Die Organisationen der israelischen
Kriegsdienstverweigerer hatten eine hektische Woche. Über tausend Menschen
erschienen am vergangenen Freitag zu einem Solidaritätskonzert aus
Anlaß des 20jährigen Bestehens von »Yesh Gvul«, was
soviel heißt wie »bis hierher und nicht weiter«. Yesh Gvul
ist 1982 aus Protest gegen den Libanon-Krieg entstanden und die älteste
der verschiedenen Organisationen der Verweigerer oder »Refuseniks«,
wie sie in Israel genannt werden. Wie die Sprecher von Yesh Gvul, Peretz Kidron
und Ram Rahat-Goodman, mitteilten, hatten sich einige prominente Sänger,
die ursprünglich ihre Teilnahme zugesagt hatten, im letzten Augenblick
zurückgezogen. Einige gaben offen zu, finanziell mit der Drohung unter
Druck gesetzt worden zu sein, daß andere Engagements abgesagt
würden, sollten sie Yesh Gvul öffentlich unterstützen. Doch
andere meldeten sich und traten an ihre Stelle. Die Show dauerte bis lange nach
Mitternacht. Die Stimmung war ausgezeichnet. Und es gab ziemlich viel
Aufmerksamkeit in den Medien.
Unter den Rednern waren die früheren
Knessetabgeordneten Shulamit Aloni und Mordechai Vershuvsky, die Dichter Natan
Zach und Roni Somek, die Schriftstellerin Alona Kimhi sowie Refuseniks, die
verschiedene Organisationen der Verweigerergemeinde repräsentierten.
Grußbotschaften kamen von Sympathisanten, darunter Daniel Barenboim
(Chefdirigent der Staatskapelle in Berlin), Noam Chomsky (US-Wissenschaftler),
Ronnie Kasrils (südafrikanischer Minister für Wasser- und
Forstwirtschaft und ehemaliger Kommandant des bewaffneten Flügels des ANC)
sowie von Friedensgruppen aus aller Welt.
Gegenwärtig befinden
sich fünf Refuseniks in Haft: Ilan Windholtz, Platon Melinovsky, Sergei
Gornstaj, Guy Hendleman und Itamar Shachar. Die Gruppe Yesh Gvul will in
Verbindung mit »Courage to Refuse«, einer anderen bekannten
Organisation der Refuseniks, am kommenden Sonntag eine Gefängnismahnwache
halten.
Mit einer Kampagne wollen die Refuseniks den
»Rabbi« Shlomo Aviner wegen Aufforderung zum Mord vor Gericht
bringen. Der führende Siedler-Rabbi hatte in einem in Synagogen verteilten
Artikel zu verstehen gegeben, daß ein israelischer Soldat, der sich
weigert, in den besetzten palästinensischen Gebieten Dienst zu tun, von
seinem Kommandeur wegen Verrat exekutiert werden könne. Eine
förmliche Anzeige bei der Polizei markiert den Beginn dieser Kampagne.
Jetzt richten sich die Anstrengungen der Refuseniks auf Generalstaatsanwalt
Elyakim Rubinstein, der dafür zuständig ist, polizeiliche
Ermittlungen anzuordnen.
Eine weitere Organisation der Refuseniks ist
das »Forum in Support of Conscientious Objectors« (Forum zur
Unterstützung der Verweigerer aus Gewissensgründen). Diese mit der
Zeitschrift Challenge verbundene Gruppe versucht auch, die Bewegung zu
verbreitern. So verteilt sie massenhaft Broschüren an israelische
Jugendliche mit dem Titel: »Just say no!« - Sag einfach nein!
* Weitere Informationen: www.yesh-gvul.org/ english.html |