The American Way of Life In Europa herrscht(e) Krieg. In
Italien ist deswegen der Teufel los. Mehrmals gehen mehr als Hunderttausend
Menschen auf die Straße, um gegen die Gewalt zu protestieren. In Neapel
fliegen Molotow-Cocktails auf das NATO-Hauptquartier Süd; in Jugoslawien
fliegen Kassettenbomben auf Städte und Dörfer, auf Schulen,
Krankenhäuser, Fabriken, Medikamente-Depots, Bauernhöfe. In
Deutschland bleibt es vergleichsweise ruhig. Von Belgrad bis München ist
es nicht weiter als von München nach Rostock, aber so leicht sind die
Deutschen nicht aus der Ruhe zu bringen. Eine verzweifelte Mutter ohne
Parteizugehörigkeit verteilt selbst gedruckte Flugzettel; ein paar
Jugendliche können es nicht lassen, Mahnwachen vor Kirchen zu organisieren
- Kirchen, die selber Mahnmale des 1500-jährigen Völkermords in
Europa sind. Jesus dreht sich im Grabe um, in dem er nicht mehr liegt, weil er
in einen Himmel aufgestiegen ist. Es herrscht Krieg in Europa. Die
gehirngewaschenen Deutschen sind begeistert - dafür. Endlich dürfen
wir beim aktuellen Schlachtfest wieder mit dabei sein, lange genug haben sich
unsere Führer angebiedert - jetzt ist es soweit. Deutsche seelenlose
Automaten sitzen in deutschen Kampfflugzeugen und zerlegen aus 12 km Höhe
mit "chirurgischer Präzision" die Körper jugoslawischer Kinder,
Frauen und Männer. Es macht Spaß, ein Land 50 Jahre
zurückzubomben - am liebsten eigentlich bis in die Steinzeit, aber das
haben die Amerikaner ja selbst in Vietnam nicht geschafft. Der einfache
Bürger - genauso seelenlos - will nicht nachstehen. Ein
Antenne-Thüringen-Reporter fragt einen Mann auf der Straße, was er
davon hält, Bodentruppen zu schicken. Das hätte man sofort tun
sollen, sagt der Mann, Bodentruppen in Jugoslawien, ja das wäre
"schön". Ich sitze im Auto, höre das Wort "schön" und mir dreht
sich der Magen um. Offensichtlich verwechselt der Mann Krieg mit einem
Computerspiel seines Sohnes, in dem mit Laserwaffen unmenschliche Monster zu
blutigen Klumpen geschossen werden (zu besichtigen und nachzuspielen in jedem
Spiele-Supermarkt). Schließlich ist Herr Milosevic ja auch so ein
Monster, ein neuer Hitler, ein "Irrer" und "wahnsinniger Schlächter"
(BILD). Die Wirklichkeit kommt schon lange nicht mehr zu Wort, denn eigentlich
ist Milosevic nur ein Schmalspurdiktator, wie ihn diese Welt zu Dutzenden
kennt, nur mit dem Unterschied, daß die meisten anderen gut Freund mit
den USA sind. Auf den Besuch Gysis bei Milosevic schreibt eine empörte
GeBILDete einen Leserbrief: "Herr Gysi müßte durch den Kosovo gejagt
werden und um sein Leben fürchten müssen. Nein, Herr Gysi, Sie
gehören nicht zu uns." Ob sie selbst im Drillich und mit NATO-Sturmgewehr
Gysi durch den Kosovo jagen will, um ihm Todesangst beizubringen, sagt sie
nicht. Bei dem Gedanken, wen die Frau mit "uns" gemeint haben könnte, wird
mir wieder übel. Der deutsche Dichter Peter Handke versucht
Verständnis für das serbische Volk zu erwecken und wird sofort vom
Moloch des "freien Journalismus" zu einem Fall für die Psychiatrie
gemacht. In großen Zeitungen dieses Landes spricht man von Handke als
"geistig umnachtet" und bezeichnet ihn als "ideologisches Monster". Ein
großer ehrenwerter Führer dieser Welt namens Clinton redet in einem
Satz von "humanitärer Aktion" und daß das Bombardement
"erbarmungslos" fortgesetzt wird. Der Widerspruch in seiner Aussage war nur
früher mal einer, heute bedeutet Moral längst Willkür. Herr
Clinton hat lange genug zugesehen. Lange genug war er geduldig gewesen - bei
den Massakern der GI's in Vietnam, bei den Schlächtereien der Franzosen in
Algerien, bei den Säuberungen Spaniens im Baskenland, bei den Exzessen der
"Friedenstruppe" in Somalia, beim fortschreitenden Völkermord des
NATO-Landes Türkei an den Kurden, bei den Gemetzeln in Zentralafrika.
Lange hat er sich beherrscht, um angesichts der Tatsache, daß in jeder
Minute auf dieser Welt 15 Kinder verhungern, nicht sofort humanitäre
Aktionen durchzuführen. Das "namenlose Verscharren" von New Yorker
Obdachlosen in "Massengräbern" konnte ihn in seinem verantwortungsvollen
Handeln nicht beirren, auch nicht die UÇK-Massaker von Klecka oder
Glodjane an der serbischen Zivilbevölkerung, nicht die Vertreibung von
mehr als 1200000 Serben aus Kroatien und Zentral-Bosnien, nicht der Tod von
monatlich 5000 Kindern im Irak. Als man seine Außenministerin Albright im
US-Fernsehen befragte, wie sie zum Tod von mehr als einer halben Million
irakischer Kinder (durch boykottverursachte Unterernährung,
militärische Zerstörung der Trinkwasserversorgung, bakteriologische
Kriegführung usw.) stehe, antwortete sie "... es ist den Preis wert."
Natürlich kennt auch Herr Clinton diesen Preis und so übersah er
nocheinmal mehr als 300000 Obdachlose in Polen, um endlich, endlich 80000
Obdachlose im Kosovo als "humanitäre Katastrophe" zu bezeichnen und sofort
zu handeln - denn jetzt war das Maß endgültig voll. Jetzt
mußte man durchgreifen. Und wenn man einmal handelt, dann natürlich
richtig! Um Menschen vor Ort "jede Hilfe zu teil werden zu lassen", kann man
auf solche überflüssigen Dinge wie Völkerrecht, UNO,
internationale Konvention über Vertragsrecht usw. keine Rücksicht
nehmen. Auch nicht darauf, auf den Einsatz von Waffen zu verzichten, die als
besonders grausam gelten und international geächtet sind (z.B.
Streubomben, uran-angereicherte Sprengköpfe). Um humanitär tätig
zu werden, führt die NATO zum ersten Mal in der Geschichte einen
Angriffskrieg gegen ein souveränes Land, daß kein anderes Land,
geschweige denn einen NATO-Verbündeten angegriffen hat. Um humanitär
tätig zu werden, braucht man Verbündete - Verbündete im Kampf
für Frieden, Demokratie, Menschenrechte und die
"Marktwirtschaftsherrlichkeiten" (E.Lohoff) der Neuen Weltordnung. So ein guter
Verbündeter ist die UÇK, nach dem amerikanischen Sonderbeauftragten
Gelbard eine "terroristische Vereinigung", finanziert durch den
millliardenschweren Drogenhandel der albanischen Mafia, aber solche
Nebensächlichkeiten spielen keine Rolle, wenn es darum geht,
"Völkermord" und "Vertreibung" zu verhindern. Dafür fehlen Beweise,
na und, die macht man heutzutage. Emsig arbeitet die PR-Agentur Ruder Finn an
medialen "Schreckensbildern" und empfielt die durchgängige Verwendung des
Wortes 'KZ' als wirksamer Reißer. Auf die Frage an den Kanzler, daß
es keinen Hinweis auf KZ's in Jugoslawien gebe, antwortet die gutgekleidete,
seelenlose Hülse, daß dies ganz darauf ankäme, was man als KZ
ansieht. Genauso ist es mit den "Massakern". "Ein Massengrab ist, wenn Frau
Albright kommt, vor den Fernsehkameras angewidert ein paar Knochen befingert
und dazu ein paar bedeutungsvolle Worte sagt, und wenn die Bilder von dem
ekelhaften Ritual dann um die ganze Welt gehen. Was ist ein serbisches
Massaker? Ein serbisches Massaker ist, wenn anderntags die NATO-Jets serbische
Stellungen bombardieren" (W. Pohrt). Für Deutschland erledigen "freie",
immer an der "Wahrheit" interessierte Journalisten diesen Job, z.B. Erich
Rathfelder von der taz, einem von vielen interessant zu lesenden
Lügenorganen, die dem "Neuen Deutschland" zu DDR-Zeiten in nichts
nachstehen. Besagter Journalist "entdeckte" das "Massengrab" von Racak,
berichtete am 5. 8. 98 "nach Augenzeugenberichten", daß "bis zu 1000
Menschen getötet" wurden. Ganz schwer wurde es ihm ums Herz, denn "So habe
ich den Serben geholfen, 430 Kinder zu begraben." Herbeigeeilte
Sonderkommissionen der EU und der USA fanden das absolute Rathfeldersche
Grauen: 37 im Kampf gefallene UÇK-Kämpfer mit Pulverdampf an den
Händen, aus den umliegenden Wäldern zusammengetragen und eilig in
Zivilkleidung gesteckt. Sonst nichts! Das ZDF brachte die Horrormeldung
über das (nicht stattgefundene) Massaker bereits am Vorabend. Ohne unsere
aufopferungsvoll an der kompletten Kriegszensur vorbei berichtenden Medien
wären wir ein Nichts, zumindest aber eine unaufgeklärte,
uninformierte Masse. Leute, lest Zeitung und schaut Fernsehen! Zumindest
solange, bis man euch selbst zu Asche bombt ... Racak ist der "Wendepunkt", so
unser Außenminister, selbst mehrfach gewendet und vom
Kleinbürger-Aktionisten aufgestiegen zum feinen Mann. Im besten
Ostblock-Format stimmen 503 von 584 Abgeordneten des Bundes- tages für den
Kriegseinsatz. Erfüllungsgehilfe für die Amis zu sein, ist
lohnenswert - erstrecht unter Aufgabe der politischen und nationalen
Identität. "Wenn es hier noch Nationalisten gäbe, hätten sie
'Schande' und 'Verrat' schreien müssen. Es gibt sie aber nicht, so wenig
wie anderswo in Europa, denn alle 18 NATO-Staaten haben für die
Bereitstellung von Truppen gestimmt. Und Grüne, Kommunisten, Pazifisten,
Christen, Sozialisten und wie sie alle einmal hießen, gibt es auch nicht.
Die Leute, die das mal gewesen waren und davon nicht lassen mochten, sind
kaltgestellt, verrückt geworden oder tot. Es hat eine Petra Kelly
verschwinden müssen, damit ein Fischer sich als führender Grüner
verkaufen kann" (W. Pohrt). Ihm zur Seite die einstige "Fußmatte" (W.
Droste) der SPD, ein würdeloses Witzmännchen namens Scharping, der
täglich für seine Auftraggeber obszöne Schauermärchen
erfindet, z.B. daß die Serben mit abgeschlagenen Köpfen
Fußball spielen und Föten grillen. Als Belohnung muß er nicht
mehr Sport- Kolumnen für die BILD-Zeitung schreiben wie 1997; er muß
auch nicht mehr gegen die Stationierung von NATO-Raketen auf deutschem Boden
demonstrieren (schon etwas länger her), nein, jetzt hat er es geschafft,
unter die oberen Zehntausend Opportunisten, Verbrecher, Mörder und
Machtgeilen aufgenommen zu werden. Es kann nicht schöneres geben, als im
"Streit konkurrierender, mit den Insignien staatlicher Macht ausgestatteter
Banden um die jugoslawische Konkursmasse" (E.Lohoff) mitzumischen. Auf den
Vorwurf, der Vertrag von Rambouillet hätte Passagen enthalten, die kein
Führer irgendeines souveränen Landes hätte unterschreiben
können (was man aber von Milosevic verlangte), antwortete Fischer, diese
Passagen wären nur "Zusatzklauseln" gewesen - so als ob nicht jedes Kind
wüßte, daß welche Klauseln auch immer Vertragsbestandteil und
damit gültig sind. Der Vertrag sagte Milosevic: Wenn du nicht
unterschreibst, wird dein Land von NATO-Truppen besetzt, wenn du
unterschreibst, auch. Auf einer Karte des US-Europa-Kommandos ist Mazedonien
bereits als selbständiger Staat eingezeichnet. Alles geht weiter. Es
herrscht Krieg in Europa ... Quellen: Eine gesunde
Wahrnehmungsfähigkeit, Internet, Bittermann/Deichmann; Wie Dr. Joseph
Fischer lernte, die Bombe zu lieben, Edition Tiamat |