Die von der Chefanklägerin des Haager
Tribunals, Carla del Ponte, aufgebotenen Zeugen haben den gegen Slobodan
Milosevic ausgesprochenen Verdacht, Kriegsverbrechen begangen zu haben, eher
zerstreut als erhärtet. Was sie auch immer zu erzählen wußten,
Beweise für ihre Behauptungen konnten sie nicht erbringen. Auch der
deutsche NATO-General Klaus Naumann machte da keine Ausnahme. Obwohl er mit dem
bisher schwersten Geschütz aufgefahren war. Er meint sich nämlich zu
erinnern, daß der frühere jugoslawische Präsident ihm
gegenüber einen Massenmord an den Albanern angekündigt habe. Die
Lösung der albanischen Frage stehe demnächst an, soll Milosevic
gesagt haben. »Wir machen es so, wie wir es in Drenica 1945/46 gemacht
haben«. Zur Erläuterung habe Milosevic hinzugefügt: »Wir
haben sie (die Albaner) zusammengetrieben und erschossen«.
Das
erzählt er so, der deutsche General. Weil das exakt zu der Behauptung
paßt, daß die Militärintervention der NATO die Verhinderung
eines Genozids bezweckt habe. Zur Erinnerung: Am Vorabend des Bombenkrieges
hatte die jugoslawische Seite verzweifelt versucht, die Welt von ihrer Absicht,
das Kosovo-Problem einer friedlichen Lösung zuzuführen, zu
überzeugen. Unter anderem hat sie einen Plan zur demokratischen
Selbstverwaltung der multinationalen Provinz vorgelegt, der von den
Interventionsmächten kalt lächelnd beiseite geschoben wurde.
»Der Hahn ist gespannt, die Uhr läuft, Sie haben noch 48 Stunden
Zeit«, zitierte der deutsche Balkankrieger die Worte, die er an Milosevic
gerichtet habe. Angesichts dieses Ultimatums, die »Gewalt im
Kosovo« zu stoppen, weil sonst »die Hunde von der Leine gelassen
werden«, soll Milosevic seinen Gewaltphantasien freien Lauf gelassen
haben. Ausgerechnet Milosevic, den sie doch ansonsten einen Weltmeister der
Täuschung nennen. Die Signora aus dem Tessin muß sich in
großen Schwierigkeiten befinden, wenn sie Naumanns »Erinnerungen an
Milosevic« zur Stützung ihrer Anklage benötigt. |