Interview mit Walter K. Eichelburg
Die Neue Epoche
Am Rande eines Vortrags in Deutschland sprach
die Neue Epoche mit dem Wirtschaftsanalysten Dipl. Ing. Walter K. Eichelburg
aus Wien, manchen Lesern durch seinen Artikel über die Hyperinflation
bereits bekannt. Er gilt in Anlegerkreisen als Contrarian und hinterfragt
insbesondere das vorherrschende Fiat-Geld. Wir stellten ihm einige Fragen
über seine Sicht der Weltwirtschaft.
Frage: In Deutschland redet man von
Aufschwung, hohen Steuereinnahmen, die Maastricht-Kriterien sollen erstmals
erfüllt werden. Ihre Ansicht ist eine eher skeptische, wie ist demnach
Ihre Sicht der Dinge?
Antwort: Die generelle Situation ist einfach
so, dass man 2002 weltweit eine wahnsinnige Reflationskampagne gestartet hat,
das heißt, mit negativen Realzinsen. Die wirkliche Inflation hier im
deutschsprachigen Raum liegt bei etwa sieben Prozent, in anderen
EU-Ländern, vor allem in Süden, bei zehn Prozent, in
Großbritannien und den USA ebenfalls bei real zehn Prozent. Wenn Sie die
realen Zinsen ansehen, sehen Sie, dass diese also massiv negativ
sind.
Mit massiv negativen Zinsen kann man
natürlich einen Aufschwung produzieren, solange der Anleihemarkt nicht
negativ reagiert.
Frage: Sie schrieben über mögliche
Auslöser eines Finanzcrashs, insbesondere nennen Sie Hedgefonds, Derivate,
Dollarproblematik oder einen Kreditcrash.
Wo sehen Sie die größte Gefahr
gegenwärtig?
Antwort: Der Crash ist eigentlich schon
unterwegs. Erstens: Am 27. Februar sind die Börsen weltweit
abgestürzt, China, Europa, USA, dort hat man gerade noch einen fatalen
Absturz verhindern können. Außerdem sterben gerade in den USA die
Kreditgeber für die ganzen Hypotheken wie die Fliegen. Fast jeden Tag
stirbt mittlerweile einer, die ganze Branche ist im wesentlichen tot. Die
Bestimmungen wurden massiv verschärft. Jemand schrieb mal, dass die
Weltwirtschaft es nicht verkraften könnte, wenn nur in Kalifornien die
Immobilienpreise um 20 Prozent fallen würden. An dieser Stelle sind wir
fast.
Frage: Sie meinten vor kurzem, dass bei einem
Ausfall von nur einem Prozent aller Derivate ein Crash unvermeidlich sei. Wieso
könnte eine so kleine Anzahl ein Crashauslöser sein?
Antwort: Ganz einfach, weltweit beträgt
die Summe aller Derivate etwa 500 Billionen USD.
Zwei Drittel bis 80 Prozent davon sind
zinssensitiv, d.h wenn die Zinsen steigen, gibt es viel Ausfälle, und die
Aussteller der Derivate müssen die Schäden ersetzen. Beim heutigen
Kreditausfallrisiko müssten die Zinsen über 20 Prozent liegen. Ich
bin der Meinung, dass die ganze Derivatepyramide um ein Prozent schief liegt,
sollten die Zinsen weltweit nur um ein Prozent steigen. Das Ganze kracht dann
unweigerlich zusammen.
Frage: Wie sehen Sie generell den Einfluss
der Private Equity und Hedgefonds in Deutschland? Man sagt, dass fast 7000
deutsche Firmen maßgeblich von diesen Fonds kontrolliert werden. Gibt es
dabei Gefahren?
Antwort: Gut, ob es 7000 sind, bezweifele ich
persönlich, da sie nur größere und mittlere Firmen aufkaufen.
Das ist natürlich ein Heuschreckengewerbe. Früher kauften die Private
Equities Firmen mit Eigenkapital, heute kauft man zu 80 oder 90 Prozent Firmen
nur mehr auf Kredit. Nur zehn Prozent ist Eigenkapital, das kommt wieder von
Versicherungsfonds und so weiter; das ist die Spitze der Spekulation. Die
Hedgefonds sind eine andere Sache, die handeln mit allem, womit man nur handeln
kann. Selbst Goldman Sachs gab kürzlich zu, dass es nach den Krisen der
letzten Zeit eigentlich eine Menge Hedgefonds-Leichen geben müsste. Da sie
aber nicht aufgetaucht sind, kann man vermuten, dass die Zentralbanken,
speziell Ben Bernankes Fed, diese Verluste monetisiert haben.
Das deutet natürlich auf eine
Hyperinflation hin, wir werden sehen, wie lange sie diese Situation aushalten
können.
Frage: Sie vermuten also, dass hinter dem
Rücken der Öffentlichkeit bereits manche der Hedgefonds durch
Monetisierung freigekauft wurden?
Antwort: Es sieht so aus, dass deren Verluste
von den Zentralbanken ersetzt wurden. Viele von denen werden aber doch
zusammenkrachen. Letztes Jahr, das war noch eher harmlos, ist es mal mit
Futures passiert, wenn es aber mit Kreditderivaten passiert, dann stürzt
das System ab, wie es 1998 mit LTCM fast passiert wäre.
Frage: Zur Immobilienblase in den USA.
Vermuten Sie irgendwelche Auswirkungen auf Deutschland; immerhin gibt es
Wirtschaftsexperten, die die Wichtigkeit der USA für die heutige
Weltwirtschaft als geringer als früher einschätzen?
Und wenn, könnte nicht in Deutschland
das passieren, was in den USA passiert ist, d.h. die Immobilienpreise steigen
rasant an? Bisher bewegten sich diese hierzulande nicht, oder im Osten der
Republik fielen sie sogar teilweise. Könnte die EZ nicht mit billigem
Geld, so wie damals in den USA, eine solche Welle auslösen und negative
Einflüsse aus den USA neutralisieren?
Antwort: Okay, dass sozusagen eine
Immobilienblase in Deutschland aufgeblasen wird, wie es in Frankreich, Spanien
und den USA gemacht wurde?
Theoretisch ist das natürlich
möglich. Voraussetzung ist aber , dass man sog. Subprime-Kredite vergibt,
die also zu 100 Prozent fremdfinanziert sind. Finanzierung ohne Dokumentation
der Kreditwürdigkeit ( wie in den USA üblich gewesen ) und
natürlich mit billigen Anfangszinsen. Das war alles in den USA der Fall,
vermutlich auch in Spanien und Frankreich, dort sind 98 Prozent aller Kredite
variabel verzinst. So kann man eine Bubble aufbauen, was die deutschen Banken
aber nicht machen. In Österreich übrigens auch nicht, oder kaum. So
wird man keine richtige Bubble erzeugen können, und gerade jetzt nach den
Ereignissen in den USA ist es eher fraglich.
Frage: Viele Anleger wissen mittlerweile
sicher, dass manche Statistiken geschönt oder gefälscht werden.
Insbesondere das Smart Money dürfte es wissen. Wieso ist die Bubble, die
Sie anführen, dann noch nicht geplatzt?
Antwort: Es sind im wesentlichen zwei
Gründe, warum das noch nicht passiert ist. Normalerweise müssten die
Zinsen zum Inflationsausgleich bei über zehn Prozent liegen, plus
Risikozuschlag, also bei 20 Prozent oder so. Die gefälschte Inflationsrate
ist offenbar doch ein großes Geheimnis, darüber wird normalerweise
von keinem Medium berichtet. Wenn man wissen will, wie hoch die Inflationsrate
wirklich ist - also, in Wirklichkeit braucht man zum Investieren nur
"Hausverstand". Man muss nur Einkaufen gehen um zu sehen, dass die Preise eben
massiv steigen, nicht so wie es die offiziellen Statistiken ausweisen. Das ist
der eine Grund.
Der zweite Grund ist der, die Zinsen werden
mit Derivaten niedrig gehalten, ich verweise auf die erwähnte
Derivatepyramide. Wenn diese wie erwartet einmal platzt, werden die Zinsen auf
ein angemessenes Niveau hochschiessen, wie es Ende der Siebziger Jahre
ebenfalls passiert ist; ebenso wird es diesmal passieren, nur diesmal mit
fatalen Folgen. Das ist die logische Folge der weltweit hohen
Verschuldung.
Frage: Wenn die wirkliche Inflationsrate in
den USA bei 10 Prozent liegt, würde es nicht bedeuten, dass die reale
Wachstumsrate negativ ist...
Antwort: Auch bei uns...
Frage: ...dennoch gibt es, in den USA
beispielsweise, eine niedrige Arbeitslosenrate, man redet doch von
Arbeitsplatzzuwachs?
Antwort: Es gibt dieses Death/Birth-Model in
den USA, mit dem die Statistiken gefälscht werden. Das die
Arbeitslosenstatistiken gefälscht werden, ist ja mittlerweile bekannt. Das
wurde schon in den Achtzigern gemacht und wird immer schlimmer. Im Endeffekt
haben Sie in Deutschland acht bis neun Millionen Arbeitslose, vier Millionen
geben sie an. In den USA haben sie real 12½ Prozent Arbeitslosigkeit,
und viereinhalb Prozent werden angegeben. Alle Statistiken sind gefälscht,
besonders stark wird das Bruttosozialprodukt gefälscht. Wenn sie die reale
Inflationsrate nehmen, und diese vom BSP abziehen, dann sind Sie überall
negativ, auch bei uns sind Sie negativ. Sie haben eine Menge Inflation, aber
ein Negativwachstum, eine Schrumpfung. Das ist die bekannte Stagflation aus den
1970er Jahren
Frage: Wann vermuten Sie den Beginn der
jetzigen Stagflation?
Antwort: Man kann sagen, im Wesentlichen
begann es schon im Jahr 2000.
Frage: Sie sind ein bekannter Verfechter
für Gold. Es scheint eine Korrelation zwischen den Bewegungen des
Goldpreises, des Ölpreises und auch des Dollars zu geben, wie man das
besonders im Dezember sehen konnte. Fällt das eine, steigt das andere und
umgekehrt. Für US-Amerikaner steigt Gold in der Tat stark an, aber wie
sieht es im Euroraum aus?
Antwort: Es gibt seit etwa 2002 diese
genannte massive Reflationskampagne mit negativen Zinsen. Um die Zinsen niedrig
zu halten, müssen zwei Dinge gemacht werden:
Man muss die offiziellen Inflationsraten mit
Statistikmanipulationen niedrig halten, und der Goldpreis muss unten gehalten
werden. Beim Goldpreis wird das schon seit den Achtziger Jahren
gemacht.
Allein zwischen 1999 und 2001 haben die
Zentralbanken und Regierungen 2000 t Gold auf den Markt geworfen. Inzwischen
weitere 1000 t, momentan sind die Franzosen stark am Markt. Das Problem liegt
darin, dass das Spiel dann vorbei ist, wenn der Goldpreis ausbricht. Dann
müssen die Zinsen steigen und die Derivatepyramide bricht
zusammen.
Es ist relativ einfach: Nachdem die
Zentralbanken alle bei den niedrigen Zinsen zusammenarbeiten, kann der einzige
Ausweg das Gold sein. Für einen Investor ist es immer günstig, sich
an diesem Ausgang zu positionieren. So profitiert man am meisten.
Zusatzfrage: Wie sehen Sie im vergleich dazu
Silber?
Antwort: Im Endeffekt sind alle
Papiergeldberge Fiat-Money, durch Staatsbefehl gedecktes Geld. Das wird in die
Hyperinflation gehen, und es wird dann nicht mehr genommen werden, die Menschen
werden dann wieder Gold und Silber als Geld verlangen. Gold wird dann extrem
teuer sein, eine Unze Gold wird ein Jahreseinkommen in der Unterschicht sein.
Das kann sich dann niemand mehr leisten, also wird wieder Silber das Gold des
armen Mannes sein. Da es zu wenig Silber gibt, wird das Silber prozentual
stärker steigen, ich vermute auf 1:10, d.h. Silber hat also viermal
höheres Potential als Gold. Es rentiert sich immer, auf das zu setzten,
was die Masse braucht, nicht die Eliten.
Frage: Wie lange kann nach Ihrer Meinung
diese Manipulation aufrechterhalten werden und wer sind die Hauptakteure dieser
Manipulation?
Antwort: Die Zentralbanken und Wallstreet.
Die amerikanische Zentralbank hat angeblich schon überhaupt kein Gold mehr
zur Verfügung.
Die einzigen, die noch Reserven haben
dürften, sind die Franzosen, und die werfen gerade jetzt vor der
Präsidentschaftswahl massenhaft Gold auf den Markt, um nicht die Zinsen
erhöhen zu müssen, was alle Politiker fürchten. Mit der gleichen
Methode konnten sie vor einem Jahr noch den Goldpreis um 100 USD drücken
können, jetzt gelingt das nicht mehr. Irgendwann, wenn der Dollar
stärker abverkauft wird, wird der Goldpreis hochschiessen und dann
versagen alle diese Mechanismen. Wer dann noch nicht im Gold ist, wird
wahrscheinlich keins mehr bekommen...
Die Schweizer werfen gerade 500 t gegen den
Protest der Bürger auf den Markt und die EZB verkauft seit neuestem 18 t
Gold in der Woche. Anmerkung
Frage: Sie vermuten, dass die Franzosen
gegenwärtig Haupakteure der Manipulation sind?
Antwort: Das ist bekannt, das ist wirklich
bekannt. Laut meinen Informationen haben sie allein in den letzten vier Wochen
über 50 t auf den Markt geworfen.
Frage: Sie kommen aus Österreich, und in
den letzten vier Jahren wurde Österreich den Deutschen immer als Vorbild
hingestellt, jetzt aber eher weniger. Wo sehen sie Unterschiede zwischen beiden
Ländern?
Antwort: Die Unterschiede sind nicht
groß, in beiden Ländern ist die Politik sehr marode und wird von
einem Großteil der Bevölkerung abgelehnt. Die Eliten, sowohl in
Politik und Wirtschaft sind total abgehoben. Sie wollen die
Mittelmäßigkeit, das wird ein massives Problem in der Konkurrenz zu
Asien werden, da die nicht nur günstigere Preise anbieten können,
sondern mittlerweile auch exzellente Qualität, und wenn hier nichts
geschehen wird, wird das eine noch größere Katastrophe für den
Westen werden, als wenn unser Geld untergeht.
Frage: Etwas konkreter, wie sehen Sie
momentan aus volkswirtschaftlicher Sicht die große Koalition in
Deutschland?
Antwort: Na ja, Murks. Genauso Murks wie die
große österreichische Koalition. Es gibt keinen
Unterschied.
Die meisten Leute werden überrascht
sein, wenn das alles los geht. Der große Dollarabverkauf scheint
inzwischen begonnen zu haben. Wenn das alles beginnt, werden sich die Leute
nicht mehr aus der wirtschaftlichen Sackgasse retten können.
Frage: Herr Eichelburg, wir danken für
das Gespräch.
Dipl. Ing Eichelburg ist über seine
Webseite www.hartgeld.com ereichbar.
Anmerkung: Die Stagflation wird über die
Goldverkäufe scheinbar stabil gehalten. Millarden aus den Finanzblasen
fließen in die Sachwerte, bald gehört den Gelddrucker
alles-