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16.04.2002   Junge Welt
UNO spricht von »Massentötungen«
Menschenrechtskommission verlangt Ende der israelischen Offensive
 
Die UNO hat Israel »Massentötungen« in den Palästinensergebieten vorgeworfen und ein sofortiges Ende der israelischen Militäroffensive verlangt. In einer am Montag in Genf verabschiedeten Resolution zeigte sich die UN-Menschenrechtskommission besorgt über die Lage der Menschenrechte in der Region. 40 Staaten stimmten für die Erklärung, fünf dagegen, sieben Länder enthielten sich der Stimme. Für die Resolution stimmten auch sechs EU-Staaten: Belgien, Frankreich, Österreich, Portugal, Schweden und Spanien. Die fünf Länder, die mit Nein stimmten - Deutschland, Großbritannien, Guatemala, Kanada und Tschechien -, hatten eine stärkere Verurteilung der palästinensischen Gewalttaten gegen Israelis gefordert.

Der Text der von Pakistan eingebrachten Resolution war in Verhandlungen leicht abgeschwächt worden. So ist zwar weiterhin vom Recht eines Volkes die Rede, sich gegen fremde Besatzer zu wehren. Die Formulierung, dazu seien alle Mittel einschließlich des bewaffneten Kampfes erlaubt, wurde jedoch gestrichen. In der Resolution werden »krasse Verletzungen der Menschenrechte und des internationalen Menschenrechts« verurteilt wie außergerichtliche Hinrichtungen, willkürliche Festnahmen, die Folter von Gefangenen, die Belagerung palästinensischer Orte und das jüngste Vordringen der israelischen Armee auf palästinensisches Gebiet. Scharf verurteilt wird »der Krieg, den die israelische Armee gegen palästinensische Ortschaften und Lager führt, der bislang zum Tod Hunderter palästinensischer Zivilisten führte, darunter Frauen und Kinder«. Ferner äußert sich die Kommission besorgt über die Weigerung Israels, Resolutionen des Weltsicherheitsrats anzuerkennen und über die Behandlung des palästinensischen Präsidenten Yassir Arafat.

In Doha südwestlich von Bethlehem wurde am Montag eine 24jährige Frau von israelischen Soldaten erschossen, als sie ein Gebäude betreten wollte, das zuvor geräumt worden war. In Labdia östlich der Stadt tötete israelisches Militär einen 29 Jahre alten Mann in seinem Auto, der von Bethlehem in das Dorf Abedia unterwegs war, offenbar in Unkenntnis, daß die Armee die Ortschaft in der Nacht besetzt hatte. Nach Angaben eines Militärsprechers töteten israelische Soldaten zwei Palästinenser, die angeblich in eine jüdische Siedlung im Gazastreifen eindringen wollten. Palästinensische Ärzte und Sicherheitskräfte sagten dagegen, die Armee habe das Feuer auf zwei palästinensische Sicherheitsbeamte eröffnet.

Am Montag gewährte Israel erstmals Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) Zutritt zum Flüchtlingslager Dschenin. Drei Gruppen der Hilfsorganisation seien in Begleitung der israelischen Armee im Camp, um dort Verletzten zu helfen und die genaue Zahl der Toten zu ermitteln, teilte eine IKRK-Sprecherin am Montag mit. Die Palästinenser werfen Israel vor, in Dschenin ein Massaker an bis zu 500 Menschen verübt zu haben.

Palästinenserpräsident Yassir Arafat stimmte einem Vorschlag des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon für eine regionale Friedenskonferenz grundsätzlich zu. Allerdings müsse Israel zuvor seine Truppen aus den Autonomiegebieten abziehen. US-Außenminister Colin Powell reiste am Montag nach Libanon und Syrien. Er forderte in Beirut das sofortige Ende der Grenzgefechte zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und israelischen Soldaten. Kurz nach seiner Rückkehr nach Tel Aviv erklärte Powell, die Anwesenheit von Arafat bei einer regionalen Nahostkonferenz sei »nicht erwünscht«.

Am Montag nachmittag berichtete das israelische Fernsehen, die israelische Armee habe Marwan Barghuti - einen engen Vertrauten Arafats und Anführer der Fatah-Bewegung im Westjordanland - festgenommen.

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