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Kaum wurde die Spitze des
Eisberges an Vorwissen zu 9-11 sichtbar, werden wir weltweit mit
Terrorwarnungen überhäuft. Sogar Österreich wird einbezogen,
denn hierzulande sollen sich, so eine Schlagzeile der "Kronen Zeitung" vom 23.
Mai, Bin Laden-Männer aufhalten. Das Innenministerium reagiert hingegen
cool und sieht in den Warnungen ein politisches Manöver. Und im ORF war,
wohl eher unbeabsichtigt, einmal ein Stück Information über
Desinformationen zu sehen, nachdem der Autor Jürgen Roth interviewt wurde.
Er machte klar, dass er Warnungen und Andeutungen nur dann ernstnimmt, wenn sie
vom russischen FSB oder vom israelischen Mossad stammen, nicht jedoch, wenn
etwa die CIA als Quelle genannt wird.
Roths Aussagen, die von
viel Beschäftigung mit der Materie kunden, werden zwar hiesige
Journalisten nicht daran hindern, Desinformationen zu verbreiten, aber doch
manche MedienkonsumentInnen zu Nachdenken und Skepsis bewegen. Eigentlich ist
die momentane Kampagne ja so einfach gestrickt, dass nicht viel Expertenwissen
dazugehört, um sie zu durchschauen. Ich kann mir auch nicht vorstellen,
dass jemand das ebenfalls zur Dramaturgie gehörende neue Bin Laden-Video
ernstnimmt. Ausser Medien wie "News", die stets in den Chor amerikanischer
Desinformationskampagnen einstimmen. Für Laien schwerer verständlich
sind hingegen manch kritische Töne, die von Leuten an der Leine der USA in
Kommentaren und dergleichen geäussert werden. Das scheint der Annahme zu
widersprechen, dass diese Personen im Dienst der Vereinigten Staaten stehen,
weil sie ja scheinbar Kritik üben. Tatsächlich hat man so aber auch
die Gegenbewegungen voll unter Kontrolle und kann dafür Sorge tragen, dass
Kritik keine Bedeutung erlangt, sondern schwach und verwässert bleibt.
US-Präsident Bush
war ja in Berlin, und ebendort schrieb Mathias Bröckers auch an der XLV. Folge seiner WTC-Conspiracy, mit einem "etwas
mulmigen Gefühl". Denn die Stadt gleicht schon vorher einem
Hochsicherheitstrakt, in dem nach mutmasslichen Al Qa'ida-Leuten oder
BushgegnerInnen gefahndet werden könnte. Und, sinniert Bröckers
weiter, ein kleinerer Anschlag könnte die europäischen Staatschefs
doch auf Linie bringen, was das nächste Terrorkriegsziel Irak betrifft. An
den Haaren herbeigezogen? - Nein, denn diesen Gedanken hatte ich auch, als ich
von der nüchternen Reaktion des österreichischen Innenministers in
Sachen Terrorwarnungen hörte. "Bush führte Europa die Terrorgefahr
drastisch vor Augen", kommentiert der ORF, und interviewt den deutschen
Kanzler, der meint, es lägen keine konkreten Pläne vor, den Irak
anzugreifen.
Bröckers sieht
jedenfalls in den plötzlichen Terrorwarnungen ein Ablenkungsmanöver,
damit nicht zu sehr über das 9-11-Vorwissen der amerikanischen Regierung
recherchiert wird. Wobei abseits des Medien-Mainstreams, in dem ja einige
scheinbar ganz und gar unabhängig Bush-freundliche Journalisten auf der
payroll der CIA stehen, dies ohnehin schon seit Beginn akribisch dokumentiert
wurde. Selbstverständlich werden derlei Enthüllungen auch heute nicht
vom Mainstream aufgegriffen. Es geht ja darum, das mitzutragen, was bei
Geheimdiensten "limited hangout" heisst - nur das zugeben, was zugegeben werden
muss, dadurch weiterhin zudecken, was - noch - geleugnet werden kann. Solche
Eingeständnisse haben meist den Effekt, die Öffentlichkeit zu
beruhigen, weil an sich Logisches bestätigt wird. Schliesslich wird
niemand ernsthaft angenommen haben, dass der riesige Apparat der amerikanischen
Geheimdienste, der quasi die Bewegungen jeder Maus registriert, von den
Vorbereitungen einer so komplexen Operationen wie 9-11 absolut nichts
mitgekriegt haben soll.
Zwei Zugänge zum
Vorwissen zeichnen sich ab, die jedoch nicht unbedingt einen Widerspruch
darstellen müssen: die einen - wie Michael C. Ruppert und Michel
Chossudovsky - leiten u.a. aus der Tatsache, dass vom pakistanischen
Geheimdienst Geld an den "ringleader" der Terroristen, Mohammed Atta,
überwiesen wurde, eine Beteiligung des amerikanischen Geheimdienstes ab.
Dabei spielt nicht nur eine Rolle, dass der pakistanische von diesem als
Zwischenstation verwendet wurde etwa bei der Aufrüstung und
Instrumentalisierung der Mujahedin in Aghanistan, sondern auch, dass Bin Laden
im Juli 2001 im Spital in Dubai Besuch u.a. von der CIA bekommen hat.
Und dass das
Insidertrading mit Aktien um 9-11 ebenfalls mit dem amerikanischen Geheimdienst
zusammenhängt. Ruppert schliesslich hat am ausführlichsten
darüber berichtet, was der Ende 2000 unter einem Vorwand in Kanada
verhaftete US-Marinegeheimdienstler Mike Vreeland
aussagte. Er warnte die CIA nämlich auch brieflich vor
Terroranschlägen und verwendete dabei die Formulierung "let one happen,
stop the rest!", was eine vollständige Infiltrierung terroristischer
Zellen voraussetzt, sodass sich fragt, wieweit diese überhaupt noch
autonom und nicht als Instrument von Geheimdiensten agieren. Dazu kommt, dass
jener Mann, welcher Geld an Mohammed Atta sandte, auch für die
Entführung und Ermordung des amerikanischen Journalisten Daniel Pearl
verantwortlich gemacht wird, der über Verbindungen zwischen Terrorismus
und Geheimdiensten recherchierte.
Der zweite Zugang geht
ebenfalls von einer Unterwandung von Terrorgruppen aus, die jedoch durch den
israelischen Mossad erfolgt sei, der wiederum die Amerikaner sehr konkret
gewarnt haben soll. Bröckers verweist hier auf den irischen
Geheimdienst-Newsletter "Globe Intel", dessen Meldung ich
mir dann auch mal näher angesehen habe. Beim Verfasser Gordon Thomas denke
ich an das "Gideon's Spys"-Buch, in dem er Enthüllungen über den
Mossad macht, die jedoch nicht immer das richtige Bild von geheimdienstlicher
Beteiligung an politischen Ereignissen zeichnen.
In einer Welt auch der
gegenseitigen Täuschungen und der Doppel- und Dreifachagenten sowie der
unterschiedlichen Interessen ist es auch Ansichtssache, wer sich gerade mehr
durchsetzt. Deshalb existieren Einschätzungen nebeneinander, die sich
eigentlich widersprechen: so meinen manche, die USA seien gar nicht die
Supermacht, sondern liessen sich von Israel manipulieren. Andere wiederum sehen
die Briten - immer noch nach kolonialen Zeiten - als dominanten Einfluss. Dazu
gehört jeweils auch eine entsprechende Rolle von Mossad bzw. britischen
Geheimdiensten.
Gordon Thomas schreibt
jedenfalls, dass Premierminister Sharon eben authorisiert hat, dass
Geheimdokumente veröffentlicht werden, wonach amerikanische Geheimdienste
vor 9-11 Warnungen erhalten haben. Nun befindet sich Bush mitten in der
"Wieviel wusste er?"-Debatte, und die Aufmerksamkeit ist abgelenkt von einer
Kritik am Vorgehen Israels in den Palästinensergebieten. Die Spitzen des
Mossad beharren darauf, dass der Geheimdienst Bin Ladens Terroristen in den USA
verfolgte und dass diese Information auch an die CIA weitergegeben wurde. Dies
geschah bei fünf Gelegenheiten, und am 24. August hiess es, dass
Terroristen planten, kommerzielle Flugzeuge zu entführen und als Waffe
für Angriffe auf Symbole der amerikanischen und israelischen Kultur zu
verwenden. Diese Warnungen wurden vom deutschen Bundesnachrichtendienst
bestätigt. - Wir erinnern uns: im August schrieb Mike Vreeland an die CIA
"let one happen, stop the rest!".
Die Mossad-Warnung ging
ebenfalls an den britischen MI 6, der sie zu verifizieren versuchte und dann an
die CIA weiterleitete. Weil die CIA keine Warnung ernstnahm, schaltete der
Mossad schliesslich russische Geheimdienste ein, die wiederum die USA so
deutlich wie möglich vor unmittelbar bevorstehenden Anschlägen
warnten. Inzwischen ist bekannt, dass die Bush-Administration eine Woche vor
den Anschlägen das FBI davon abhielt, sich weiter mit zwei engen
Verwandten von Bin Laden zu befassen, die im Bundesstaat Virginia leben. Und
wir wissen, dass der stellvertretende FBI-Chef John O'Neill seinen Dienst
quittierte, weil er die Spuren von Bin Laden nie richtig verfolgen durfte. Er
wurde dann Sicherheitschef im World Trade Center, in dessen Trümmern er
ums Leben kam.
Nach den nun
veröffentlichten Dokumenten überwachte der Mossad manche der
9-11-Attentäter rund um die Uhr. Schliesslich hatte eine Handvoll Agenten
die Al Qa'ida-Organisation infiltriert, während 120 andere unter der
Legende, Kunststudenten zu sein, überall in den USA Operationen
lancierten. Nach anderen Informationen u.a. von der amerikanischen Drug
Enforcement Agency trainierten zwei Mossad-Zellen, die aus sechs im Jemen und
in Ägypten geborenen Juden bestanden, in der Negev-Wüste die
Unterwanderung von Al Qa'ida. Ein Team begab sich dann nach Amsterdam, wo die
Europa-Station des Mossad im El Al-Bereich im Flughafen Schipol untergebracht
ist, und nahm dann in Hamburg Kontakt zu Mohammed Atta auf. Das andere Team ist
nach New York geflogen und reiste dann nach Florida, wo es Bin Ladens
Organisation infiltrierte.
Im August reiste dann das
andere Team mit den Hamburger Terroristen nach Boston, und nun war dem Mossad
klar, dass ein Anschlag unmittelbar bevorsteht. Für CIA-Chef George Tenet
waren die Warnungen des Mossad aber zu unspezifisch. Naja, bekannt ist, dass
der israelische Geheimdienst nicht unbedingt konkret informiert und auch nicht
immer glaubwürdige Infos gibt, aber in einem derart gravierenden Fall?
Warum hat die CIA die "zu unspezifischen" Warnungen nicht verifiziert, indem
etwa der pakistanische Geheimdienst konsultiert wurde, über den ja auch
die Mujahedin-Operationen und der bewaffnete islamische Fundamentalismus
liefen? Warum war im Gegenteil der damalige Chef des ISI in der Woche der
Anschläge zu Gast in den USA, obwohl er über einen Mittelsmann Geld
an Atta überwiesen liess? Warum plauderte Vizeaussenminister Richard
Armitage am 12. und 13. September mit dem pakistanischen General, wie wenn
nichts geschehen wäre?
Schliesslich: warum
stellte die CIA nicht die frappierende Übereinstimmung zwischen Warnungen
von Mossad, BND und dann auch den Russen mit dem Brief von Mike Vreeland fest?
Fragt man/frau sich da nicht, ob der Mossad eine Terroristengruppe unterwandert
hat, die selbst über Pakistan an der Leine der USA hing? Immerhin glaubten
auch arabische Terroristen, die vermeintlich etwas gegen den "Feind" Israel
unternahmen, oft fälschlich, dass nicht der Mossad ihr wahrer Auftraggeber
ist. Kann es bei Atta und Co. nicht ebenso gewesen sein, bezogen auf die CIA?
Vielleicht gibt das Verhalten der
US-Regierung am 11. September eine Antwort, wo Präsident Bush
nicht einmal nachfragte, als ihn ein Mitarbeiter informierten und wo er, von
Medien darauf angesprochen, erstmal wie geplant in eine Grundschule in Florida
ging, um erst später Stellung zu nehmen. Klar, ist ja auch nichts
Überraschendes passiert, sondern nur was Geplantes durchgeführt
worden, oder?! - Siehe übrigens u.a. 5. November und
15.
November bei uns, wobei wir sehr viel zur Frage des Vorwissens
geschrieben haben.... |