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George Orwell stellte sich
1948, als er seinem Roman '1984' schrieb, in seiner Phantasie vor,
daß die ständige Überwachung der Bürger durch ein dichtes
Netz von Teleschirmen geschehen werde, die sowohl Bildschirm als auch Kamera
sind. Kameras und Satelliten, Richtantennen und Sonden ... Der
Überwachungsstaat, den George Orwell für 1984 voraussagte, ist
mittlerweile längst zum Standard geworden. Mehr noch. Die Realität
hat Orwells Vision längst überholt.
Daß jeder Quadratmeter
der Erdoberfläche von mehreren Satelliten beobachtet wird, wird seit Mitte
der Neunziger Jahre offiziell zugegeben. Am Horizont können wir
mittlerweile aber auch die Konturen eines weitreichenden, multinationalen
Registrier- und Überwachungssystems ausmachen, dessen Informationen sich
mehr oder weniger frei zwischen den Subsystemen bewegen und große
Bevölkerungsgruppen abdecken. Da werden im Namen der
Verbrechensbekämpfung schamlos private E-mails, Faxe und
Telefongespräche abgehört und aufgezeichnet. Auch werden Betreiber
von Fernmeldeanlagen durch neue Gesetze gezwungen, solche Technik
einzubauen, die das Bespitzeln erlauben, natürlich auf deren eigene
Kosten.
Das Wachstum des Internet
und des ECommerce hat zu einer gewaltigen Zunahme an persönlichen Daten
geführt hat, die sich sammeln und auswerten lassen. Gleiches gilt für
das digitale Fernsehen, das genauso wie das Internet dazu dienen wird, jede
Aktivität der Kunden zu überwachen. Da der Anschluss normalerweise
über einen Decoder erfolgt, der eine 'black box' ist, kann so der
Lauschangriff bei jedem einzelnen Benutzer erfolgen.
Wir werden durch es (das
digitale Fernsehen) nicht nur erfahren, wer unsere Kinder sind, sondern auch
was sie kaufen, was sie sich ansehen, was sie lesen und was sie sich
wünschen." - Rupert Murdoch
ECHELON
Das Spionagesystem der
National Security Agency (NSA; amerikanischer Geheimdienst), mit dem Namen
"Echelon" ist in der Lage, große Mengen an E-mails, Faxen, Telexe und
Telefongespräche weltweit in Realzeit zu scannen. Nach Auskunft eines
früheren Direktors der NSA verarbeitete das System schon 1992 zwei
Millionen Nachrichten pro Stunde. und der frühere NSA Agent Wayne Madsen
bestätigte, daß die NSA schon 1985 100% Abhörbarkeit jeder
Kommunikation zu ihrem Hauptziel erklärte.
Bekannte Ziele des Echelon Systems waren
Amnesty International und die deutsche Firma Emerkon.
Echelon ist Bestandteil der
Geheimdienstkomponenete mit der Bezeichnung COMINT (Communications
Intelligence). Darunter vesteht die NSA alle technischen und
nachrichtendienstlichen Informationen ausländischer Kommunikation, die an
dritte Personen und nicht nur an den beabsichtigten Empfänger
weitergeleitet werden.
Die historischen Wurzeln von
Echelon liegen in dem 1947 gechlossenen, geheimen UKUSA Übereinkommen
zwischen USA, England, Australien, Neuseeeland und Kanada, mit dem Ziel auch
nach Ende des 2. Weltkrieges bei globalen COMINT Operationen
zusammenzuarbeiten. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden die jetzt bekannten
Abhöreinrichtungen des Echelonsystems:
Yakima, Washington (USA / Betreiber:NSA)
Sugar Grove, West Virginia (USA / Betreiber:NSA)
Fort Meade, Maryland (USA / Betreiber:NSA)
Buckley (USA / Betreiber:NSA)
Helemanu auf Oahu (Hawaii / Betreiber: NSA)
Rosman, North Carolina (USA / Betreiber: NSA)
Sabana Seca (Puerto Rico / Betreiber: NSA)
Waihopai bei Blenheim (Neuseeland / Betreiber:GCSB)
Tangimoana bei Bulls (Neuseeland)
Atoll Diego Garcia (Indischer Ozean / Betreiber:
NSA/GCHQ)
Kojarena bei Geraldton (Australien / Betreiber:DSD)
Pine Gap (Australien / Betreiber:DSD)
Shoal Bay, Northern Territory (Australien /
Betreiber:DSD)
US Botschaft in Canberra (Australien / Betreiber: NSA)
Bamaga (Australien)
Morwenstow, Cornwall (England / Betreiber: GCHQ/NSA)
Menwith Hill, Yorkshire (England / Betreiber:
GCHQ/MI8/SSD/NSA)
Leitrim (Kanada / Betreiber: CSE)
Kingston (Kanada / Betreiber: CSE)
Gander (Kanada, Neufundland / Betreiber: CSE)
Alert (Kanada, Ellesmereinsel vor Grönland / Betreiber:
CSE)
Masset (Kanada, Queen Charlotte Insel / Betreiber: CSE)
Kopenhagen (Dänemark / Betreiber: FCR/FE, GCHQ)
Aflandshage, Insel Amager (Dänemark / Betreiber:
FCR/FE)
Karup (Dänemark / NATO HQ BALTAP)
Bad Aibling bei München (Deutschland / Betreiber: NSA, US Army
INSCOM)
Insel Ascension (Sankt Helena, Atlantischer Ozean)
Misawa (Japan)
Sinop, Türkei, so daß sich ein erdumspannendes Netz von Stationen
ergibt.
Menwith Hill /
England . . |
Waihopai /
Neuseeland . . |
Leitrim /
Kanada |
NSA - Fort Meade /
USA |
In den USA werden die in
Fort Meade empfangenen Daten über das Geheimdienstnetzwerk INELINK mit den
anderen amerikanischen Gehimdiensten wie CIA, DIA usw. ausgetauscht. Weiterere
Bestandteile sind Sprecher-Erkennungsprogramme, die man zum Abhören von
Gesprächen einsetzt, indem von der Zielperson ein "Stimmenabdruck"
(Voiceprint) angefertigt wird, anhand dessen die Stimme der Zielperson bei
Telefongesprächen automatisch wiedererkannt und aufgezeichnet
wird.
Zur Kontrolle des
Internetdatenverkehrs existiert zusätzlich eine 1-Terabyte große
Datenbank der britischen "Defence Evaluation and Research Agency", in der alle
Usenet Postings der letzten 90 Tage gesammelt werden. Ergänzend hat die
NSA seit 1995 an neun Internetknotenpunkten Schnüffel-Programme
installiert, die relevante Internetverkehrsdaten für die NSA sammeln.
Daneben suchen NSA Webrobots regelmäßig Websites auf, die für
Geheimdienste relevante Informationen bereitstellen, um die dort publizierten
Daten zu sammeln und abzugleichen.
Die Abhöreinrichtungen
sind jeweils auf Satelliten-, Mobil- und Richtfunkstrecken, Unterseekabel sowie
Festnetzleitungen spezialisiert:
1.Abhöreinrichtungen,
die die Intelsat und Inmarsat-Satelliten überwachen. Diese Satelliten
werden von vielen Telekommunikationsunternehmen zur transkontinentalen
Übertragung von Telefonaten, E-mails und Faxen
genutzt.
2.Abhöreinrichtungen,
die die nationalen/regionalen Kommunikationssatelliten überwachen (dazu
zählen Menwith Hill und Bad Aibling). Über diese Satelliten (keine
Intelsat-Satelliten) verlaufen kontinentale
Kommunikationsübertragungen.
3.Abhöreinrichtungen,
die die kontinentalen Anschlußstellen der Unterseekabel überwachen.
Über diese Anschlußstellen wird ein weiterer Teil transkontinetaler
Kommunikation übertragen. Das können Mikrowellenradio- und
Hochfrequenz-Radio-Empfangstürme sein, oder Kabelverbindungen nationaler
Telekommunikationsunternehmen, als Bestandteile nationaler
Telekommunikationsnetzwerke.
4.U-Boote und
Tiefseetaucheinrichtungen, mit deren Hilfe Langzeitrekorder oder
Signalverstärker an die Unterseekabel angeschlossen
werden.
Neben den Bodenstationen und
Bodenabfangantennen entwickeln und unterhalten die Geheimdienste selbst
Satelliten, die je nach Typ für COMINT Operationen zum Abfangen
abgestrahlter Mikro- und Radiowellen benutzt werden.
Dabei ist es aufgrund der
Vielseitigkeit der Echelon-Anlagen erst einmal nebensächlich, auf welchem
Wege der Kommunikationsaustausch stattfindet, über Echelon werden alle
Anlagen zu einem großen integriertem System verknüpft. Mit Hilfe des
KI-Analyseprogramms MEMEX, werden die Quellen nach relevanten Keywords
durchscannt, um potentielle Operationsziele der NSA und verbündeter
Geheimdienste zu "markieren".
Ausgewertet werden die
Spionagedaten in: GCHQ/ England (Daten aus Deutschland und Europa, Afrika und
Westrußland), NSA/ USA (USA, Lateinamerika, Karibik und Hauptauswertung
Welt), CSE/Kanada
(Nordrussland, Nordeuropa, Kanada und Nordamerika),
DSD/Australien (Daten aus Südostasien,
Südwestpazifik und östlicher indischer Ozean), GSCB/Neuseeland
(Südpazifik).
Die totale
Überwachung der Handys durch CALEA
Beim 'Communication
Assistance for Law Enforcment Act' (CALEA) geht es im Wesentlichen um die
totale Überwachung der Handys. Es enthält die vom FBI aufgestellten
Forderungen (die nach dem Willen vom FBI Welt-Kommunikations-Gesetz werden
sollen, ITU), daß jeder, der über ein Handy ein Gespräch
führt oder Daten sendet erkannt werden kann und sein Gespräch
aufgezeichnet wird, um bei den Sicherheitsdiensten nach Bedarf Verwendung zu
finden. CALEA schreibt Telefongesellschaften und Herstellern von
Telefongeräten den Einbau von Lauschmöglichkeiten
vor.
Schon 1991 gab es rege
Treffen zwischen dem FBI und europäischer Regierungen. Die FBI-Leute
wollten erreichen, dass ihr CALEA-Vorschlag in die europäische
Gesetzgebung übernommen wird. Bereits 1994 hatte das FBI damit Erfolg beim
Kongreß, die EU-Ministerkonferenz hat die FBI-Forderungen im Januar 1995
wortwörtlich übernommen, natürlich wurde das geheim gehalten.
Damit konnte die USA die ITU (Int. Telekomm. Union) besser unter Druck setzen,
diese Forderungen zu übernehmen; diese sind dann für die
ITU-Mitglieder weltweit verbindlich.
Enfopol
Enfopol stellt ein
breitangelegtes, paneuropäisches Überwachungs- und Abhörkomplott
dar, basierend auf den ursprünglichen Überlegungen einer geheimen
Arbeitsgruppe aus FBI und den Geheimdiensten aller europäischen
Länder namens ILETS (International Law Enforcement Telecommunications
Seminar). Die
Vorbereitung, Planung und Durchführung erstreckt sich zeitlich von 1992
bis 1999 und sollte möglichst abseits der nationalen Parlamente und
abseits jeder Öffentlichkeit verlaufen. Das hat nicht
funktioniert.
Die neuen Standards, die
Eingang in ein Abkommen fanden, wurden schließlich in einem Dokument
präzisiert, das den Namen Enfopol 98 trägt und von Telepolis
1998 veröffentlicht wurde. Aufgrund der daraufhin aufkommenden Proteste
habe man die umstrittensten Maßnahmen aus dem Dokument entfernt und in
geheimen Ausführungsvorschriften versteckt. Das Europaparlament hatte zwar
die überarbeitete Enfopol-Regelung verabschiedet, der Ministerrat aber
legte aber Widerspruch ein, da nur 25 Prozent der Abgeordneten bei der
Abstimmung anwesend waren.
Es wird nur zu einer
Neuauflage der ENFOPOL Pläne in neuen Gewändern kommen, denn man
bereitet ein Projekt wie ENFOPOL nicht jahrelang vor, führt zahlreiche
Treffen durch und verfasst immer wieder aktualisierte Gesetzestexte, um dann
alles aufgrund einiger Proteste zu begraben.
Das umstrittene Dokument
wurde gar nicht von europäischen Regierungen oder der Europäischen
Kommission verfaßt. ENFOPOL 98 ebenso wie der Ratsbeschluss von 1995
wurden von einer US-dominierten Expertengruppe aus dem Sicherheits- und
Strafverfolgungsbereich verfasst, die sich ILETS nennt. In dieser Gruppe gibt
es weder Vertreter der Industrie, noch Berater von Bürgerrechts- und
Datenschutzanwälten.
Während der letzten
sechs Jahre hat ILETS im Alleingang Regierungen und
Standardisierungs-Organisationen gezwungen, ihre "Anforderungen" zum
Bestandteil von Gesetzen, Netzwerken und Kommunikationssystemen zu machen. Die
Aktivitäten dieser Gruppe wurden bisher noch in keinem Parlament
vorgetragen, weder einem nationalem Parlament, noch dem Europa-Parlament, und
auch nicht dem US-Kongress.
(siehe ILETS, die geheime Hand hinter
ENFOPOL.)
Enfopol verfolgt im
Überblick drei Ziele:
- die Umsetzung von
Überwachungs- und Abhöranforderungen der Geheimdienste in
internationale technische Standards und Normen der beiden großen
Standardisierungsorganisationen ITU (International Telecommunications Union)
und ISO (International Standards Organisation).
- die Umsetzung dieser Normen in technische
Überwachungs- und Abhörschnittstellen aktueller und zukünftiger
Telekommunikationstechnologie (Stichwort: IRIDIUM), das umfasst TK-Anlagen,
Telefone, Netzwerke, Mobiltelefone, Handys und den gesamten Internetverkehr,
die es jedem Geheimdienst ermöglicht, jederzeit in Echtzeit jeden
Kommunikationsverkehr abzuhören. -Europäische Adaption des amerikanischen CALEA
[Communications Assistance for Law Enforcement Act]
Gesetzes - die
Umsetzung der oberen Punkte in eine einheitliche,
paneuropäische-transatlantische Gesetzgebung mit nationalen Pendants in
Form z. B. der deutschen
Telekommunikations-Überwachungsverordnung.
Seine Ergänzung im
osteuropäischen Raum könnte dieses System im russischen
SORM-2 (System
of efficient research measures) Projekt finden. SORM-2 sieht vor, daß
der russische Geheimdienst FSB jederzeit ohne behördliche
Genehmigungspflicht über Standleitungen, die alle Provider einzurichten
haben, Daten abrufen kann. In Russland hat übrigens das FBI ebenso wie in
Ungarn ein Büro eröffnet, und man habe die Russen auch beraten, solch
ein System einzuführen.
Anwendung von
Verschlüsselungs- und Anonymisierungsverfahren in Hard- und Software wird
behindert
Im Zusammenhang mit den
totalen Überwachungsmöglichkeiten, die sich aus den ECHELON, EUROPOL,
ENFOPOL Netzwerken ergeben, wird die zentrale Bedeutung der Möglichkeit,
Daten jedweder Art verschlüsselt übertragen zu können und die
Möglichkeit, die eigene Identität zum Schutz gegen Überwachung
zu verschleiern, offenbar. Das haben auch die Sicherheits- und
Geheimdienstbehörden aller Staaten erkannt.
Starke Kryptografie und
sichere Anonymisierung auf breiter Front setzen die Möglichkeiten des
Echelon- oder eines Enfopolsystems außer Kraft. Als Konsequenz muß
es diesen Behörden langfristig darum gehen, eine weitere Verbreitung und
Anwendung von Verschlüsselungs- und Anonymisierungverfahren in Hardware
(ISDN-Telefon mit Kryptoprotokoll, Kryptosmartcards) und Software (PGP,
Remailer) zu kontrollieren, zu behindern, besser zu
verhindern.
Mit dem Waasenaar-Abkommen,
das 1996 von 33 Staaten unterzeichnet wurde, soll der Export von
Kryptografiesoftware, die nicht frei verfügbar ist (Public Domain)
verhindert werden. Die USA, England, Neuseeland und Australien haben in
nationalen Zusatzparagraphen (Amendments) zum Abkommen eingeschränkt,
daß Public Domain Kryptografiesoftware, die zur Verschlüsselung von
Nachrichten dienen, ebenfalls unter das Exportverbot
fallen.
Mit Vereinigungen wie der
Key Recovery Alliance sollen schon im Vorfeld Softwareproduzenten darauf
eingeschworen werden, in ihre Produkte Soll-Bruchstellen (Back Doors)
einzubauen. Auf europäischer und internationaler Ebene werden immer wieder
unter dem Deckmantel des Kinderschutzes Überlegungen zur eindeutigen
Identifizierungspflicht und -möglichkeit jedes Internetbenutzers und zur
Abschaffung von Anonymisierungsdiensten angestellt.
Textquellen: http://www.funnyhill.de/htm1/19d.htm
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/enfo/
http://buerger.metropolis.de/kairaven/miniwahr/ministry.html
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