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Süddeutsche Zeitung Lokales 3.3.2002
Gemeinderat fordert Expertise zu
Mobilfunk-Belastung
Von Hanne Fassmann
Bernried Ein ganzes Dorf ist
beunruhigt: Als Anfang des Jahres in Bernried (Landkreis Starnberg) ein
missgebildetes Kälbchen mit einem außen liegenden Herzen geboren
wurde und eingeschläfert werden musste, fragten skeptische Bürger:
Ist es Zufall, dass ausgerechnet die Rinder des betroffenen Bauern den Sommer
über auf der Weide unmittelbar vor dem Wasserturm gegrast hatten, auf dem
mehrere Mobilfunkantennen installiert sind? Demselben Bauern sind nun schon
wieder zwei Kälber verendet Anlass für neuerliche
Spekulationen in der Gemeinde.
Das Thema beschäftigte auch den
Bernrieder Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung: Das Gremium fordert
Aufklärung und genaue Informationen über das, was auf den fünf
Plattfomen des neuen 68 Meter hohen Mobilfunkturms im Norden Bernrieds
installiert werden soll, der sich noch nicht in Betrieb befindet. Wenn
die Betreiber nicht kommen, drohte Bürgermeister Walter Eberl
(ÜFW), werde man an die Öffentlichkeit gehen.
Die weiteren Kälbchen seien Anfang
Februar gestorben, berichtete der Dritte Bürgermeister Franz Greinwald
(CSU), der selbst Landwirt im Ortsteil Hapberg ist. Der betroffene Bauer, ein
zurückhaltender Mann der für seine Tiere lebe, habe ihm die
Fälle geschildert: Das eine Neugeborene hatte verkrüppelte
Vorderbeine, das andere habe morgens noch ohne Anzeichen einer Krankheit
getrunken und sei am Abend tot gewesen.
Unruhig und nervös
Auch bei seinen eigenen Tieren entdeckte
Greinwald Auffälligkeiten, die in der vom Bayerischen Umweltministerium in
Auftrag gegebenen Rinderstudie bestätigt werden. Sie schaben
Löcher auf der Weide, sind unruhig und nervös, sagte er der
Süddeutschen Zeitung und warnte: Natürlich könne er nicht
beweisen, dass der Elektrosmog durch die Mobilfunkanlagen schädlich sei.
Doch es sei denkbar, dass sich gesundheitliche Auswirkungen erst bei Tieren
mit ihrer kurzen Lebenserwartung zeigen würden und dann beim
Menschen.
Neben Aufklärung durch den Betreiber
fordern die Gemeinderäte auch Auskunft aus dem Landratsamt sowie
Messungen. Zu dem neuen, 68 Meter hohen Funkmasten meinte Eberl: Wir
konnten ihn nicht verhindern. |