Ziele und Methoden der israelischen
Kriegsführung Wenn Ariel Scharon seine Absichten als militärischen
Operationsbefehl formulieren sollte, wie er es in der Armee zu tun pflegte,
statt sich hinter einer künstlichen Nebelwand zu verstecken, dann
würde dies so lauten:
1. Ziele: Die zionistische Revolution zur
Vollendung bringen, indem ganz »Erez Israel« vom Meer bis zum
Jordan in einen jüdischen Staat verwandelt wird - mit einem Minimum von
nicht-jüdischen Bewohnern - wenn überhaupt welchen.
2.
Information: Der Unabhängigkeitskrieg von 1948 war abgebrochen worden,
bevor er sein Ziel erreicht hatte. Der Staat Israel war nur auf 78 Prozent des
Landes errichtet worden, so daß nur 64 Prozent der palästinensischen
Bevölkerung entfernt wurden. Im Sechstagekrieg von 1967 wurden die
restlichen 22 Prozent des Landes erobert. Den folgenden israelischen
Regierungen fehlte es aber an der nötigen Willenskraft, die zionistische
Revolution abzuschließen, die Gebiete zu annektieren und die übrige
Bevölkerung zu entfernen.
Im Augenblick gibt es eine günstige
Gelegenheit, um dieses Werk zu vollenden. Es gibt nur eine Großmacht -
die USA. Die andern Mächte - die UNO, Europa, Rußland und andere -
sind in der Tat praktisch irrelevant.
Die USA gewähren uns
grenzenlose und unbeschränkte Unterstützung. Man kann nur hoffen,
daß dies auch fortgesetzt wird, wenn wir bei der Verfolgung unserer Ziele
harte Methoden anwenden. Die Erfahrung zeigt, daß selbst wenn sich in der
US-Verwaltung jemand der Erfüllung unserer Ziele widersetzt, sein
Widerstand zusammenbricht, wenn er mit unserm festen Stand (z.B.
»Operation Schutzschild«) konfrontiert wird. Unsere Kontrolle
über beide Häuser des Kongresses und unser ausschlaggebender
Einfluß auf den größten Teil der amerikanischen Medien
garantiert uns Handlungsfreiheit.
3. Methoden: Mit folgenden Methoden
werden wir vorangehen, die gleichzeitig ausgeführt werden:
a)
Militärische Operationen, um den palästinensischen Widerstand zu
brechen.
b) Wirtschaftlicher Druck, um eine massive arabische
Auswanderung zu verursachen.
c) (Vermehrte) Siedlungstätigkeit, um
die Gebiete zu zerteilen und sie für die Annexion durch Israel
vorzubereiten.
d) Politische Aktionen, um die palästinensischen
politischen und sozialen Institutionen zu zerstören
4.
Ausführung:
a) Militärische Operationen: Diese werden ohne
Unterbrechung durchgeführt. Die ganze Armee, einschließlich der
Reserveeinheiten, wird für diese Aufgabe eingesetzt, selbst dann, wenn
dies eine Schwächung unserer Abwehrbereitschaft gegenüber den
arabischen Staaten und eingeschränktes Training zur Folge hat.
Die
IDF (Israelische Verteidigungsarmee) wird die palästinensischen Gebiete
besetzen, wenn nötig für längere oder kürzere Zeit, um alle
militanten Palästinenser, die Widerstand gegenüber unserer Politik
organisieren könnten, gefangenzunehmen oder zu exekutieren. Zu diesem
Zweck wird kein Unterschied zwischen Terroristen und politischen Führern
gemacht, auch nicht zwischen bewaffnetem und zivilem Widerstand oder zwischen
Hamas und Fatah. Maximale Zerstörung von Eigentum wird Abschreckung
verursachen. Das wird solange wiederholt, bis jedes Aufflackern von Widerstand
erlischt.
Unsere Aktionen werden unvermeidlich die Motivation für
Terroristen, Selbstmordattentate in Israel auszuführen, wachsen lassen.
Genau dies wird uns - in der internen wie in der internationalen Arena - die
Gründe für unsere militärische Aktion liefern, die dann als
Re-Aktion angesehen wird.
Die IDF wird eine zentrale Rolle bei der
Ausübung des wirtschaftlichen Druckes - wie folgt - übernehmen.
Man muß sicher gehen, daß kein Offizier, der nicht mit
voller Überzeugung diese Aufgabe unterstützt, einen führenden
Posten erhält. Um diese historische Mission zu erfüllen, sind
Härte und Grausamkeit nötig. Hier ist kein Platz für Weichlinge.
b) Wirtschaftlicher Druck: Eine Massenvertreibung wie 1948 kann nur
unter bestimmten Umständen geschehen, wie z.B. bei einem in vollem Gange
befindlichen Krieg oder bei einem ungewöhnlichen internationalen Ereignis,
das alle Aufmerksamkeit auf sich lenkt.
Bis dies geschieht, müssen
die Palästinenser auf Grund des wirtschaftlichen Druckes, der ihr Leben
unerträglich macht, dahin gebracht werden, das Land zu verlassen.
Die IDF-Aktionen werden die Palästinenser in kleine Enklaven
einschließen, wo sie eine Art begrenzte lokale Selbstverwaltung erhalten,
die uns von jeder formellen Verantwortung für ihre Situation befreit.
c) Siedlungsaktivitäten: Dies ist ein zentrales Mittel, um die
historische Aufgabe zu erfüllen. Trotz der Tatsache, daß alle
Regierungen seit 1967 dies verstanden und danach gehandelt haben, ging es zu
langsam voran.
Die bestehenden Siedlungen müssen erweitert und
neue mit allen nur möglichen Mitteln erstellt werden. Das Netzwerk von
Umgehungsstraßen muß schnell erweitert werden, um
palästinensische Städte und Dörfer voneinander zu trennen, mehr
Land den Siedlungen einzugliedern und unsere Kontrolle über den Boden
abzusichern. All dies muß nach dem bestehenden Strategieplan
ausgeführt werden, damit palästinensische territoriale
Kontinuität verhindert und die wirtschaftliche Blockade enger gezogen
wird.
d) Politischer Druck: Die palästinensische Führung zu
brechen, ist ein Hauptanliegen der ganzen Kampagne. Um die
Widerstandsfähigkeit der Palästinenser zu zerstören, muß
die zentrale Führung, besonders Yassir Arafat, die einigende Symbolfigur
und der starke Führer, eliminiert werden. Deshalb müssen alle
Propagandabemühungen auf Arafat persönlich konzentriert werden.
Arafat wird physisch ausgeschaltet, sobald es die internationale Situation
erlaubt.
Zur selben Zeit müssen Machtkämpfe zwischen
palästinensischen Führern zweiten Ranges ermutigt werden, damit ein
Führungsvakuum entsteht, wie es 1948 bestand.
All dieser Druck -
sei er militärisch, wirtschaftlich, politisch und durch die Siedlungen -
muß verstärkt werden, bis die Situation der Palästinenser so
unerträglich wird, daß sie es vorziehen, nach Jordanien zu gehen.
Falls sich eine historisch günstige Gelegenheit für eine
Massenvertreibung anbietet, werden wir schnell handeln.
Die
israelischen Araber sind ein besonderes Problem, da man ihnen -
irrtümlicherweise - die israelische Staatbürgerschaft gegeben hat.
Dieses Problem erfordert eine besonders gut überlegte Lösung,
entsprechend unseren Hauptzielen.
* Der Autor ist Träger des
Carl-von-Ossietzky-Preises der Stadt Oldenburg und aktiv in der israelischen
Friedensbewegung Gush Shalom.
(Übersetzung: Ellen Rohlfs) |