Angeblicher Komplott entpuppt sich als
Lügenkonstrukt der Sicherheitsbehörden
Der zu Unrecht beschuldigte indische Arzt Dr.
Mohammed Haneef wurde in Australien freigelassen. Politblog hatte von Anfang an
über die Fadenscheinigkeit der Beschuldigungen berichtet. In einer breit
angelegten Hetzkampagne erklärten Sicherheitsbehörden und
Massenmedien den muslimischen Mediziner zum Drahtzieher und zur
Schlüsselfigur der Anschläge von London und Glasgow, die vor vier
Wochen die Amtsübernahme des neuen britischen Premiers Brown
begleiteten.
Dr. Mohammed Haneef ist unschuldig und
frei!
Die SIM-Karte eines Mobiltelefons, das
angeblich in einem der "Bomben-Mercedes" gefunden sei, hätte die Spur auf
den Hauptverdächtigen gelenkt, hieß es. Acht Mediziner waren damals
verhaftet worden. Eine medial geschürte Hetzkampagne gegen muslimische
Ärzte in Großbritannien folgte.
Haneef, der vor einem knappen Jahr
Großbritannien verlassen hatte, um eine neue Stelle an einem Krankenhaus
im australischen Queensland anzutreten, hatte die SIM-Karte einem Verwandten
überlassen. Am 2. Juli wurde er in Australien verhaftet, als er zu seiner
Frau und dem neugeborenen Kind nach Indien fliegen wollte. Nach fast
dreiwöchiger Haft, stundenlangen Verhöhren, einer konstruierten
Strafanzeige und allen denkbaren Schikanen platzte die erste Bombe
(16.07.):
"Die SIM-Karte, die er seinem Cousin
zweiten Grades gegeben hatte, wurde nicht im Zusammenhang mit den
fehlgeschlagenen Anschlägen von London und Glasgow verwendet."
(that the mobile
phone SIM card he gave to his second cousin was not alleged to have been used
as part of an attack)
Das sind völlig neue und entscheidende
Meldungen, die die Medien bisher verschwiegen haben. Bislang galt genau jene
SIM-Karte als das Kernstück der Indizien. Sie sei in einem der beiden
"Bomben-Mercedes" gefunden worden, in einem Mobiltelefon mit dem die
Zündung ausgelöst werden sollte. Daran machten Scotland Yard und
andere Sicherheitsdienste die Existenz eines Netzwerkes fest. Diese SIM-Karte
sei es gewesen, die zu den "Terrorärzten" und den anschließenden
Verhaftungen geführt hat - so zumindest wurden die "zuverlässigen
Quellen" zitiert.
Alles Lüge? Fällt
tatsächlich das gesamte "Terrornetzwerk islamistischer Ärzte" wie ein
Kartenhaus in sich zusammen .
Nachdem es offensichtlich gegen Haneef keine
justiziable Handhabe mehr gab, sollte er vor einer Woche gegen Zahlung eines
Lösegeldes freigelassen werden. Da plötzlich trat der australische
Minister Kevin Andrews mit einem "Charaktertest" auf den Plan, der Hannef zu
einem potentiellen 'Terrorverdächtigen' erklärte. Statt der
Freilassung folgte der Entzug des Visums und die Inhaftierung in einem der
berüchtigsten australischen Internierungslager.
"Es sind beschämende Fehler gemacht
worden"
Die australische Öffentlichkeit war
empört und kritisierte sofort das Fehlen jeglicher Rechtsstaatlichkeit in
dem Verfahren. Zwei Tage später (18.07.) kam dann der nächste Skandal
der Ermittlungen ans Licht :
Heute Morgen berichtet "The
Australian", dass durch eine "undichte Stelle" sämtliche
Vernehmungsprotokolle der "Australian Federal Police" (AFP) aufgetaucht sind -
insgesamt 142 Seiten.
Ihre Veröffentlichung, u.a. zum
Teil im Internet hat zu immenser Aufregung bei den Australiern geführt.
Sie sehen im Fall einen klaren Fall von Rechtsbruch und manche Leser beklagen
in den Kommentaren auf der Seite des 'Australian' das Ende der
Rechtsstaatlichkeit.
Ja - was sich in den
Vernehmungsprotokollen offenbart, schlägt dem Fass den Boden aus. Danach
hat Dr. Haneef nämlich von sich aus, als er von seinem Schwiegervater von
der Verhaftung des Cousins in England und der Geschichte mit der SIM-Karte am
Telefon hörte, sofort in Großbritannien bei der Polizei angerufen.
Er wollte klar machen, dass er nichts mit der Sache zu tun hätte und den
Sachverhalt klären. (Dr Haneef told the AFP that he repeatedly
tried to telephone one of the police officers, Tony Webster, in Britain to
explain the SIM card issue, but that the calls went unanswered.)
Er nennt sogar den Namen des Officers, vier
Mal hat er versucht, sein Anliegen vorzubringen - aber seine Anrufe blieben
unbeantwortet.
Verhält sich so ein Terrorist?
Die ganze Sache stinkt immer mehr zum Himmel! Nur - und das ist das
Schreckliche - auf dem Rücken dieses offensichlich
Unschuldigen.
Nun endlich - fast vier Wochen später
ist es amtlich: Haneef ist frei! Selbst der Staatsanwalt, Damian Bugg,
mußte eingestehen, man hätte den Mediziner gar nicht erst
beschuldigen dürfen. "Es sind beschämende Fehler gemacht worden",
erklärte er.
Doch der Einwanderungs-Minister Kevin Andrews
beharrt auf seinem Standpunkt: "Ich glaube, dass Dr. Haneef den Charakter-Test
nicht bestanden hat und deshalb entzog ich ihm das Visum", sagte er. "Mir
wurden in den letzen 24 oder 48 Stunden keine Informationen vorgelegt, die mich
veranlassen, meine Entscheidung zu überdenken oder rückgängig zu
machen."
Jetzt muss es darum gehen, Dr. Haneef
völlig zu rehabilitieren! Da ist die Presse erstaunlich leise. Wie bereits
im Falle der freigelassenen Marwa Asha und der zwei angeblich aus Saudi-Arabien
kommenden Mediziner. Immer wird nach demselben Muster verfahren: Erst tönt
die angebliche 'islamistische Terrorgefahr' durch sämtliche Medien und
Regierungserklärungen, wenn dann die konstruierten Beschuldigungen wie
Kartenhäuser zusammenfallen und man den zuvor stigmatisierten
'Terroristen' nichts nachweisen kann, herrscht verdächtiges
Schweigen.
Anhörung vor Londoner Gericht ohne die
Beschuldigten
Heute fand auch im Fall des ebenfalls unter
fadenscheinigen Vorwänden inhaftierten Arztes Dr. Mohammed Asha ein
weiterer Haftprüfungstermin vor dem Londoner Old Bailey Gericht statt. Er
und Bilal Abdulla durften nicht einmal zu dem Verfahren selbst erscheinen. Die
Transkripte werden ihnen anschließend in das Belmarsh Gefängnis
übermittelt.
Außer im Falle Bilal Abdulla, der als
Beifahrer in dem Glasgower Jeep saß, beschränken sich sämtliche
Anschuldigungen darauf, dass die "Terrorverdächtigen" miteinander
telefoniert oder e-Mails ausgetauscht hätten. Auch Sabeel Ahmed, dem
Cousin Dr. Haneefs, kann nichts anderes vorgeworfen werden. Die Fortsetzung der
Haft dieser beiden begründet sich demnach ausschließlich auf der
Tatsache, innerhalb der Familie oder unter Arbeitskollegen Kontakt gehabt zu
haben.
Am 5. Oktober soll eine weitere Anhörung
vor Gericht stattfinden, vor Januar nächsten Jahres werden jedoch keine
Klageerwiderungen der Beschuldigten möglich sein, da es keine konkreten
Anklagepunkte gibt. Zunächst - so der vorsitzende Richter David
Calvert-Smith - gelte es, eine Fülle von Telefon- und e-Mailkontakten zu
überprüfen. Vor Sommer 2008 sei nicht mit einem Prozessbeginn zu
rechnen.
Solange, das muss man der britischen Justiz
konzidieren, hält sie die 'gefährlichen Terroristen' offensichtlich
ohne Rechtsgrundlage zum Schutz der Öffentlichkeit in Gewahrsam.
Schöne neue Welt!
Außer heißer Luft nichts
Konkretes - das ist die Bilanz, die nach den mehrfachen Gerichtsterminen zu
ziehen ist. Die lauthals geforderten Maßnahmen zur
'Terrorbekämpfung' in Großbritannien und Deutschland bleiben auf der
Agenda. Die 'Rechtsgrundlagen' zur Inhaftierung angeblich Verdächtiger
ohne jeglichen Beweis werden ausgebaut. Wem da kein Licht aufgeht!