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23.07.2002 Klaus von Raussendorffv Junge Welt
Unterstützung für Kriegsdienstverweigerer
Israel: Solidaritätsaktionen für »Refuseniks«. Siedler-Rabbi ruft zur Exekution auf
 
Die Organisationen der israelischen Kriegsdienstverweigerer hatten eine hektische Woche. Über tausend Menschen erschienen am vergangenen Freitag zu einem Solidaritätskonzert aus Anlaß des 20jährigen Bestehens von »Yesh Gvul«, was soviel heißt wie »bis hierher und nicht weiter«. Yesh Gvul ist 1982 aus Protest gegen den Libanon-Krieg entstanden und die älteste der verschiedenen Organisationen der Verweigerer oder »Refuseniks«, wie sie in Israel genannt werden. Wie die Sprecher von Yesh Gvul, Peretz Kidron und Ram Rahat-Goodman, mitteilten, hatten sich einige prominente Sänger, die ursprünglich ihre Teilnahme zugesagt hatten, im letzten Augenblick zurückgezogen. Einige gaben offen zu, finanziell mit der Drohung unter Druck gesetzt worden zu sein, daß andere Engagements abgesagt würden, sollten sie Yesh Gvul öffentlich unterstützen. Doch andere meldeten sich und traten an ihre Stelle. Die Show dauerte bis lange nach Mitternacht. Die Stimmung war ausgezeichnet. Und es gab ziemlich viel Aufmerksamkeit in den Medien.

Unter den Rednern waren die früheren Knessetabgeordneten Shulamit Aloni und Mordechai Vershuvsky, die Dichter Natan Zach und Roni Somek, die Schriftstellerin Alona Kimhi sowie Refuseniks, die verschiedene Organisationen der Verweigerergemeinde repräsentierten. Grußbotschaften kamen von Sympathisanten, darunter Daniel Barenboim (Chefdirigent der Staatskapelle in Berlin), Noam Chomsky (US-Wissenschaftler), Ronnie Kasrils (südafrikanischer Minister für Wasser- und Forstwirtschaft und ehemaliger Kommandant des bewaffneten Flügels des ANC) sowie von Friedensgruppen aus aller Welt.

Gegenwärtig befinden sich fünf Refuseniks in Haft: Ilan Windholtz, Platon Melinovsky, Sergei Gornstaj, Guy Hendleman und Itamar Shachar. Die Gruppe Yesh Gvul will in Verbindung mit »Courage to Refuse«, einer anderen bekannten Organisation der Refuseniks, am kommenden Sonntag eine Gefängnismahnwache halten.

Mit einer Kampagne wollen die Refuseniks den »Rabbi« Shlomo Aviner wegen Aufforderung zum Mord vor Gericht bringen. Der führende Siedler-Rabbi hatte in einem in Synagogen verteilten Artikel zu verstehen gegeben, daß ein israelischer Soldat, der sich weigert, in den besetzten palästinensischen Gebieten Dienst zu tun, von seinem Kommandeur wegen Verrat exekutiert werden könne. Eine förmliche Anzeige bei der Polizei markiert den Beginn dieser Kampagne. Jetzt richten sich die Anstrengungen der Refuseniks auf Generalstaatsanwalt Elyakim Rubinstein, der dafür zuständig ist, polizeiliche Ermittlungen anzuordnen.

Eine weitere Organisation der Refuseniks ist das »Forum in Support of Conscientious Objectors« (Forum zur Unterstützung der Verweigerer aus Gewissensgründen). Diese mit der Zeitschrift Challenge verbundene Gruppe versucht auch, die Bewegung zu verbreitern. So verteilt sie massenhaft Broschüren an israelische Jugendliche mit dem Titel: »Just say no!« - Sag einfach nein!

* Weitere Informationen: www.yesh-gvul.org/ english.html

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