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Sarkozys Freunde
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Frankreichs Zeitungslandschaft erlebt gerade tiefgreifende Umwälzungen. Vertrauten des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sind offenbar drauf und dran, sich wichtige Medien anzueignen. So stehen die beiden bedeutendsten Wirtschaftszeitungen der Republik, Les Echos und La Tribune, zum Verkauf. Bei beiden treten enge Freunde des Staatschefs als potentielle Käufer auf – mit all den damit verbundenen Gefahren. Doch jetzt wehren sich die Belegschaften: Frankreichs Journalisten werden zunehmend kampfbereiter. Ende Juni wurde bekannt, daß die größte französische Wirtschaftszeitung Les Echos wahrscheinlich an Bernard Arnault verkauft wird. Arnault ist nicht nur Vorstandsvorsitzender des Luxusartikelkonzerns LVMH (Louis Vuitton Moët Henessy) und mit einem Vermögen von umgerechnet 26 Milliarden US-Dollar der reichste Mann Frankreichs. Er ist auch ein enger Vertrauter des neuen Mannes im Elyseé-Palast, dessen Trauzeuge er war. Da Arnault aber schon das Konkurrenzblatt La Tribune besitzt, wird er wohl aus Wettbewerbsgründen von den Brüsseler EU-Behörden dazu gezwungen werden, La Tribune zu verkaufen. Interesse an diesem Blatt hat nun ausgerechnet ein weiterer Freund Sarkozys angemeldet: Vincent Bolloré, ebenfalls Milliardär und der Öffentlichkeit dadurch bekannt, daß er dem neugewählten Präsidenten nach seiner Wahl großzügig seine Jacht im Mittelmeer für einen Kurzurlaub zur Verfügung gestellt hatte. Bolloré ist zwar schon im Mediengeschäft aktiv – er besitzt einen Fernsehsender, zwei Gratiszeitungen sowie eine Produktionsgesellschaft, in deren Studios das Fernsehduell zwischen Sarkozy und Ségolène Royal aufgenommen wurde – möchte seinen Einfluß aber noch weiter ausbauen und jährlich Hunderte Millionen Euro für seinen Expansionskurs ausgeben. Doch der Durchmarsch der Sarkozy-Vertrauten und die mögliche Bildung eines Sarkozy-Meinungskartells stößt auf Widerstand. Die Journalisten von Les Echos fürchten um die redaktionelle Unabgängigkeit ihres Blattes, und auch die Mitarbeiter von La Tribune möchten den Wechsel ihres Besitzers nicht einfach hinnehmen. Beide Redaktionen traten kürzlich in den Streik. Daraufhin intervenierte Frankreichs Kulturministerin Christine Albanel, und Arnault verpflichtete sich dazu, die Unabhängigkeit von Les Echos zu wahren. Letztlich wird den Journalisten wohl ein größeres Mitspracherecht eingeräumt. Der Streik – ausgerechnet der Beschäftigten der beiden großen Wirtschaftszeitungen – ist der vorläufige Höhepunkt einer unterschwelligen Rebellion von Frankreichs Journalisten, die bereits vor zwei Jahren ihren Anfang nahm. Nachdem sie jahrzehntelang eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen und der Qualität der Zeitungen für höhere Profite der Besitzer hingenommen hatten, scheint das Maß längst voll zu sein: Im November 2006 traten die Mitarbeiter der linksliberalen Libération in den Streik, nachdem deren Hauptaktionär (ebenfalls ein Freund von Sarkozy) Edouard de Rothschild Entlassungen angekündigt hatte. Ein Jahr später wurde der Direktor und Gründer der Zeitung, Serge July, kurzerhand entlassen, und Rothschild löste sein Problem mit der Belegschaft, indem er ihr das Vetorecht bei strategischen Entscheidungen wegnahm. Und das bei einer ursprünglich genossenschaftlich organisierten Zeitung. Ebenfalls Ende Juni eskalierte der Konflikt zwischen Journalisten und Aktionären bei der französischen »Referenzzeitung« Le Monde, als nach der Abwahl des Chefredakteurs Jean-Marie Colombani auch der Aufsichtsratsvorsitzende Alain Minc das notwendige Quorum für seine Wiederwahl verfehlte. Dieser ist ebenfalls ein Vertrauter von Sarkozy; diese Nähe wird ihm von den Journalisten vorgeworfen. Minc möchte den »Putsch« der Journalisten aber nicht hinnehmen und seinen Posten behalten. Der Konflikt schwelt weiter. |
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