Ted Turner, Dollarmilliardär und
Gründer des Nachrichtensenders CNN, hat am Dienstag Israel des
Staatsterrorismus gegen die Palästinenser beschuldigt. »Ist es nicht
so, daß sich Israelis und Palästinenser gegenseitig
terrorisieren?« sagte Turner, derzeit Vizepräsident des
US-Medienkonzerns AOL-Time Warner, zu dem auch CNN gehört, in einem
Interview mit dem britischen Guardian. »Die Palästinenser
kämpfen mit menschlichen Selbstmordbombern, weil das alles ist, was sie
haben.
Die Israelis verfügen dagegen über eine der
mächtigsten Kriegsmaschinen der Welt. Die Palästinenser haben nichts.
Wer sind also die Terroristen? Für mich gilt, daß beide Seiten
Terrorismus betreiben.« Für Ted Turner, der im Jahre 1997 den
Vereinten Nationen eine Milliarde Dollar gespendet hat, liegen die Ursachen der
palästinensischen Selbstmordattentate in der Verzweiflung und Armut der
Palästinenser.
Von einer ganz unerwarteten Seite erhielten die
Palästinenser am Dienstag öffentliche Sympathiebezeugungen für
ihren Kampf gegen die brutale Unterdrückungspolitik der israelischen
Besatzungsmacht. Cherie Blair, Juristin und Frau des britischen
Premierministers Tony Blair, hatte auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung
zugunsten medizinischer Hilfe für Palästinenser in London indirekt
Verständnis für junge Palästinenser angedeutet, die sich zu
Selbstmordanschlägen bereitfinden. »Solange es junge Leute gibt, die
keine andere Hoffnung haben, als sich in die Luft zu jagen, kann es keinen
Fortschritt geben«, erklärte sie.
Wie die sofortigen
wütenden Reaktionen zionistischer Lobbys in den USA und der Vertreter der
Scharon-Regierung in Israel deutlich machten, haben sowohl Ted Turner als auch
Cherie Blair mit ihren Äußerungen in ein Wespennest gestochen.
Andrea Levin, Direktorin von »CAMERA«, einer proisraelischen
Vereinigung zur Überwachung der amerikanischen Medien, verurteilte Ted
Turners Ansichten als »einen widerlichen Versuch, die Grenze zwischen
Tätern und Opfern zu verwischen«, während Vertreter der
Scharon-Regierung den CNN-Gründer einfach als »dumm«
bezeichneten. Auch Cherie Blair kam unter heftigen Beschuß, so daß
ihr Mann Tony mit einer
»Was-meine-Frau-wirklich-sagen-wollte-Erklärung« eingriff.
Eine Sprecherin von Cherie Blair sagte anschließend: »Falls die
Interpretation der Bemerkungen von Mrs. Blair Kränkung verursacht hat,
bedauert sie das natürlich sehr.« Selbstverständlich verurteile
Mrs. Blair das jüngste Selbstmordattentat in Israel. Am Morgen waren bei
einem Selbstmordanschlag auf einen Bus in Israel 20 Menschen getötet
worden.
Als Reaktion darauf glaubt die israelische Regierung, nun sei
die Zeit reif, einen bereits seit langem gehegten Plan in die Tat umzusetzen
und führende palästinensische Politiker aus ihrer Heimat zu
vertreiben. Polizeiminister Usi Landau hatte gefordert, die gesamte
palästinensische Autonomiebehörde zu stürzen und sämtliche
politischen Führer der Palästinenser auszuweisen. Nach einem Bericht
des israelischen Rundfunks vom Mittwoch will man jedoch aus Angst vor den
internationalen Reaktionen vorerst von der Ausweisung Yassir Arafats absehen.
Dafür hat inzwischen die Scharon-Regierung entschieden, die autonomen
Palästinensergebiete wieder zu besetzen und so lange besetzt zu halten,
bis der »Terrorismus« gegen Israel aufhört. |