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16.04.2002 Interview: Thomas Klein Junge Welt
Stimmungswandel in Israel in Sicht?
Keren Assaf und Lotahn Raz sind israelische Kriegsdienstverweigerer. jW sprach mit ihnen
 
* Keren Assaf und Lotahn Raz sind israelische Kriegsdienstverweigerer und aktiv in der antimilitaristischen Organisation New Profile. Sie sind derzeit zu einer Vortragsreihe in Zusammenarbeit mit der deutschen Organisation Connection e.V. in Europa unterwegs

F: Sie nennen Israel einen »Soldatenstaat« - rechtfertigt die Stellung des Militärs in der Gesellschaft eine derartig negativ besetzte Vokabel?

Assaf: Nun, die Armee in Israel unterhält nicht nur starke Streitmächte, sondern das Militär besetzt auch Schlüsselpositionen im Staat, in der Politik und in der Wirtschaft. Die Politik wird vom Militärischen bestimmt - und der gegenwärtige Krieg ist deshalb letztlich ein extremer Ausdruck dieses Faktums.

Diejenigen, die diesen Krieg führen und maßgeblich befürworten, sind ausnahmslos Generäle, der Regierungschef eingeschlossen.

Viele der heute im Krieg zum Einsatz kommenden jungen Leute wachsen auf in dem Glauben, daß es absolut notwendig, ja sogar eine Tugend ist, Opfer in diesem Krieg zu bringen und als Soldat zum Helden zu werden.

F: Was halten Sie dem Argument entgegen, nur militärische Stärke kann die Existenz des Staates Israel in einem feindlichen Umfeld sichern?

Raz: Daß unsere Existenz nicht in Gefahr ist. Juden und Araber sind nicht von Natur aus Feinde. Wir wurden immer wieder gegeneinander aufgehetzt, und wir können das stoppen, wenn wir es wollen. Der einzige Weg zu einem normalen Leben ist die Koexistenz.

F: Nach der jüngst erfolgten Ernennung des rechten Ex-Generals Effi Eitam von der nationalreligiösen Fraktion zum Minister erklärte Oppositionsführer Jossi Sarid von der Meretz-Partei, er schäme sich dafür, in einem Land zu leben, in dem Menschen mit rassistischen Ansichten ins Kabinett berufen werden. Fällt vor diesem Hintergrund außerparlamentarischen Gruppen die Aufgabe zu, eine politische Alternative zu formulieren?

F: Raz: Ja, die Friedensaktivisten müssen daran arbeiten, eine Alternative zu Scharon und seiner Regierung aufzuzeigen. Während dieses Krieges haben sich viele Gruppen gegründet, die das zum Ziel haben. Hadash, die arabisch-jüdische Partei, ist ein Teil in diesem Prozeß. Die Friedensbewegung in Israel wird heute jedoch nicht von Politikern und Parteien getragen, sondern von den Menschen an der Basis.

Assaf: Eine wirklich proisraelische Position ist in unseren Augen eine, die keine Übereinstimmung mit Unterdrückung und Besetzung beinhaltet. Vielmehr sollte der Idee zum Durchbruch verholfen werden, daß Israelis und Palästinenser eine Zusammenarbeit anstreben und aufbauen müssen und dieses Land nur auf Grundlage von Gleichberechtigung und Frieden teilen können. Wir brauchen dabei Verbündete und Hilfe von außen, um das umsetzen zu können.

F: Erwarten Sie in nächster Zeit einen Stimmungsumschwung in Israel?

Assaf: Die Mehrheit der Israelis befürwortet einen palästinensischen Staat neben Israel. Die notwendige Lösung des Konflikts wird an sich verstanden und akzeptiert. Das Problem ist, daß Angst und Hoffnungslosigkeit immer wieder unsere Gefühle dominieren. Auf der anderen Seite ist eine neue Friedensbewegung entstanden, die von Frauenorganisationen getragen wird, von jüdisch-arabischen Gruppen und von Kriegsdienstverweigerern. Augenblicklich sind über 40 Kriegsdienstverweigerer in israelischen Gefängnissen, wegen Widerstand gegen die israelische Aggressionspolitik. Täglich kommen neue hinzu. Diese schnell anwachsende Bewegung steht für eine Alternative und eine Hoffnung machende Vision, steht für ein Ende des Krieges und für Frieden und Versöhnung zwischen den beiden Völkern.

* Informationen zu New Profile und der Vortragsreihe: www.Connection-eV.de

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