Die USA, so der saudiarabische Kronprinz Abdullah
gegenüber US-Präsident Bush, würden »ernste
Konsequenzen« für ihre Interessen im Nahen Osten riskieren, setzten
sie die Unterstützung für das militärische Vorgehen Israels
gegen die Palästinenser fort. Das ist eine deutliche Aussage, die
präzis den Kern des gegenwärtigen amerikanisch-saudischen
Verhältnisses trifft. Sie enthält das Angebot: Saudi-Arabien
stünde auch weiterhin für die Interessen der USA in der Region ein,
sollte Washington Israel zu einem Ausgleich mit den Palästinensern
zwingen.
Um welche Interessen kann es sich dabei handeln? Das Öl
als Waffe zu benutzen, hat der Kronprinz definitiv ausgeschlossen. Bleibt das
bekanntlich vordringliche Interesse der USA, den Irak militärisch
niederzuringen. Hingegen besteht in Übersee kein Interesse daran, sich
durch den Überfall auf ein arabisches Land die Feindschaft der arabischen
Staatenwelt zuzuziehen. Doch den Bemühungen zur Reaktivierung der alten
Golfkriegsallianz unter arabischer Beteiligung war bislang nur
mäßiger Erfolg beschieden. Der Irak hat diesmal kein arabisches Land
annektiert. Das macht es den Ölscheichs und den Kompradoren-Bourgeois
bedeutend schwerer, sich der arabischen Solidarität mit dem Irak zu
entziehen.
Den Hauptgrund für den Mangel an arabischer
Unterstützung der US-Interessen gegenüber Irak aber liefert Scharons
Krieg. Israel als strategischer Verbündeter der USA ist offenbar nicht
gewillt, sich den Interessen der Führungsmacht unterzuordnen. Damit hat es
Washington in eine Situation gebracht, die ihm ein deutlich
propalästinensisches Engagement abverlangen würde, wollte es sich
seiner arabischen »Freunde« auch weiterhin sicher sein. Doch dazu
ist Bush ebensowenig bereit, wie Scharon bereit ist, den saudischen
Friedensplan zu akzeptieren.
Aber vielleicht handelt das israelische
Kriegskabinett gerade deshalb so und nicht anders. In ständiger Furcht vor
einem arabisch-amerikanischen Kompromiß will Israel Fakten schaffen, die
einem solchen von vornherein den Boden entziehen. Ist die Autonomiebehörde
einmal zerstört, die palästinensische Infrastruktur vernichtet, die
Bevölkerung ihrer Existenzgrundlagen beraubt, gibt es auch keine
Grundlagen für eine Zweistaaten-Lösung mehr. Was dieses
mörderische Kalkül unberücksichtigt läßt, ist der
subjektive Faktor eines unterdrückten Volkes, dessen Existenz als Nation
in seinem Bewußtsein beruht.
Daß ein befehlsgewohnter
US-Präsident gegenüber Israel keine Machtworte findet, ist nur aus
der mentalen Verfassung dieser Administration erklärbar. Weil sie selbst
eine Politik der verbrannten Erde betreibt, kann und will sie sich der
Faszination der israelischen Gewaltpolitik nicht entziehen. |