F: Das israelische Militär will Journalisten
aus den Kriegszonen verbannen. Was sagt die dju dazu?
Sie haben nicht
nur die Absicht bekundet, sondern sind schon dabei, die Kollegen aus den
besetzten Gebieten fernzuhalten. Das können wir in keiner Weise
akzeptieren. Wir sehen zwar durchaus die Gefährdung der Kollegen, aber wir
meinen, daß es die Entscheidung des Journalisten sein muß, ob er
sich der Gefahr aussetzt. Was wir aber auf keinen Fall gutheißen
können, ist, daß von vornherein die Anwesenheit der Presse an diesen
Orten ausgeschlossen wird. Das halten wir für einen Eingriff in die
Pressefreiheit.
F: Haben Sie protestiert?
Wir sind gerade
dabei, eine Protestnote zu formulieren, wobei ich es wichtig finde, daß
nicht nur von uns Protest kommt. Aber die internationalen Organisationen, in
denen wir vertreten sind, haben sich schon eingeschaltet. Die Internationale
Journalistenföderation zum Beispiel, Reporter ohne Grenzen und andere.
F: Sehen Sie es als medienpolitisches Problem, wenn versucht wird, die
Berichterstattung über einen derartigen Konflikt zu kontrollieren?
Mehr als ein politisches denn ein medienpolitisches. Es ist der
Versuch, die Augen der Weltöffentlichkeit von den Schauplätzen
fernzuhalten. Das sieht man auch daran, daß Korrespondenten vor Ort
verwarnt oder ausgewiesen werden, wenn die israelische Regierung mit der Art
ihrer Berichterstattung im Ausland nicht einverstanden ist.
F: Ist das
dju-Mitgliedern passiert?
Nein, bisher nicht, soweit wir wissen.
Betroffen sind vor allem Kollegen aus arabischen Ländern, die sicher eine
andere Sicht der Dinge haben als die israelische Regierung.
F: Gibt es
von der dju Solidaritätserklärungen für die
palästinensischen Kollegen, deren Fernsehsender, Radiostationen
dichtgemacht werden?
Gegen die Bombardierung der palästinensischen
Sender haben wir bereits vor zwei Monaten protestiert. Wir verurteilen wie in
jedem Konflikt körperliche Bedrohung auch von Kollegen und halten es
für unzulässig, sie zu Zielscheiben zu machen. Wir sagen aber auch,
die Kollegen sollen sich nicht leichtfertig oder aus Abenteuerlust zwischen die
Fronten begeben. Aber wir halten es für absolut unzulässig,
Journalisten aus den Zonen der militärischen Auseinandersetzungen
auszusperren und jede Berichterstattung, jeden kritischen Blick der Welt auf
diesen Konflikt zu verhindern. Die Beeinträchtigung der Arbeit der
palästinensischen Kollegen ist darüber hinaus noch ein besonderes
Feld, ein Eingriff, den wir nicht hinnehmen können.
Aber auch die
israelischen Kollegen sind betroffen. Auch sie werden ausgesperrt und sind
allein auf die Verlautbarungen der israelischen Armee und der Regierung
angewiesen. Sie können sich, selbst wenn sie es wollten, was ich nicht
beurteilen kann, kein eigenes Bild von der Wirklichkeit machen. Sie haben -
anders als die Palästinenser - natürlich noch Sender und Zeitungen,
aber der Tenor der Berichterstattung ist natürlich nun sehr einheitlich.
F: Es scheint sich in den letzten Jahren eine Tendenz herauszubilden,
daß ein kleiner Krieg im Krieg gegen die Presse geführt wird. Erst
der Anschlag der NATO-Truppen auf den Sender in Belgrad, dann die Bombardierung
des Al-Dschasira-Büros in Kabul und jetzt die neuesten Vorkommnisse in
Palästina.
Ich weiß nicht, ob ich es so nennen würde.
Ich will die Unterdrückung der Presse nicht verharmlosen, aber auch nicht
dramatisieren. Medien werden von den kriegsführenden Parteien eben auch
als Mittel eingesetzt und werden genauso bekämpft. Wenn wir das zu sehr
dramatisieren, lenken wir vom Krieg und den Menschenrechtsverletzungen ab.
Natürlich ist uns der Umgang mit der Pressefreiheit besonders wichtig.
Aber wo allgemein sämtliche Rechte der Menschen beeinträchtigt
werden, ist das eine logische Folge, daß auch dieses Recht leidet. |