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Fortschritte wurden durch
US-Außenminister Powell nicht erzielt, die Militäroffensive Israels
wird ebenso weiter gehen wie der palästinensische Widerstand
Nach langem Zögern
traf Colin Powell am Sonntag nun doch Jassir Arafat in Ramallah. Der
US-Außenminister Powell verlangte vom Vorsitzenden der
Palästinensischen Autonomiebehörde zuvor die Verurteilung von
Terroranschlägen. Als dieser zum wiederholten Male erklärte: "Wir
verurteilen die gewaltsamen Operationen, die gegen israelische Zivilisten
gerichtet sind, besonders die letzte Operation in Jerusalem", gab sich Powell
zufrieden. "Aber es ist nicht genug, und wir wollen Taten sehen", sagte ein
Mitglied der US-Delegation. Arafat wird seit Ende März in seinem Amtssitz
in Ramallah von israelischen Truppen belagert, beschossen und von der
Außenwelt abgeschlossen. Seine Polizei ist unter der Ausgangssperre nicht
einsatzfähig und wird derzeit immer noch im großen Stil entwaffnet.
Wie Arafat unter diesen Bedingungen auf seine Landsleute einwirken soll, bleibt
das Geheimnis der USA und Israels.
"Das Gespräch war nützlich und
konstruktiv", so die nichtssagende Verlautbarung nach dem
US-palästinensischen Treffen. Schon im Vorfeld rechnete niemand mit
konkreten Ergebnissen. Powell besprach mit Arafat, wie "dem Terror und der
Gewalt ein Ende gemacht und der politische (Friedens-)Prozess wieder
aufgenommen" werden kann. Hochrangige palästinensische Politiker
erklärten ihre Unterstützung für die Bemühungen der USA,
solange sie sich für einen sofortigen israelischen Abzug einsetzen. Diese
stellen Israel allerdings keine klaren Bedingungen mehr, nachdem Israels
Ministerpräsident Ariel Scharon die Forderung von US-Präsident George
W. Bush nach einem "sofortigen Abzug aus den besetzten Städten" vom Tisch
fegte. Es soll keinen zweiten Anlass zu einer Schmähung der Weltmacht
durch das kleine Israel geben.
Die US-Interessen sind deutlich: Beschwichtigung der
arabischen Welt, um den nötigen Rückhalt im "Krieg gegen den Terror"
und insbesondere für den bevorstehenden Angriff auf den Irak zu erhalten.
Seit Wochen schon protestieren Zehntausende in den arabischen Ländern ihre
Solidarität mit dem palästinensischen Aufstand. Saudi-Arabiens
schwindende Unterstützung für die strategischen Interessen der USA
veranlasste diese bereits vor Wochen, ihre dortige Hauptmilitärbasis der
Region ins kleine Emirat Qatar zu verlegen. Nebenan in Bahrein greifen
Demonstranten regelmäßig die US-Botschaft an. Ein breiter Boykott
von US-Produkten veranlasste Supermärkte, diese aus den Regalen zu nehmen.
Scharons Position ist ebenfalls bekannt: "Arafats
Absetzung ist der Schlüssel zum Erfolg des diplomatischen Prozesses." Er
sprach darüber hinaus am Samstag davon, einen palästinensischen Staat
nur im Gazastreifen dulden zu wollen. Das Westjordanland soll demnach
vollständig von der israelischen Armee kontrolliert bleiben.
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Es liegt auf der Hand, dass sich
angesichts derartiger Äußerungen und unter dem laufenden
israelischen Angriff gegen die Zivilbevölkerung keine
palästinensische Führung durchsetzen kann. Die zurzeit aktivste
Guerilla-Gruppe, die Al-Aksa-Brigaden, entspringen zwar der Fatah-Partei
Arafats, werden von diesem aber nicht kontrolliert. "Es ist uns egal, was der
Präsident sagt", so ein Sprecher. "Solange die israelische Besatzung nicht
aufhört, werden wir Widerstand leisten." |
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Obwohl Palästinenser unter Ausschluss der
Öffentlichkeit von einer der bestausgerüsteten Armeen der Welt zu
Hunderten getötet werden und ihre berechtigte Forderung nach einem
unabhängigen, lebensfähigen Staat zerbombt wird, spricht Scharon von
"Israels Überlebenskampf". Die israelischen Beteuerungen, dabei die
palästinensische Zivilbevölkerung schonen zu wollen, sind schlichtweg
falsch. In Nablus wurde am Samstag eine achtköpfige Familie tot in den
Trümmern ihres zerbombten Hauses gefunden. Bilder, die aus der am
härtesten getroffenen Stadt Dschenin in noch größerem Umfang
bevorstehen. Aus Ramallah sind mehrere Erschießungen von Zivilisten
während einer Zeit belegt, in denen keine palästinensischen
Widerstandshandlungen statt fanden. Darüber hinaus richtet die Armee
gewaltige Zerstörungen in Kulturzentren, Rathäusern und anderen
zivilen Einrichtungen an. "Die Schäden alleine hier gehen in die
Millionen", sagte Siyad Chalaf, ein Gemeinderatsmitglied gegenüber
telepolis im Rathaus. Die Soldaten schlugen Wände ein, sprengten Tresore,
zerstörten Computer. Sogar jedes einzelne Bild an den Wänden liegt am
Boden. "Ziviles Leben in Palästina soll nicht mehr möglich sein", so
Chalaf.
In dieser Lage wird der palästinensische
Widerstand einschließlich der Anschläge innerhalb Israels nicht
eingestellt werden. Solange die internationalen Unterstützungszusagen
für die Palästinenser nicht praktisch werden, bleiben diese auf sich
gestellt. Die israelische Armee verhaftet zwar viele "gesuchte"
Palästinenser und beschlagnahmt Waffen, hauptsächlich diejenigen, die
von der palästinensischen Polizei rechtmäßig benutzt werden. Je
länger die israelischen Angriffe andauern, desto mehr Verzweifelte werden
sich finden, die sich mit einer Bombe im Gepäck nach Israel aufmachen.
Außer der ersehnten diplomatischen
Anerkennung, die Arafat durch den Powell-Besuch erhält, kam er am Sonntag
noch in den Genuss eines anderen Vorteils: Die israelische Armee lieferte vor
den Eintreffen des US-Außenministers schnell Lebensmittel und
Trinkwasser.
Peter Schäfer, Ramallah |