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| 02.03.2002 |
Rainer Rupp |
Junge
Welt |
| »Kosovo-Befreiungsarmee«: In Prekaz
kein Massaker an Albanern, sondern Polizeioperation |
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Ausgerechnet die UCK, die offiziell längst
aufgelöste »Befreiungsarmee des Kosovo«, trägt zur
Entlastung von Slobodan Milosevic bei. Der frühere Präsident
Jugoslawiens wird vor dem UN-Tribunal in Den Haag wegen Kriegsverbrechen der
Prozeß gemacht. Im Kosovo verteilen (Ex-)Mitglieder der UCK derzeit eine
Hochglanzbroschüre, die ungewollt den Kern der Verteidigungsstrategie von
Milosevic stützt. Demnach sind die 56 Angehörige des Jashari-Klans
und deren Freunde in dem kleinen Ort Prekaz Anfang März 1998 bei einer
legitimen Polizeioperation gegen bewaffnete und separatistische Terroristen ums
Leben gekommen, in deren Verlauf es auch unvermeidbare Opfer gab. Die Berichte
über das angebliche Massaker an den Jasharis seien lediglich ein Tropfen
im »Ozean der Lügen«, den die UCK und die NATO über
Serbien zur Rechtfertigung ihres Kriegs ausgeschüttet hätten, hatte
Milosevic Mitte Februar vor dem UN-Tribunal in Den Haag gesagt.
Die UCK
verteilt die Broschüre im Rahmen der Errichtung einer Gedenkstätte
zur Erinnerung an das Blutopfer der Jasharis »im Kampf um die nationale
Unabhängigkeit«. Im März 1998 wurde die gräuliche
Geschichte vom »Massaker in Prekaz« von den hiesigen Medien als
weiterer Beweis für die verbrecherischen Serben genüßlich
ausgeschlachtet. Demnach habe eine wild gewordene serbische Soldateska beim
Überfall auf das Anwesen des Bergbauern und UCK-Kommandeurs Jashari 56
unschuldige Menschen, darunter Frauen und Kinder, kaltblütig massakriert.
Mahmut Bakali, kosovo-albanischer Politiker und Berater der UCK bei den
Verhandlungen in Rambouillet, bezeugte vergangene Woche als einer der ersten
vor dem Haager Tribunal, daß Milosevic im Frühjahr 1998 ihm
gegenüber die »Operation in Prekaz« als legitime Polizeiaktion
gerechtfertigt habe. Zum Leidwesen von Chefanklägerin Carla del Ponte wird
gerade dies von der UCK-Hochglanzbroschüre ungewollt bestätigt. Unter
dem Titel »Die Jasharis, die Geschichte ihres Widerstandskampfes«
wird in dem Heldenheft berichtet, daß Adem Jasharis Frau Adile bei dem
angeblichen Massaker 1998 als erste getötet wurde, »als sie für
Adem Munition holte«. Als letzter starb der 13 Jahre alte Sohn Kuschtrim,
»der mit einem automatischen Gewehr in den Händen fiel«.
Die meisten Familienmitglieder 13 Personen, darunter eine sieben
Jahre alten Nichte des UCK-Kommandeurs starben, als eine Granate der
serbischen Polizei das Haus traf. Während die westliche Presse damals
berichtete, Angehörige des Jashari-Klans seien von Sicherheitskräften
exekutiert worden, gibt es dazu in der UCK-Broschüre keinen Hinweis. Auch
habe niemand zu fliehen versucht, heißt es seitens der UCK, obwohl die
Familie bereits tags zuvor wußte, daß sich serbische
Polizeienheiten zum Sturm auf das festungsartige Jashari-Anwesen gruppiert
hatten. Alle seien sie entschlossen gewesen, ihr Leben für die
»Befreiung« zu geben, für die sie »bereits seit 1991
kämpften, als Adem und seine Freunde den bewaffneten Kampf gegen die
serbische Polizei aufnahmen. Zahlreiche Operationen wurden erfolgreich zu Ende
geführt. Der serbische Staat wurde in seinen empfindlichsten Stellen
getroffen«, heißt es stolz in der UCK-Broschüre.
Am
30. Dezember 1991 hätten serbische Polizei und Militär zum ersten Mal
das Anwesen von Adem Jashari belagert, heißt es weiter. Darauf hin der
Familie eine große Zahl von bewaffneten und unbewaffneten Menschen aus
der Umgebung zu Hilfe geeilt. Die Polizei sei abgezogen. Dies sei
»für sieben Jahre das letzte Mal gewesen, daß sich die Polizei
nach Prekaz hineingewagt« habe. Erst am 22. Januar 1998 seien die
Polizisten zurückgekommen, mit »Granatwerfern, Gewehren und
automatischen Waffen« um das Jashari-Anwesen zu belagern. Aber die
anwesenden Kämpfer hätten die Polizei vertrieben, unterstützt
von Tausenden Menschen, die aus den umliegenden Dörfern herbeigeeilt
waren. »Die Herausforderung war zu offen und die Schande zu groß,
daß die Serben sie so einfach hätten schlucken können. Deshalb
haben sie sich auf einen endgültigen, unmenschlichen Schlag
vorbereitet.« Bis zum endgültigen Sturm auf die UCK-Hochburg in
Prekaz dauerte es allerdings noch bis Anfang März. In der Zwischenzeit
verdoppelte Jashari-Senior seine terroristischen Aktivitäten. Unter
anderem war er UCK-Angaben zufolge an einem Überfall auf eine
Polizeistation beteiligt, bei der sechs junge Polizisten erschossen wurden.
Die Todesfälle in Prekaz stehen zwar nicht in der Anklageschrift
des Haager Tribunals gegen Milosevic, aber die Frage, ob der Tod der Jasharis
das Resultat einer kaltblütigen Mordaktion oder einer legitimen
Polizeioperation war, dürfte »sehr den Fortgang der Verhandlung
beeinflussen«, schrieb kürzlich die Los Angeles Times unter
Bezugnahme auf die UCK-Broschüre. |
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