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5.3.2002 von Martin Scheele  
Reiche werden nicht bestrahlt

Hamburg: Mal wieder: Reiche werden nicht bestrahlt

Quelle: Hamburger Morgenpost, 04.03.2002. Übermittelt von Jörg Wichmann

Funkmast

Misst Behörde etwa mit zweierlei Maß?

Lieber im Naturschutzgebiet als Landschaftsschutzgebiet aufstellen

Eine Bürgerinitiative mit 600 Mitgliedern kämpft in Neugraben gegen die Aufstellung eines Mobilfunksendemastes. Die Bürger befürchten, dass die elektromagnetische Strahlung des 46 Meter hohen Turms am Falkenbergsweg Gesundheitsgefahren auslöst.

Die Argumentation des Bezirksamtes Harburg für den Standort ist fragwürdig. Das belegen zwei brisante Briefe, die der Initiative in die Hände gefallen sind.

Der Netzbetreiber Viag Interkom wollte nämlich auch am Ehestorfer Heuweg, einer Gegend, wo wohlbetuchte Bürger wohnen, einen Mast aufstellen. Das lehnte das Amt ab. Begründung: „Wegen angrenzendem Landschaftsschutzgebiet nicht realisierbar.“ Eigenartig

– der Standort am Falkenbergsweg liegt direkt an einem Natur- und Vogelschutzgebiet! Welches einen viel höheren Stellenwert als ein Landschaftsschutzgebiet hat. Pikant: Verwaltung und Parteien wollen in dem Gebiet am Ehestorfer Heuweg Bauflächen ausweisen. Der Verdacht, dass aus diesem Grund der Standort Ehestorfer Heuweg abgelehnt wurde, liegt nahe. Welcher Häusle-Bauer will schon für ein Grundstück Geld ausgeben, wenn dort ein Sendemast elektromagnetische Strahlung von sich gibt.

„Das ist Blödsinn“, sagt Karl-Heinz Altheus, Leiter des Naturschutzreferates im Bezirksamt Hamburg. Er verweist darauf, „dass ja das Naturschutzgebiet am Falkenbergsweg nicht direkt am Sendemast ist, sondern nur angrenzt“. Angrenzen heißt hier: nur 15 Meter entfernt steht das erste Naturschutzschild.

Öffentlichkeitsscheu ist das Amt auch am Falkenbergsweg gewesen: Nur die Wohnungsbaugenossenschaft Süderelbe als Grundeigentümer wurde über das Vorhaben informiert. Und dessen Chef, Heinz R. Fricke, „wollte die Mieter nicht informieren, sie haben

ja sowieso kein Recht auf Widerstand“. Fricke ist mit Süderelbe-Ortsamtschef Peter Sielaff per Du. Nur durch eine Indiskretion hatten die Bürger überhaupt von dem Bauvorhaben Wind bekommen, legten Widerspruch gegen den Bauvorbescheid ein.

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