Das Goldverbot - ist im Kopf
Der jetzt exponentiell steigende Goldpreis zeigt
langsam das sinkende Vertrauen in das Papiergeldsystem an. In Leseranfragen zu
früheren Artikeln von mir und in der Literatur
geistert immer die Angst vor einem Goldverbot durch den Staat herum. Dieser
Artikel versucht diese Gefahr realistisch einzuschätzen.
Es ist bekannte Tatsache, dass
unter harten, totalitären Diktaturen wie dem Nazireich, dem
Leninistisch-/Stalinistischen Kommunismus oder dem chinesischen Mao-Reich der
private Goldbesitz verboten war. Aber auch der angeblich so humane Franklin D.
Roosevelt hat als US-Präsident sofort nach seiner Amtsübernahme 1933
den privaten Goldbesitz verbieten lassen. In der Ex-DDR war übrigens der
Goldbesitz erlaubt, jedoch gab es kein Gold zu kaufen.
Marc Faber hat
vor kurzem in seinem Artikel "A
ROADMAP TO FINANCIAL RUIN!" geschrieben, dass er es für wahrscheinlich
hält dass in den USA Devisenkontrollen eingeführt werden und der
Goldbesitz wieder verboten wird - wenn das Land in eine Hyperinflation
eintritt.
Inzwischen gibt es viel Literatur dazu auf US-Websites. Ich
möchte in diesem Artikel einmal die europäische Situation
beleuchten.
Das Goldverbot der Diktaturen wurde mit dem Ende der
Diktaturen aufgehoben. In den USA hat es bis 1974 gedauert. China hat den
Goldbesitz 2003 wieder freigegeben.
Hier sind einige Links zu
US-Artikeln über das Thema "Gold Confiscation":
Man kann von Staaten und speziell von der
US-Regierung den unmöglichsten Unsinn erwarten. Wegen des schlechten
"Records" der US-Regierung in Bezug auf die Sicherung besonders fremder
Eigentumsrechte sollte man dort in Krisenzeiten überhaupt keine Anlagen
haben. Es gab schon genügend Beschlagnahmen. Das ist auch ein Grund
dafür, dass die meisten institutionellen US-Goldanleger ihr Gold in London
lagern.
Der Ernstfall Der Ernstfall tritt sicher
ein, wenn der längst überfällige US-Dollar-Verkauf weltweit
einsetzt. Die US-Militärmacht hat im Irak eine Niederlage erlitten und
muss bald abziehen. Die US-Immobilien-Bubble platzt gerade und damit wird die
Nachfrage nach Importgütern aus Asien zurückgehen. Die USA sind in
Wirklichkeit ein "Papiertiger" der von der Androhung militärischer Gewalt
und Gelddrucken lebt.
Von einer Kapitalflucht bedrohte Regime haben die
Angewohnheit, Devisenkontrollen einzuführen, dazu gehört auch ein
Verkaufs- und/oder Besitzverbot für Gold. Nachdem die USA ihre
Industriebasis an Asien verloren haben, werden sie auch in einer Krise die
Notwendigkeit haben, bestimmte Dinge zu importieren. Wenn der Dollar nicht mehr
genommen wird, helfen nur mehr (kaum vorhandene) andere Währungen oder
Gold. Von hier kann ein enormer Druck zu einer Goldkonfiskation ausgehen. In
Europa ist die Situation wegen des Handelsbilanz-Überschusses besser.
Während der Asienkrise 1997 war die Situation ähnlich. Da hat
man etwa in Südkorea die Leute aufgefordert, Gold zu verkaufen. Diese
Aufforderung zur "patriotischen Pflicht" hat ca. 270 Tonnen Gold gebracht. Die
Methode war vermutlich wesentlich effektiver als eine Konfiskation.
Einer der interessantesten Artikel zu einem Goldverbot erschien von Don
Stott unter dem Titel "
Verboten !" (deutscher Titel, aber englischer Text):
Don Stott vergleicht ein solches Verbot mit dem früheren
US-Alkoholverbot und dem derzeitigen Drogenverbot. Das Ergebnis ist, dass nur
die Preise hochgetrieben werden, die Versorgung aber nicht zusammenbricht. Am
Ende sagt er höhnisch, er kann es nicht erwarten einen Mercedes für
eine halbe Unze Gold kaufen zu können. Meine
Einschätzung Natürlich ist alles möglich, besonders
unter einem "harten" Regime. Jedoch wird ein Staat in einer finanziellen
Notlage eher diese Dinge durchführen:
- Austausch der Inhalte von Lebensversicherungen
und Pensionsfonds gegen Staatsanleihen, hier ist die Masse der Anlagen zu
finden
- Verstaatlichung von Gold- und Silberminen (geht
schon los - Venezuela)
- Konfiskation von zentralen Goldbeständen von
Fonds und Banken gegen Staatsanleihen
- Aufruf zum freiwilligen Goldverkauf wie in
Südkorea 1997
Wo liegt der wesentliche
Unterschied? Im Gegensatz zu früheren Zeiten mit einem
Goldstandard, wo viel Gold in den Händen der Bevölkerung war, ist es
heute meist nur eine kleine Minderheit, die signifikant Gold hortet. Eine
Ausnahme ist möglicherweise Frankreich, wo 3.400 Tonnen gehortet werden
sollen.
Diese kleine Minderheit gehört meist der Elite an und ist
informiert. Sie wird bei Gefahr ihr Gold in Sicherheit bringen. Will man der
Elite wirklich weh tun oder nur der breiten Masse? Die breite Masse wird wegen
Verarmung ihr Gold sowieso verkaufen müssen - wenn sie heute welches hat.
Eine Konfiskation in der Breite ist mit enormen Aufwand verbunden und
erzeugt sehr viel böses Blut. Außerdem ist damit zu rechnen, dass
die Staatsmacht in einem solchen Zustand schon stark erodiert ist, sodass eine
Konfiskation nicht mehr sehr effektiv ist. Es gibt Schätzungen über
das US-Goldverbot, dass nur 20...50% des Goldes abgeliefert wurden. Ein grosser
Teil wanderte über Kanada in die Schweiz. Daher sind heute noch in Europa
US-Goldmünzen aus der damaligen Zeit zu kaufen.
Adam Hamilton
beschreibt in "
Gold Confiscation Hydra 1.1" das Mengenproblem einer
solchen Konfiskation sehr treffend. Der Aufwand, bei nur 3 Millionen
Amerikanern nachzuschauen wäre enorm und würde einen ungeheureren
Proteststurm auslösen, von 300 Millionen gar nicht zu sprechen. Er
bezeichnet die Wahrscheinlichkeit dafür mit etwa 1%.
Sollte ein
wirklich hartes Regime an die Macht kommen, ist es sowieso besser, zusammen mit
dem Gold zu verschwinden.
Es gibt bereits ein "Goldverbot"
Die heutige Methode, besonders in den USA, aber auch in Europa,
funktioniert anders. Durch psychologische Manöver werden die Leute vom
Gold abgehalten. Das Goldverbot findet sozusagen im Kopf statt.
Einerseits werden die Gold- und Silberpreise seit ca. 1992
künstlich niedrig gehalten, um die enorme Geldmengen-Inflation zu
verschleiern. Auf der anderen Seite erscheinen in Finanz- und anderen Medien
immer wieder schlechte Artikel über das Gold: Performance-Versager,
umweltschädliche Produktion, usw. Nach einem Preisanstieg: Gold wird
wieder tief fallen, schnell verkaufen! Es wird künstlich der Gruppendruck
eingesetzt, Gold nicht anzurühren.
"Richtige Investments" sind
immer Papierwerte. Auch gibt es kaum eine Infrastruktur wie für
Papieranlagen. Man muss sich alles selbst schaffen. Das führt
zusätzlich dazu, dass diese Anlageform kaum verkauft und gekauft wird. Im
Gegensatz zu vor 20 Jahren ist Gold bei Banken nicht lagernd, sondern muss erst
bestellt werden.
Soweit zum heutigen "Goldverbot". Offenbar sind
intelligente Leute am Werk, denn sie machen es mit psychologischen Tricks.
Sollte das Vertrauen in das Fiat-Money trotzdem schwinden, was passieren wird,
werden auch diese Tricks versagen.
Die Auswirkungen
Alte Goldverbote wirken nach:
Marc Faber gibt im
Gold-Roundtable-Interview gute Tips: "I recommend investors hold physical gold
stored in a safe deposit box of a bank in a 'gold friendly' country, such as
the United Arab Emirates, Singapore, Hong Kong, India, France and Switzerland.
The last place you may wish to hold your gold is in the US, where gold holding
was already declared illegal once before, in 1934."
Übersetzung: "Ich empfehle Investoren physisches Gold in einem
Bankschliessfach bei einer Bank in einem Gold-freundlichen Land zu lagern: UAE,
Singapur, Hong Kong, Indien, Frankreich, Schweiz. Der letzte Platz wo man sein
Gold halten sollte, sind die USA, wo Goldbesitz in 1934 bereits einmal für
illegal erklärt wurde." Die Situation in
Deutschland:
Die Regierung hat einen Hang dazu, bei den
Bürgern herumzuschnüffeln. Seit April 2005 kann der Staat sogar
online in die Konten der Bürger schauen. Was passiert, wenn das Geld
massiv in Gold flüchtet? Wird der Druck noch verstärkt oder das
Bankgeheimnis wieder eingeführt?
Die Situation in
Österreich:
Es gibt noch ein Rest-Bankgeheimnis, auch wenn es
schwächer als das in der Schweiz ist. Die Gefahr einer Gold-Konfiskation
ist gering, aber bei einem Regierungswechsel (zu rot/grün) nicht
auszuschliessen.
Weise Worte Lassen wir zum
Abschluss Sir Alan Greenspan über Gold sprechen: "Gold still represents
the ultimate form of payment in the world. It's interesting that Germany could
buy materials during the war only with gold." ... "In extremis fiat money is
accepted by nobody and gold is always accepted and is the ultimate means of
payment."
Übersetzung (schwierig bei dieser geschliffenen
Ausdrucksweise): "Gold ist weiterhin die ultimative Form der Bezahlung. Es ist
interessant, dass Deutschland während des Krieges Materialien nur mit Gold
kaufen konnte." ... " Im Extremfall wird Papiergeld von niemandem akzeptiert
und Gold wird immer akzeptiert und ist daher die ultimative Form der
Bezahlung." Übrigens konnte man im 3. Reich trotz (oder
wegen) Goldverbots Gefangene aus Konzentrationslagern mittels Goldmünzen
freikaufen.
Soll nicht das Goldlager Fort Knox angeblich leer sein?
Noch einmal Sir Alan (als er noch nicht Fed-Chef war - 1966): "In
the absence of the gold standard, there is no way to protect savings from
confiscation through inflation. There is no safe store of value. If there were,
the government would have to make its holding illegal, as was done in the case
of gold. If everyone decided, for example, to convert all his bank deposits to
silver or copper or any other good, and thereafter declined to accept checks as
payment for goods, bank deposits would lose their purchasing power and
government-created bank credit would be worthless as a claim on goods. The
financial policy of the welfare state requires that there be no way for the
owners of wealth to protect themselves. This is the shabby secret of the
welfare statists' tirades against gold. Deficit spending is simply a scheme for
the "hidden" confiscation of wealth. Gold stands in the way of this insidious
process. It stands as a protector of property rights. If one grasps this, one
has no difficulty in understanding the statists' antagonism toward the gold
standard." - Auszug aus "Gold and Economic Freedom"
Übersetzung: "Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit,
Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt dann
kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel mehr. Wenn es das gäbe, müsste
die Regierung seinen Besitz für illegal erklären, wie es ja im Falle
von Gold auch gemacht wurde. Wenn z. B. jedermann sich entscheiden würde,
all seine Bankguthaben in Silber, Kupfer oder ein anderes Gut zu tauschen und
sich danach weigern würde, Schecks als Zahlung für Güter zu
akzeptieren, würden Bankguthaben ihre Kaufkraft verlieren und
Regierungsschulden würden kein Anspruch auf Güter mehr darstellen.
Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates macht es erforderlich, daß es
für Vermögensbesitzer keine Möglichkeit gibt, sich zu
schützen."
Dies ist das schäbige Geheimnis, dass
hinter der Verteufelung des Goldes durch die Vertreter des Wohlfahrtsstaates
steht. Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die "versteckte"
Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen
Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte. Wenn man das einmal verstanden hat,
ist es nicht mehr schwer zu verstehen, warum die Befürworter des
Wohlfahrtsstaates gegen den Goldstandard sind.
Zusammenfassung Die Goldverbote des 20ten
Jahrhunderts waren eine Ausgeburt des Sozialismus, wo das Gold zum barbarischen
Relikt (Keynes) degradiert wurde. Sie werden kaum wiederkommen. Wie im Krieg
funktioniert die Wiederholung einer Methode nicht gut. Man hat gelernt.
Besonders die USA werden dafür noch bezahlen, denn es wagt kaum
ein institutioneller Investor, Gold in den USA zu lagern. Europa ist sowieso
goldfreundlicher.
Vielmehr versucht man es heute mit psychologischen
Tricks, die Leute vom Gold fernzuhalten. Eine Art neues Goldverbot im Kopf.
Aber auch dieses wird scheitern, wenn der Goldpreis richtig ausbricht.
© Walter K. Eichelburg