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176 S., 26 Abb. und Grafiken, Hirthammer Verlag,
München.
Bei AEGIS erhältlich
Dr. med. Gerhard Buchwald, Jahrgang 1920, ist
Facharzt für Innere l Medizin und Lungenkrankheiten l und zusammen mit der
Französin Simone Delarue weltweit seit fast 4 l Jahrzehnten der
bekannteste Streiter für Impfaufklärung und Impffreiheit. Sein
Lebensthema sind Impfungen und Impfschäden. Dazu hielt er etwa 500
Vorträge, schrieb ca. 200 wissenschaftliche Arbeiten, ist Autor und
Mitautor mehrerer Bücher und erstattete an die 150
Sachverständigen-Gutachten für Impf-schadensprozesse.
Der Rückgang der Schwindsucht trotz
"Schutz"-Impfung
ist sein jüngstes Werk. Schwerpunkt des Buches ist die
Schwindsucht, besser bekannt als Tbc: ihre Geschichte, Auftreten, und ihre
Opfer. Die Irrtümer der Forscher, das Versagen ihrer Impfstoffe Tuberkulin
und BCG. Ferner das Infektionsschutzgesetz vom 1.1. 2001 und das Schüren
von Angst in Kindergärten, bei Schülern und Eltern. Wir erleben
Medizingeschichte: Angefangen von den Vätern wissenschaftlicher
Erkenntnisse über die Forschungen und Taten so berühmter Männer
wie Koch, Pasteur, Ehrlich, Dettweiler, Röntgen, Brehmer bis zu ihren
Irrtümern. Wir wundern uns über den verhängnisvollen Glauben an
Heilung durch Königs-Berührungen und sakrales Küssen, erleben
die Zeit des Heilstättenbaus, der Röntgen-Untersuchungen, den Aufbau
der Lungenfürsorge, operative Behandlungsverfahren und Chemotherapie, etc.
Die Kochsche Lymphe", das berühmtberüchtigte Tuberkulin,
bewahrte nach Kochs Angaben Meerschweinchen vor der Tuberkulose Sie brachte
Koch Ämter, weltweiten Ruhm und das Großkreuz des
Rothe-Adler-Ordens" Spekulanten versprachen hohe Gewinne und zauberten
Sanatorien aus dem Boden. Doch schon 1893 schlug das Pendel um: Das Kochsche
Wundermittel Tuberkulin führte bei Menschen zum Aufflammen sämtlicher
tuberkulöser Herde. Die neu entstandenen Sanatorien fanden als
Tbc-Sterbehäuser nur schwer eine andere Verwendung und die großen
und kleinen Spekulanten verloren ihr Geld. Buchwald schildert den
größten Impftest der Geschichte: 1968 bis 1971 führte die WHO
-Weltgesundheitsorganisation - einen riesigen Tbc-Feldversuch in Indien durch.
Dort wurden in einem Areal mit 209 Dörfern und ca. 364 000 Menschen alle
gegen Tbc geimpft. Es sollte der Test schlechthin werden, um die Tbc weltweit
auszurotten (und nebenbei viele Milliarden für einige wenige Konzerne zu
verdienen). Doch welche Bestürzung bei den Impfexperten: Im geimpften
Areal gabs mehr Tbc-Erkrankungen und Todesfälle als im gleich großen
ungeimpften Areal. Und fast noch schlimmer: Die STIKO (Ständige
Impfkommission am Robert Koch-Institut) brauchte 27 Jahre, um das Ergebnis
dieses Tests bekannt zu geben und die Tbc-Impfung von den empföhlenen
Impfungen abzusetzen. Impfungen also haben den Rückgang der Schwindsucht
von 117 596 Sterbefällen im Jahr 1901 auf 630 in 1999 nicht bewirkt. Was
war es dann? Das sagt uns dieses Buch.
Leseprobe:
Kapitel 3.9 Tuberkulin Aus den Veröffentlichungen
Pasteurs wusste Robert Koch, wie ein Impfstoff herzustellen sei: Man nimmt den
Erreger, züchtet und vermehrt ihn. Dann wird er durch Lagerung,
Desinfektionsmittel oder Tierpassagen abgeschwächt, bis er keine
Krankheitszeichen mehr hervorruft. Wird ein Organismus damit geimpft, kommt es
zu Veränderungen im Blut, die Antikörper" genannt wurden, es
wurde behauptet, diese seien in der Lage, virulente Erreger unschädlich zu
machen, d. h. der Körper sei immun" geworden, er erkranke nicht
mehr. So verfuhr Koch und verkündete am 4. Oktober 1890 in einem Vortrag
zur Eröffnung des 10. Internationalen Medizinischen Kongresses zu Berlin
unter großem Beifall, er habe Substanzen gefunden, die nicht allein
im Reagenzglas, sondern auch im Tierkörper das Wachstum der
Tuberkelbazillen aufzuhalten im Stande sind, sodass Meerschweinchen, wenn man
sie der Einwirkung einer solchen Substanz aussetzt, auf eine Impfung mit
tuberkulösem Virus nicht mehr reagieren". Ist das Meerschweinchen bereits
mit Tuberkelbazillen infiziert, kommt es an der Impfstelle zu einem Absterben
von Gewebe, später wurde vom "Kochschen Phänomen" gesprochen. Es sei
als Hinweis dafür zu werten, dass der infizierte Organismus eine Resistenz
gegen eine Zweitinfektion ausgebildet habe. Koch teilte dann in seinen
Weiteren Mitteilungen über ein Heilmittel gegen Tuberkulose" seine
Ergebnisse bei der Anwendung der Kochschen Lymphe" mit. Sie wurde ab 1891
Tuberkulin" genanntund soll subcutan gespritzt werden. Koch drückte
sich sehr vorsichtig aus und berichtete nur über Wirkungen beim
Meerschweinchen. Trotzdem löste seine Mitteilung einen Sturm der
Begeisterung aus. Das wird verständlich, denn im 19. Jahrhundert war die
Tuberkulose die wichtigste und häufigste Todesursache. Was Koch letzten
Endes dazu veranlasste, vorschnell mit seinem Mittel an die Öffentlichkeit
zu treten, ist nicht sicher bekannt. Tuberkulin war nicht einmal im Labor
ausreichend erforscht worden. Es dürfte eine Mischung aus Ehrgeiz,
Selbstüberschätzung, Wettrennen mit dem Institut Pasteur in Paris und
das wird von den Chronisten gerne verschwiegen die Aussicht auf
riesige Gewinne gewesen sein: Koch hatte sich durch Monopolisierung des
Mittels erhebliche finanzielle Vorteile erhofft und benutzte sie auch, um seine
Stellung in dem neu errichteten Institut für Infektionskrankheiten
auszubauen."
Selbst vom Institut Pasteur aus Paris kamen
Glückwünsche. Daraufhin strömten von allen Seiten auf Heilung
hoffende, an Schwindsucht Erkrankte nach Berlin. Wie Pilze schössen
überall Privatkliniken" aus dem Boden, in denen die Weithergereisten
teuere Unterkunft fanden. Bei großen Bauvorhaben wurden plötzlich
sämtliche Etagen in Sanatorien für Lungenschwindsüchtige
umgewandelt. Kaum notdürftig ausgestattet, waren diese Sanatorien in
kurzer Zeit voll belegt. Ü-berall kam die Kochsche Lymphe" zur
Anwendung. Am 20. November 1890 wurde Koch die Verleihung des Großkreuzes
des Rothe-Adler-Ordens" mitgeteilt. Über die Ankunft des
Tuberkulins in Greifswald" liegt nachfolgende Schilderung vor: Auch
für Greifswald kam endlich der große Tag, an dem in der inneren
Klinik die ersten Impfungen mit Tuberkulin vorgenommen werden sollten. Er wurde
begangen wie etwa eine Grundsteinlegung oder eine Denkmalsenthüllung.
Lorbeerbäume bildeten den Hintergrund, von dem sich Arzte, Schwestern und
Patienten in schneeigen Weiß und der Chefarzt im schwarzen Bratenrock
abhoben. Festrede des Internisten, Vollzug der Impfungen an auserwählten
Kranken, donnerndes Hoch auf Robert Koch! Es begann eben auch in der Medizin
damals etwas laut herzugehen: Der Theaterdonner der Epoche Wilhelms II. hat
auch Medizin und Hygiene nicht verschont."
Aber wenige Monate später standen die Leichenwagen vor
den Häusern. So schnell, wie sie einst belegt waren, so schnell waren
diese von Spekulanten hervorgezauberten Sanatorien" auch wieder leer. Auf
den Sturm der Begeisterung folgte der Rückschlag. Die Ernüchterung
war furchtbar. Diese Häuser waren dann schwer anderweitig verwendbar, weil
sie als Tuberkulose-Sterbehäuser einen schlechten Ruf hatten. Es war, als
führte das Kochsche Serum zum Aufflammen sämtlicher tuberkulöser
Herde im Körper. Koch hatte zunächst nicht verraten, worum es sich
bei seiner Lymphe handelte. Dies war umso bedenklicher, als er sich über
die Zusammensetzung oder Gewinnung seines Mittels zunächst völlig
ausschwieg. Bis Januar 1891 wurde von den Ärzten ein Mittel angewandt,
welches eine bis dahin unbekannte Substanz war, ein Geheimmittel", dem
nur aufgrund des wissenschaftlichen Rufes eines Robert Koch Glauben geschenkt
wurde. Es stellte sich dann heraus, dass es ein Glycerinex-trakt aus
Tuberkelbakterien war.
Später erlangte Tuberkulin aufgrund der Arbeiten von
Clemens von Pirquet (18741929) als Diagnostikum Bedeutung: Nach
Einbringung in die Haut (in geringster Dosis) zeigte das Auftreten einer
örtlichen und allgemeinen Reaktion an, ob der Organismus mit dem
Tuberkel-bazillus Kontakt gehabt hatte oder nicht.
Hautrötung oder Knötchen in der Haut bedeutete:
positiv, d. h. dieser Organismus hatte bereits Kontakt mit dem
Tuberkelba-zillus. Keine Reaktion hieß: negativ, d. h. es bestand bisher
kein Kontakt mit dem Tuberkelbazillus.
Mit der Nachricht über das neue Wundermittel schienen
auf einmal alle Maßnahmen zur Bekämpfung der Tuberkulose
überflüssig zu sein. Selbst prophylaktische Maßnahmen schienen
obsolet. Der Ausbau der Heilstätten stagnierte und man fragte sich, ob ein
Weiterbau sinnvoll wäre. In den vorhandenen Häusern wurde Tuberkulin
in kleinen Dosen zur Behandlung der Tuberkulose eingesetzt. Misserfolge traten
ein, echte Erfolge blieben aus. Diese Versuchsperiode ging rasch vorüber.
Das Pendel schlug dann auch in den Heilstätten um und unter den Patienten
verbreitete sich etwa ab 1903 eine direkte Furcht vor der Anwendung dieses
Mittels. Zuweilen aber hielten Ärzte am Tuberkulin fest. Das ging so weit,
dass Patienten, die eine Behandlung mit Tuberkulin verweigerten, zur Strafe aus
den Heilstätten entlassen wurden. Erst ab etwa 1910 wurde in den
Heilstätten hingenommen, wenn Patienten Einspritzungen von Tuberkulin
ablehnten.
Obwohl in Deutschland die Tuberku-lin-Begeisterung schon ab
1891 deutlich zurückging, weil schwere Nebenwirkungen und Todesfälle
auftraten, wurde Koch 1891 zum Direktor des Institutes für
Infektionskrankheiten ernannt. Den Nobelpreis für Medizin erhielt er 1905.
Er hat nie verwunden, dass sich seine Hoffnungen, im Tuberkulin ein
Heilmittel" gefunden zu haben, nicht erfüllt hatten. Gerne
hätte er mit Pasteur gleichgezogen. Mit Tuberkulin hat er noch lange
experimentiert. Auf den Gedanken, dass Pasteurs Grundidee falsch sein
könnte, ist er nie gekommen. |