PR-Profi Jamie Shea, während des Krieges
gegen Jugoslawien Sprecher der NATO, sieht den Journalisten als
»Soldat« im Meinungskrieg. Kampfauftrag der vierten Waffengattung:
Vernebelung und Eroberung der Köpfe. Die israelische Armee hat es nicht
leicht. Aus dem palästinensischen Flüchtlingslager Dschenin kommen
Erdbebenbilder, Verwesungsgeruch und internationale Fassungslosigkeit.
Presseoffiziere müssen Überstunden schieben, damit aus der
Liquidierung des palästinensischen Widerstands kein mediales Waterloo
wird.
Die hiesigen Meinungssoldaten werden erfolgreich munitioniert.
»Sicherheitsgründe« hätten die »Israelischen
Verteidigungskräfte« (IDF), wie die Besatzerarmee euphemistisch
genannt wird, »gezwungen«, Journalisten und Rettungskräfte
über zwei Wochen hinweg den Weg in die besetzten
Palästinenserstädte zu versperren. Der Dschihadistenterrorist
könnte sich ja, bevor ihn ein IDF-Bauchschuß tödlich traf,
einen Bombengürtel umgebunden haben, die verwesende Leiche mithin
Sprengfalle sein. So oder so ähnlich begründete etwa
ARD-Korrespondent Peter Dudzik in den letzten Tagen die Journalistensperre der
israelischen Armee in Dschenin. Als sich die Armee kurzzeitig
zurückgezogen und Pressevertretern Einlaß in das Lager gewährt
habe, »haben Palästinenser die Situation ausgenutzt und 500
Sprengfallen an der Straße entlang gelegt«, wußte Dudzik am
Donnerstag abend in der Tagesschau dem Zuschauer über die Gefahren eines
aufrechten Journalisten zu berichten - so überzeugend, als hätte der
ARD-Kollege die Bombenleger bei der Arbeit persönlich gesehen und die
Minen gezählt. Wer die irrsinnige Meldung produzierte, sagte Dudzik nicht.
Die »Information« kam vom Pressestab der israelischen Armee, wie
das ARD-Studio in Tel Aviv am Freitag auf jW-Nachfrage einräumte. Dudzik
selbst war nicht zu sprechen. Noch Fragen? Israels Meinungssoldat beim
deutschen Staatsfernsehen ist telefonisch unter 0097235628995 zu
erreichen. |