problemgruppen tut, werden wir in der nächsten Rezession wieder deutlich über vier Millionen Arbeitslose kommen", hatte er laut Spiegel online vom 15. April 2007 dem "Tagespiegel" gesagt. Franz, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, erläuterte auch, was er "für die Problemgruppe zu tun" vorschlägt: Statt Mindestlöhne einzuführen, solle man die unteren Löhne von drei oder vier Euro "noch einmal senken, damit mehr Stellen entstehen", dazu fordert er "weitere Reformen" auf dem Arbeitsmarkt. Wahrscheinlich können nur neue Stellen in der produzierenden Wirtschaft entstehen, wenn man die Löhne der anerkannten Wirtschaftsweisen und Wirtschaftsberater auf unter drei Euro die Stunde senkt, denn dann würden diese Raffkes weniger Schaden anrichten und sich einen anderen Job suchen.

Von Leuten wie Franz angesteckt äußerte sich (nach Berichten im italienischen Fernsehen vom 28. Juni) Jean-Claude Juncker, der Primeminister der Steueroase Luxemburg und Vorsitzende der Eurogruppe, in dem Vertreter der EU-Staaten, die den Euro eingeführt haben, zusammenkommen. Er sagte: "Italien muß daran denken, daß es für die gesamte Eurozone Verantwortung trägt und ihm nicht freigestellt ist, die Früchte seines Wachstums beliebig zu verteilen. Wenn es Italien nicht gelingt seine Schulden beträchtlich zu senken und seinen Haushalt wenigstens bis 2010 auszugleichen, wird das ernsthafte Probleme in der ganzen Eurozone auslösen". Mit dieser für einen Diplomaten plumpen Bemerkung versuchte Juncker in die Verhandlung der Italienischen Regierung mit den Gewerkschaften über die Handhabung der Renten und den Anstieg des Rentenalters einzugreifen. Schließlich ist die Wirtschaft, wie jeder "Anerkannte" weiß, dazu da, die Zahlungen an die Not leidende Finanzwirtschaft zu garantieren.

Ob die Finanzwirtschaft sich, wie der BIS Bericht andeutet, in Richtung auf eine Stunde der Wahrheit und Entscheidung hin bewegt und ob die sich zuspitzende Situation etwas mit dem Krieg zwischen den Großen zu tun hat, so daß im Zuge dessen schon mal einer vom Balkon springen muß? Darüber kann man nur spekulieren.

Nicht zu spekulieren braucht man darüber, daß einige Länder, deren Politiker noch das Wohlergehen ihrer Bevölkerung irgendwie im Kopf haben, ihrer Wirtschaft - trotz des warnenden Säbelrasselns in den USA - eine andere Ausrichtung geben wollen.

So will nun auch Uruguay's President Tabare Vasquez, nach einer Regierungserklärung vom 27. Juni, an der Gründung der Bank des Südens teilnehmen, mit der sich Lateinamerika vom Diktat der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) befreien und seine wirtschaftliche Entwicklung durch größere Projekte vorantreiben will. Damit konnte sich Außenminister Reinaldo Gargano gegen den IWF hörigen Finanzminister Danilo Astori durchsetzen. Garango betonte aber, daß nun die gesamte Regierung hinter der Entscheidung stünde. Denn da ganz Lateinamerika an der Integration durch Wirtschaftsentwicklung teilnehme "Macht es keinen Sinn, daß sich Uruguay heraushält".

Die Isvestia vom 27 Juni berichtet über die Erkundung des Arktischen Meeres durch den russischen nukleargetriebenen Eisbrecher Rossiya. Dabei habe man, sagte Dr. Valeri Kaminsky, der Direktor des Gesamtrussischen Wissenschaftlichen Forschungsinstituts für Meeresgeologie und natürliche Ressourcen, entlang des Lomonossow und Mendelejew Riffs große Erdöl- und Erdgas-Lager entdeckt sowie Zinn, Mangan, Gold Nickel Blei und Platin Lagerstätten, die man in den nächsten 10 Jahren abzubauen gedenkt. Dabei wird man sich mit Dänemark, Norwegen, Kanada und den USA, die auf das Gebiet Anspruch erheben können, einigen müssen. Neuer Konfliktstoff oder fruchtbare Zusammenarbeit?

Am 26. Juni tagte das Präsidium der Russischen Akademie der Wissenschaft, um, wie am 24. April über das Projekt Beringstraßentunnel, nun ein Programm der Industrialisierung des nördlichen Bereichs hinter dem Ural zu erörtern. Im südlichen Ural-Gebiet befinden sich die Millionenstädte Yekaterinburg and Chelyabinsk. Nach NewsProm.ru liefert das südliche Uralgebiet 92% des Russischen Erdgas, 67% des Erdöl 45% des Stahls und 42% der Nichteisenmetalle and 34% der in Rußland hergestellten Maschinen. Ähnliche Potentiale entdeckte man nun auch im nördlichen Bereich, obwohl er bisher nur zu 10% erkundet ist. Das soll sich ändern. Vor 18 Monaten wurden die ersten Konzepte entwickelt, inzwischen hat das Entwicklungsprojekt schon Gestalt angenommen, sagte Pjotr Latjschew, der Vertreter des Präsidenten des russischen Bundesdistrikts Ural in seiner Rede auf der Tagung.

Auch andere Staaten beginnen ihren Kopf aus dem Westlichen Gedankensumpf der Wertpapierökonomie zu erheben. In Südkorea denkt man - nach ähnlichen Überlegungen im Iran, die Merkel sofort entsetzt zurück gewiesen hatte - über den Bau einer Magnetschwebebahn nach. Anders als Iran ist Korea nicht auf eine Zustimmung der Deutschen angewiesen, da das Land inzwischen über eine eigener Entwicklung verfügt, in die allerdings zu 80% Erfahrungen aus Deutschland eingeflossen waren. In Indien hat Finanzminister des Teilstaates Maharashtra, Jayant Patil den Bau einer Magnetbahn mit einem Netz von sechs Linien im Großraum Mumbai vorgeschlagen, dem das Kabinett zugestimmt hat. Natürlich erhob sich auch dagegen sogleich die einschlägige Kritik, z.B. in der Economic Times vom 25. Juni: "Nur weil das in Shanghai funktioniere, brauche man so etwas nicht in Indien, nachdem Deutschland und Japan davon Abstand genommen habe". Die Landesregierung hat sich dadurch bisher nicht von ihrem Plan abbringen lassen und die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Nicht alles Wirtschaften spielt sich im Bereich der Papiergeldgier ab. Andere Länder verabschieden sich von der Spinnerei, mit der wir unsere Wirtschaft Schritt für Schritt kaputt machen. Auch das mag den einen oder anderen der Großen im Westen bald vom Balkon springen lassen - an der Zeit wäre es.



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