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13.07.2002 Faten Mukarker, Beit Dschala Junge Welt
»Mein Haus ist mein Gefängnis geworden«
Leben unter der Ausgangssperre. Ein Brief aus Palästina
 
Der Müll vor dem Haus häuft sich zu einem Berg an. Die Müllabfuhr war schon seit Tagen nicht mehr da. Vielmehr seit zum letzten Mal die Ausgangssperre aufgehoben war. In unserer Nachbarschaft befinden sich ein Metzger und ein Mann der Hühner schlachtet. Die Hitze dazu macht den Rest. Ein übler Gestank, der sich ausbreitet, sobald man das Fenster öffnet. Und so beschäftigt mich die Frage, werde ich an dem beißendem Geruch ersticken oder wegen der brodelnden Hitze, die im Haus bei geschlossenen Fenstern herrscht? Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Es ist das erste Mal, daß so viele Tage vergangen sind, ohne daß wir raus durften. Ich muß an Gefangene in einem Gefängnis denken, die mindestens einmal am Tag auf einen Hof dürfen, um frische Luft einzuatmen und sich die Beine zu vertreten. Ich spaziere von einer Wand zur anderen, auf und ab und ab und auf. Mein Haus ist mein Gefängnis geworden, doch ohne Hof.

Die Tage sind lang geworden, nicht mehr so wie im April. Der Uhrzeiger geht so langsam vorwärts, oder kommt es mir nur so vor? Wochentag und Datum gehören nicht mehr zu meiner Welt.

Wie kann Scharon ein ganzes Volk hinter Mauern bringen? Vor den Augen der Welt? Ganz Palästina ist wie ausgestorben, die Straßen menschenleer. Wo sind die Kinderstimmen und das Kinderlachen? Draußen geblieben. Nur die Panzer, die Herrscher über Leben und Tod bewegen sich auf unseren Straßen. Seit dem 19. Juni leben wir unter Ausgangssperre, und ein Ende ist nicht abzusehen. Die Menschen sind am Ende ihrer seelischen, körperlichen und wirtschaftlichen Grenzen angelangt. Gott gib mir Kraft, das alles auszuhalten.

Wir haben einen Todesfall in der Familie. Der Verwandte ist schon mehrere Tage tot, doch man konnte ihn nicht beerdigen - wir warten auf die wenigen Stunden, wo man uns raus läßt. Auch die Hochzeit meiner Cousine wurde schon zweimal verschoben. Beerdigung und Hochzeit haben kein Datum mehr. Alles heißt nur noch, bis zur nächsten Aufhebung der Ausgangssperre. Wir bekommen dadurch westliche Züge. Man fängt an, sich einen Zeitplan vorzubereiten. Ich fange an auszurechnen, ob ich es schaffe, zur Beerdigung, zur Hochzeit, zum Zahnarzt - und das Allerwichtigste - zum Einkaufen zu gehen, bevor die Panzer wiederkehren.

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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.