| Den Begriff »Schreibtischtäter« mochte
Medienexperte Peter Glotz am frühen Donnerstag dieser Woche nicht
verwenden (weil im Zusammenhang mit den Verbrechen des deutschen Faschismus
schon besetzt), als er im Deutschlandfunk über das gegenwärtige
»Feldgeschrei« der bundesdeutschen Medien sprach. Von der
»Schreibtischkaste« sprach er. »Sie sitzen am Schreibtisch
und werden kriegerisch.« Wie jener Herr von Lojewski vom ZDF, der zwei
Tage zuvor gegen 22 Uhr mit patriotisch bebender Stimme verkündete:
»Die Botschaft des Tages: Wir sind dabei!« Die Berliner Springer-BZ
titelte am nächsten Tag: »Wir sind dabei!« Dazu ein
Bundeswehrsoldat, der sein MG mit kühnem Blick auf ein imaginäres
Ziel richtet. Der »Kampf um die Köpfe« hat mit der Eskalation
der Schröderschen »uneingeschränkten Solidarität«
sowohl an der Heimatfront als auch weltweit eine neue, nämlich die
»vierte Dimension« erreicht, um einen Begriff aus dem Vokabular
einer Berufskategorie aufzunehmen, deren Handwerk mit dem Begriff
»Psychologische Kriegführung« beschrieben wird. Mit dem Ende
des »Reiches des Bösen«, also der Sowjetunion und ihrer
Verbündeten, hatte man die hohe Zeit dieser speziellen Krieger für
ausgelaufen gehalten. Nun kommen diese Leute aber wieder zu hohen Ehren, und
ihre Erläuterung der »vierten Dimension« ist wieder aktuell:
»Diese vierte Dimension ist ein Krieg, der sich auf keiner strategischen
Landkarte zeigen läßt, wohl aber überall dort, wo Presse, Funk
oder Bilder das letzte Dorf erreichen. Die Schlachten des dritten Weltkrieges,
ausgekämpft in der Ebene der vierten Dimension, sind längst im Gange,
es ist der Kampf um die Meinungen der Menschen unserer Welt.« Bei diesem
»Kampf um die Gemüter«, hatte seinerzeit die Frankfurter
Allgemeine Zeitung in ihrer feingeistigen Art doziert, kommt es »wie bei
der Waffenentscheidung auf das Totschlagen des feindlichen Willens« an.
Totschlagen bleibt die Devise der Psychokrieger auch heute. Man bleibt auch bei
den überlieferten Begriffen. Ende September, so erfahren wir aus der
Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 4. November 2001, gab es in
Ettlingen in Baden-Württemberg das »I. Europäische Symposium
über nicht-tödliche Waffen«. Heute, belehrt uns das Blatt,
»heißen solche Aktivitäten psychologische
Operationen (PsyOps) oder operative Information (OpInfo).
PsyOps sind nicht leicht durchzuführen, aber auch keine Kunst. Eher eine
Art Handwerk. Es wird mit Tücke und Raffinesse betrieben, beruht aber nur
auf ein paar Grundregeln mit vielen Ausnahmen.« Ihre Erfahrungen hatten
die Experten, so das Blatt, z. T. auf dem Balkan gesammelt. Einige der
»paar Grundregeln« waren 1962 in der Novemberausgabe der
offiziösen Monatszeitschrift Außenpolitik mit dem Blick gen Osten
benannt worden: »
Unter Ausnutzung nationaler Verschiedenheiten,
religiöser Überlieferungen, auch menschlicher Schwächen wie der
Neugier, der weiblichen Eitelkeit, der Sehnsucht nach Vergnügen ist die
Indifferenz zu den Zielen der kommunistischen Staatsführung zu
fördern.« Ersetzen wir »kommunistische
Staatsführungen« z. B. durch »Afghanistan«, dann ist
hier die Aufgabe für die in dieser Woche gezeugte Radiostation
»Freies Afghanistan« beschrieben. Drei US-amerikanische
Sendestationen, berichtete der Deutschlandfunk am 8. November, wurden von
Spanien nach Kuwait verlegt, mit dem Auftrag, »ab sofort«
zwölf Stunden täglich in den zwei wichtigsten Sprachen des Landes zu
senden. Krieg in der vierten Dimension zum »Totschlagen des feindlichen
Willens«. Hier und weltweit. Denn: Wir sind dabei! |