| (The Journal of the American Medical Association 2002;287:612-617. -
2002-02-08) |
Beweis: Die Pharmaindustrie
manipuliert weltweite Richtlinien: Reuters: 87% der Ärzte, die
Richtlinien festsetzen, haben Verbindungen zur Industrie
Dienstag, 5.
Februar
NEW YORK (Reuters Health) Die große Mehrheit der
Ärzte, die an der Festsetzung nationaler Richtlinien für die
Behandlung von Krankheiten beteiligt sind, sind finanziell mit der
Pharma-Industrie verbunden, wodurch nach den Schlussfolgerungen einer neuen
Studie die Empfehlungen dieser Ärzte möglicherweise beherrscht und
Tausende weiterer Ärzte unangemessen beeinflusst werden könnten.
87 % der Verfasser von Richtlinien waren auf die eine oder andere Weise
mit Arzneimittelunternehmen verbunden, wenn diese Beziehungen auch häufig
nicht bekannt wurden. Dies ergab eine Umfrage unter 100 Autoren von
Richtlinien, die zwischen 1991 und 1999 für allgemeine Krankheiten wie
Diabetes, Bluthochdruck und Asthma veröffentlicht wurden.
Im
Einzelnen gaben 38 % der Befragten an, dass sie als Mitarbeiter oder Berater
für pharmazeutische Unternehmen tätig gewesen wären, und 58 %
erhielten finanzielle Unterstützung für medizinische Forschungen.
Gemäß dem Bericht in The Journal of the American Medical
Association vom 6. Februar hatten darüber hinaus 59 % Verbindungen
zu Arzneimittelunternehmen, deren Medikamente in den jeweiligen Richtlinien
erwähnt wurden.
Die Ergebnisse zeigen, dass Personen, die in
Ausschüssen arbeiten und Richtlinien für die Praxis verfassen,
häufig enge finanzielle Beziehungen zu Unternehmen unterhalten, deren
Produkte sie beurteilen, sagte der Autor der Studie Dr. Allan Detsky,
Chefarzt im Mount Sinai Hospital in Toronto, gegenüber Reuters Health.
Und diese Zahlen stellen nach Meinung der Autoren des Umfrageberichts
das Problem unter Umständen sogar noch verharmlosend dar, da nur 52 % der
Verfasser, mit denen im Rahmen der Umfrage Kontakt aufgenommen wurde,
geantwortet haben. Der Bericht nennt als möglichen Grund, dass einige
Ärzte durch eine Verweigerung ihrer Teilnahme verhindern wollten, dass
ihre Beziehungen zur Industrie publik würden. Obwohl die Namen der
Personen, die an der Umfrage teilnahmen, nicht genannt wurden, gab es keine
ausdrückliche Garantie für Anonymität.
Auch wenn
Verbindungen zur Industrie nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein Arzt sich
kein objektives Urteil bilden kann, so stellen sie doch ein potenzielles
Problem dar, so Detsky.
Ziel der Studie war es eigentlich gar
nicht, konkrete Beispiele, in denen Beziehungen zur Industrie zu zweifelhaften
Behandlungsempfehlungen führten, aufzudecken. Auf die Frage jedoch, ob die
Verbindungen zu Arzneimittelunternehmen die Empfehlungen für die
Richtlinien beeinflusst hätten, antworteten 19 %, dass sie glaubten, dass
sich ihre Mitverfasser bei ihren Empfehlungen von diesen Beziehungen
hätten leiten lassen. 7 % gaben an, nach eigener Einschätzung von
ihren diesbezüglichen Verbindungen beeinflusst worden zu sein.
Detsky wies darauf hin, dass Beziehungen zur Industrie häufig sehr
wichtig für einen Arzt seien. Viele hochqualifizierte Wissenschaftler, die
an renommierten akademischen Institutionen medizinische Forschungen betreiben
und die man dann auffordert, Richtlinien zu verfassen ,
unterhalten Beziehungen zur Industrie, denn es sind die pharmazeutischen
Unternehmen, die den Löwenanteil bei der Finanzierung der
Medikamentenforschung bestreiten. Detsky selbst hat Honorare für
Vorträge und Beratung sowie Forschungsgelder von Arzneimittelunternehmen
erhalten.
Ab wann also sollte ein Arzt aufgrund seiner Beziehungen zur
Industrie von der Teilnahme an der Verfassung klinischer Richtlinien
ausgeschlossen werden? Das ist die Preisfrage, so die Antwort von
Detsky. Jeder Grenzwert würde als willkürlich angesehen werden,
es sei denn, es bestünden keinerlei Verbindungen zur Industrie.
Der Umfragebericht empfiehlt insbesondere den Ausschluss von Autoren,
die Anteile an einem Unternehmen besitzen, dessen Produkte im Rahmen der
Richtlinien geprüft und beurteilt werden sollen.
Darüber
hinaus sollte jede medizinische Gruppe, die Richtlinien festsetzt, ihre eigenen
Methoden zur Ermittlung und Behandlung möglicher Interessenkonflikte
innerhalb ihres Fachgebiets entwickeln. Methoden, die verhindern
können, dass diese Konflikte dem Verbraucher zum Nachteil gereichen,
so Detsky.
55 % der im Laufe der Untersuchung Befragten gaben an, dass
es für die Richtlinien, an denen sie mitgewirkt hatten, kein formelles
Verfahren zur Klärung von Verbindungen zu Arzneimittelunternehmen gegeben
hätte. Und nur in zwei der 44 Richtlinien, die für diese Studie
ausgewertet wurden, wurden die Beziehungen der Autoren zur Industrie genannt.
QUELLE: The Journal of the American Medical Association
2002;287:612-617. |
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