Die Zahl der israelischen Reservisten, die sich
öffentlich zur Verweigerung des Kriegsdienstes in den besetzten Gebieten
bekennen, ist nach Angaben der in Tel Aviv erscheinenden Zeitung Haaretz
auf 375 Offiziere und Soldaten gestiegen. Der Sprecher der Gruppe, Amit
Mashiah, schätzte, daß derzeit etwa 20 der sogenannten Refuseniks
wegen ihrer Weigerung Gefängnisstrafen absitzen. Von zwölf
Unterzeichnern des Verweigererappells sei bisher bekannt, daß sie
Einberufungsbefehle bekamen. Von der Friedensgruppe Yesh Gwul berichtet
Haaretz, daß sich dort übers Wochenende Dutzende von
Ratsuchenden gemeldet hätten, die ihren Reservedienst in den besetzten
Gebieten antreten sollen, aber verweigern wollten.
David Pearlman,
Unteroffizier der Reserve und unlängst wegen seiner Verweigerung zu 14
Tagen Haft verurteilt, meinte gegenüber Haaretz: »Die
Streitkräfte stellen mich vor ein schwieriges Dilemma, denn ich bin
bereit, in jedem Krieg anzutreten, der der Verteidigung Israels dient. Aber ich
bin nicht bereit, unter unbestimmten Umständen an Aktivitäten
teilzunehmen, die zu Leiden und Opfern in beiden Nationen führen.«
Elad Lahav, ein anderer Reservist, der gerade zu einer 28tägigen
Gefängnisstrafe verurteilt wurde, sagte den Reportern von Haaretz:
»Ich bin Zionist und Patriot und habe in der Infanterie aus freiem Willen
gedient. Als ich die Armee von meiner Weigerung informiert habe, meinen Dienst
in Hebron abzuleisten, hat mir die Hälfte meiner Freunde in meiner Einheit
gesagt, daß sie meine Entscheidung unterstützen. Und die anderen
haben gemeint, daß sie meine Meinung nicht teilen, aber meinen Schritt
verstehen.«
Unterdessen hat die arabisch-jüdische Gruppe
Taayush einen dramatischen Appell an die israelische Öffentlichkeit
gerichtet, am Samstag zu versuchen, Hilfslieferung in das umkämpfte
Flüchtlingslager in Dschenin zu schicken. Es sei nicht mit Sicherheit
bekannt, was dort vorgehe, da die Armee die Presse ausgesperrt habe. Die
Berichte, die nach außen dringen, würden aber ein grauenvolles Bild
malen. Hunderte seien getötet worden und Verwundete würden auf
offener Straße verbluten, weil sie keine medizinische Versorgung
erreicht. Häuser würden zerstört, während sich noch
Menschen in ihnen aufhielten. »Jede Person unter uns, die
Bewußtsein hat, hat die Verpflichtung, der israelischen Regierung und
unseren Mitbürgern klarzumachen, daß die menschliche Moral uns
Grenzen setzt.« Am Samstag soll es an der Straßensperre vor
Dschenin eine Demonstration gegen das Vorgehen der Armee geben. |