Mit offensichtlicher Genugtuung meldete am Montag
die israelische Tageszeitung Haaretz, daß »der mächtige
Nachrichtensender CNN im jüngsten Streit über seine anti-israelischen
Vorurteile unterliegt«. Noch letzte Woche hatte CNN-Gründer Ted
Turner die Operationen der israelischen Soldateska in den besetzten
Palästinensergebieten als »staatlich sanktionierten
Terrorismus« bezeichnet. Daraufhin hatte sich in den zionistischen Lobbys
in den USA eine Welle der Empörung erhoben. Zugleich wurden in Israel
Pläne bekannt, CNN einfach abzuschalten. Die Betreiberfirma des
YES-Satelliten, über den das amerikanische Programm in Israel ausgestrahlt
wird, wollte den Sender bereits vom Netz nehmen, als ein CNN-Vorstandsmitglied
einen Blitzbesuch in Jerusalem machte, um die Wogen zu glätten.
Daraufhin begann CNN bereits am letzten Wochenende überraschend
mit der Ausstrahlung einer bis dahin offensichtlich nicht vorgesehenen,
fünfteiligen Serie über israelische Opfer palästinensischer
Selbstmordattentäter. Die Serie ist so proisraelisch, daß sie selbst
im Artikel der Ha´aretz als Promotion bzw. Public-Relations-Serie
bezeichnet wird.
Von einer weitaus intensiveren Selbstzensur und
Unterwerfung der »freien« amerikanischen Presse unter die
propagandistischen »Erfordernisse« des »Kriegs gegen den
Terror« der Bush-Regierung zeugen jüngste Entwicklungen in den USA,
von denen die »Freelancer«, die »freien Mitarbeiter«,
besonders hart betroffen sind. All jene, die sich dem Druck zur
nationalistisch-stereotypen Berichterstattung nicht unterwerfen, müssen
darauf gefaßt sein, daß ihre Arbeiten zurückgewiesen werden.
Oder aber, im schlimmsten Fall, einfach gefeuert werden. Letzten Monat hatte
sich Dan Rather, einer der wohl bekanntesten Fernsehmoderatoren Amerikas, mit
einem Kommentar dazu einer heftigen Kontroverse ausgesetzt. Nachdem er gesagt
hatte, daß der Patriotismus, der das Land überflutet, die Medien
dazu verleiten würde, der politischen Führung Amerikas keine
schwierigen Fragen mehr zu stellen, wurde er von allen Seiten angegriffen.
Dabei hatte er eingestanden, daß er sich ebenfalls bereits solcher
Selbstzensur schuldig gemach habe.
»Leser und Anzeigenkunden
üben einen enormen Druck auf uns aus, damit wir am patriotischen Strang
ziehen, so wie sie ihn definieren«, beschreibt Steve Benson, einer der
führenden politischen Cartoonisten der USA, die Situation. Wütende
Leser haben bereits wiederholt die Redaktionsstuben von Zeitungen
gestürmt, die seine kritischen Zeichnungen über Bushs Terrorpolitik
veröffentlichten. Clay Bennett, der bereits mit dem Pulitzerpreis, einer
der begehrtesten Presseauszeichnungen, geehrt wurde, ist extrem besorgt, wie
die Bush-Regierung im Rahmen ihres »Antiterrorkrieges« die
Bürgerrechte ausgehöhlt hat. »Um die Ecke wartet bereits der
Polizeistaat«, meinte er in einem Interview mit der britischen Zeitung
The Independent. Mit den Worten: »Die Leute beschimpfen mich als
Verräter, und sogar Morddrohungen habe ich bekommen«,
bestätigte Benson die zunehmende Faschisierung der US-amerikanischen
Gesellschaft. Zugleich hat Dennis Pluchinsky, ein hochrangiger
Sicherheitsexperte der Bush-Regierung, den amerikanischen Medien vorgeworfen,
sie würden in die Hände der Terroristen spielen, denn das, was sie
täten, käme dem Tatbestand des Hochverrats gleich. |