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20.07.2007 Ann Friday Info von:   jungewelt
»Der Anwalt von Monsanto droht uns mit Geldstrafen«
   

Sogenannte freiwillige Feldbefreiung von Genpflanzen im Oderbruch geplant. Konzern verschickt Unterlassungserklärungen. Ein Gespräch mit Hanna Poddig

Hanna Poddig ist Aktivistin der Initiative »Gendreck weg!«, www,gendreck-weg.de

Sie beteiligen sich an einem gentechnikfreien Wochenende im Oderbruch. Auf dem Programm steht unter anderem eine freiwillige Feldbefreiung, bei der genmanipulierte Pflanzen aus dem Boden geholt werden sollen. Was ist der Hintergrund?

Wir halten Gentechnik für ein großes Unrecht. Eine Koexistenz mit konventioneller oder Biolandwirtschaft ist nicht möglich. Außerdem wird gentechnisch verändertes Saatgut freigesetzt, ohne daß die Gefahren bekannt sind. Es ist nicht rückholbar. Beim Mais des Saatgutkonzerns Monsanto, der ausgesät worden ist, kommt hinzu, daß er illegal angebaut ist und keine Zulassung hat. Deshalb halten wir es für unsere Pflicht einzugreifen.

Was heißt, er ist illegal angebaut?

Monsanto hat in Frankreich eine Zulassung für eine Sorte beantragt und erhalten. Nun argumentiert der Konzern, daß eine Genehmigung in Frankreich für die ganze EU gelten soll sowie für alle Mais-Untersorten der Reihe »Mon 810«. Wir sind der Meinung, jede einzelne Sorte bräuchte eine eigene Erlaubnis und außerdem noch eine gentechnikrechtliche Zulassung. Diese ist aber mittlerweile abgelaufen und nicht verlängert worden.

Wie reagieren die Anwohner und Bauern auf Feldbefreiungen? Bekommen Sie Unterstützung?

Wir haben vor Ort Infrastruktur, die wir nutzen können. Das Land hat uns eine Fläche für unser Camp zur Verfügung gestellt. Aber in der Bevölkerung ist die Stimmung gemischt. Es gibt einige Leute, die gut finden, was wir machen. Andere sind sehr skeptisch, weil sie meinen, wir seien zugereiste Chaoten. Wir versuchen, das Bild zu ändern und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Wir bieten zum Beispiel Podiumsdiskussionen, Lesungen und Informationsstände an.

Der Düsseldorfer Monsanto-Anwalt Stiebler hat Unterlassungserklärungen an Aktive der Initiative »Gendreck weg!« geschickt. Was hat es damit auf sich?

Mit den Unterlassungserklärungen sollen die Kritiker von ihren Protesten gegen den Genmais Mon 810 abgehalten werden. Wenn wir dennoch ein Genmaisfeld betreten, droht uns der Anwalt mit Geldstrafen. Wir klären zur Zeit, ob ein solches Schreiben überhaupt Rechtsgültigkeit hat. Von den etwa 200 Leuten, die angekündigt haben, aufs Feld zu gehen, haben aber nur wenige gemeldet, ein solches Unterlassungsschreiben erhalten haben. Wir überlegen, ob wir exemplarisch Prozesse führen.

Die erste öffentlich angekündigte freiwillige Feldbefreiung der Initiative »Gendreck weg!« fand 2005 statt. Der damals betroffene Bauer Piprek bei Strausberg in Brandenburg hat nun fünf Minuten vor Ablauf der gerichtlich festgesetzten Frist seinen Genmais umgepflügt. Wie sehen Sie die Perspektiven?

Wir haben in diesem Jahr gute Chancen, etwas zu bewegen, weil sogar das Seehofer-Ministerium gesagt hat, daß von diesem Mais eine akute Gefährdung ausgeht. Forschungsergebnisse legen nahe, daß der Genmais massive Einwirkungen auf die Umwelt hat. Deswegen hat Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer dieses Jahr ein Verbot ausgesprochen. Für 2007 ist es leider nahezu wirkungslos, weil es nach der Aussaat erfolgte. Aber wir haben die Hoffnung, daß wir durch unseren Druck erreichen können, daß es nächstes Jahr ebenfalls ein Verbot gibt. Das beträfe dann auch die Aussaat, was ein sehr großer Erfolg wäre.

Was können Menschen tun, die nicht selbst in den Oderbruch kommen können?

Wir machen gerade eine Aktion mit einer vorgefertigten Strafanzeige gegen Monsanto, gegen Landwirtschaftsminister Seehofer, gegen den zuständigen Landesminister sowie gegen anbauende Landwirte. Der Text für eine solche Anzeige wegen ungenehmigter Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen ist auf unserer Internetseite verfügbar. Mit einem Genmaiskolben aus einem Feld als Beweismittel kann diese Anzeige zur Polizei gebracht werden. Monsanto wird wegen Beihilfe angeklagt und die Landes- und Bundesminister wegen Unterlassung geeigneter Maßnahmen gegen den Anbau des Genmais.

 

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