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  Frank Cebulla Equinox
HUMANITÄRE INTERVENTION
The American Way of Life
In Europa herrscht(e) Krieg. In Italien ist deswegen der Teufel los. Mehrmals gehen mehr als Hunderttausend Menschen auf die Straße, um gegen die Gewalt zu protestieren. In Neapel fliegen Molotow-Cocktails auf das NATO-Hauptquartier Süd; in Jugoslawien fliegen Kassettenbomben auf Städte und Dörfer, auf Schulen, Krankenhäuser, Fabriken, Medikamente-Depots, Bauernhöfe. In Deutschland bleibt es vergleichsweise ruhig. Von Belgrad bis München ist es nicht weiter als von München nach Rostock, aber so leicht sind die Deutschen nicht aus der Ruhe zu bringen. Eine verzweifelte Mutter ohne Parteizugehörigkeit verteilt selbst gedruckte Flugzettel; ein paar Jugendliche können es nicht lassen, Mahnwachen vor Kirchen zu organisieren - Kirchen, die selber Mahnmale des 1500-jährigen Völkermords in Europa sind. Jesus dreht sich im Grabe um, in dem er nicht mehr liegt, weil er in einen Himmel aufgestiegen ist. Es herrscht Krieg in Europa. Die gehirngewaschenen Deutschen sind begeistert - dafür. Endlich dürfen wir beim aktuellen Schlachtfest wieder mit dabei sein, lange genug haben sich unsere Führer angebiedert - jetzt ist es soweit. Deutsche seelenlose Automaten sitzen in deutschen Kampfflugzeugen und zerlegen aus 12 km Höhe mit "chirurgischer Präzision" die Körper jugoslawischer Kinder, Frauen und Männer. Es macht Spaß, ein Land 50 Jahre zurückzubomben - am liebsten eigentlich bis in die Steinzeit, aber das haben die Amerikaner ja selbst in Vietnam nicht geschafft. Der einfache Bürger - genauso seelenlos - will nicht nachstehen. Ein Antenne-Thüringen-Reporter fragt einen Mann auf der Straße, was er davon hält, Bodentruppen zu schicken. Das hätte man sofort tun sollen, sagt der Mann, Bodentruppen in Jugoslawien, ja das wäre "schön". Ich sitze im Auto, höre das Wort "schön" und mir dreht sich der Magen um. Offensichtlich verwechselt der Mann Krieg mit einem Computerspiel seines Sohnes, in dem mit Laserwaffen unmenschliche Monster zu blutigen Klumpen geschossen werden (zu besichtigen und nachzuspielen in jedem Spiele-Supermarkt). Schließlich ist Herr Milosevic ja auch so ein Monster, ein neuer Hitler, ein "Irrer" und "wahnsinniger Schlächter" (BILD). Die Wirklichkeit kommt schon lange nicht mehr zu Wort, denn eigentlich ist Milosevic nur ein Schmalspurdiktator, wie ihn diese Welt zu Dutzenden kennt, nur mit dem Unterschied, daß die meisten anderen gut Freund mit den USA sind. Auf den Besuch Gysis bei Milosevic schreibt eine empörte GeBILDete einen Leserbrief: "Herr Gysi müßte durch den Kosovo gejagt werden und um sein Leben fürchten müssen. Nein, Herr Gysi, Sie gehören nicht zu uns." Ob sie selbst im Drillich und mit NATO-Sturmgewehr Gysi durch den Kosovo jagen will, um ihm Todesangst beizubringen, sagt sie nicht. Bei dem Gedanken, wen die Frau mit "uns" gemeint haben könnte, wird mir wieder übel. Der deutsche Dichter Peter Handke versucht Verständnis für das serbische Volk zu erwecken und wird sofort vom Moloch des "freien Journalismus" zu einem Fall für die Psychiatrie gemacht. In großen Zeitungen dieses Landes spricht man von Handke als "geistig umnachtet" und bezeichnet ihn als "ideologisches Monster". Ein großer ehrenwerter Führer dieser Welt namens Clinton redet in einem Satz von "humanitärer Aktion" und daß das Bombardement "erbarmungslos" fortgesetzt wird. Der Widerspruch in seiner Aussage war nur früher mal einer, heute bedeutet Moral längst Willkür. Herr Clinton hat lange genug zugesehen. Lange genug war er geduldig gewesen - bei den Massakern der GI's in Vietnam, bei den Schlächtereien der Franzosen in Algerien, bei den Säuberungen Spaniens im Baskenland, bei den Exzessen der "Friedenstruppe" in Somalia, beim fortschreitenden Völkermord des NATO-Landes Türkei an den Kurden, bei den Gemetzeln in Zentralafrika. Lange hat er sich beherrscht, um angesichts der Tatsache, daß in jeder Minute auf dieser Welt 15 Kinder verhungern, nicht sofort humanitäre Aktionen durchzuführen. Das "namenlose Verscharren" von New Yorker Obdachlosen in "Massengräbern" konnte ihn in seinem verantwortungsvollen Handeln nicht beirren, auch nicht die UÇK-Massaker von Klecka oder Glodjane an der serbischen Zivilbevölkerung, nicht die Vertreibung von mehr als 1200000 Serben aus Kroatien und Zentral-Bosnien, nicht der Tod von monatlich 5000 Kindern im Irak. Als man seine Außenministerin Albright im US-Fernsehen befragte, wie sie zum Tod von mehr als einer halben Million irakischer Kinder (durch boykottverursachte Unterernährung, militärische Zerstörung der Trinkwasserversorgung, bakteriologische Kriegführung usw.) stehe, antwortete sie "... es ist den Preis wert." Natürlich kennt auch Herr Clinton diesen Preis und so übersah er nocheinmal mehr als 300000 Obdachlose in Polen, um endlich, endlich 80000 Obdachlose im Kosovo als "humanitäre Katastrophe" zu bezeichnen und sofort zu handeln - denn jetzt war das Maß endgültig voll. Jetzt mußte man durchgreifen. Und wenn man einmal handelt, dann natürlich richtig! Um Menschen vor Ort "jede Hilfe zu teil werden zu lassen", kann man auf solche überflüssigen Dinge wie Völkerrecht, UNO, internationale Konvention über Vertragsrecht usw. keine Rücksicht nehmen. Auch nicht darauf, auf den Einsatz von Waffen zu verzichten, die als besonders grausam gelten und international geächtet sind (z.B. Streubomben, uran-angereicherte Sprengköpfe). Um humanitär tätig zu werden, führt die NATO zum ersten Mal in der Geschichte einen Angriffskrieg gegen ein souveränes Land, daß kein anderes Land, geschweige denn einen NATO-Verbündeten angegriffen hat. Um humanitär tätig zu werden, braucht man Verbündete - Verbündete im Kampf für Frieden, Demokratie, Menschenrechte und die "Marktwirtschaftsherrlichkeiten" (E.Lohoff) der Neuen Weltordnung. So ein guter Verbündeter ist die UÇK, nach dem amerikanischen Sonderbeauftragten Gelbard eine "terroristische Vereinigung", finanziert durch den millliardenschweren Drogenhandel der albanischen Mafia, aber solche Nebensächlichkeiten spielen keine Rolle, wenn es darum geht, "Völkermord" und "Vertreibung" zu verhindern. Dafür fehlen Beweise, na und, die macht man heutzutage. Emsig arbeitet die PR-Agentur Ruder Finn an medialen "Schreckensbildern" und empfielt die durchgängige Verwendung des Wortes 'KZ' als wirksamer Reißer. Auf die Frage an den Kanzler, daß es keinen Hinweis auf KZ's in Jugoslawien gebe, antwortet die gutgekleidete, seelenlose Hülse, daß dies ganz darauf ankäme, was man als KZ ansieht. Genauso ist es mit den "Massakern". "Ein Massengrab ist, wenn Frau Albright kommt, vor den Fernsehkameras angewidert ein paar Knochen befingert und dazu ein paar bedeutungsvolle Worte sagt, und wenn die Bilder von dem ekelhaften Ritual dann um die ganze Welt gehen. Was ist ein serbisches Massaker? Ein serbisches Massaker ist, wenn anderntags die NATO-Jets serbische Stellungen bombardieren" (W. Pohrt). Für Deutschland erledigen "freie", immer an der "Wahrheit" interessierte Journalisten diesen Job, z.B. Erich Rathfelder von der taz, einem von vielen interessant zu lesenden Lügenorganen, die dem "Neuen Deutschland" zu DDR-Zeiten in nichts nachstehen. Besagter Journalist "entdeckte" das "Massengrab" von Racak, berichtete am 5. 8. 98 "nach Augenzeugenberichten", daß "bis zu 1000 Menschen getötet" wurden. Ganz schwer wurde es ihm ums Herz, denn "So habe ich den Serben geholfen, 430 Kinder zu begraben." Herbeigeeilte Sonderkommissionen der EU und der USA fanden das absolute Rathfeldersche Grauen: 37 im Kampf gefallene UÇK-Kämpfer mit Pulverdampf an den Händen, aus den umliegenden Wäldern zusammengetragen und eilig in Zivilkleidung gesteckt. Sonst nichts! Das ZDF brachte die Horrormeldung über das (nicht stattgefundene) Massaker bereits am Vorabend. Ohne unsere aufopferungsvoll an der kompletten Kriegszensur vorbei berichtenden Medien wären wir ein Nichts, zumindest aber eine unaufgeklärte, uninformierte Masse. Leute, lest Zeitung und schaut Fernsehen! Zumindest solange, bis man euch selbst zu Asche bombt ... Racak ist der "Wendepunkt", so unser Außenminister, selbst mehrfach gewendet und vom Kleinbürger-Aktionisten aufgestiegen zum feinen Mann. Im besten Ostblock-Format stimmen 503 von 584 Abgeordneten des Bundes- tages für den Kriegseinsatz. Erfüllungsgehilfe für die Amis zu sein, ist lohnenswert - erstrecht unter Aufgabe der politischen und nationalen Identität. "Wenn es hier noch Nationalisten gäbe, hätten sie 'Schande' und 'Verrat' schreien müssen. Es gibt sie aber nicht, so wenig wie anderswo in Europa, denn alle 18 NATO-Staaten haben für die Bereitstellung von Truppen gestimmt. Und Grüne, Kommunisten, Pazifisten, Christen, Sozialisten und wie sie alle einmal hießen, gibt es auch nicht. Die Leute, die das mal gewesen waren und davon nicht lassen mochten, sind kaltgestellt, verrückt geworden oder tot. Es hat eine Petra Kelly verschwinden müssen, damit ein Fischer sich als führender Grüner verkaufen kann" (W. Pohrt). Ihm zur Seite die einstige "Fußmatte" (W. Droste) der SPD, ein würdeloses Witzmännchen namens Scharping, der täglich für seine Auftraggeber obszöne Schauermärchen erfindet, z.B. daß die Serben mit abgeschlagenen Köpfen Fußball spielen und Föten grillen. Als Belohnung muß er nicht mehr Sport- Kolumnen für die BILD-Zeitung schreiben wie 1997; er muß auch nicht mehr gegen die Stationierung von NATO-Raketen auf deutschem Boden demonstrieren (schon etwas länger her), nein, jetzt hat er es geschafft, unter die oberen Zehntausend Opportunisten, Verbrecher, Mörder und Machtgeilen aufgenommen zu werden. Es kann nicht schöneres geben, als im "Streit konkurrierender, mit den Insignien staatlicher Macht ausgestatteter Banden um die jugoslawische Konkursmasse" (E.Lohoff) mitzumischen. Auf den Vorwurf, der Vertrag von Rambouillet hätte Passagen enthalten, die kein Führer irgendeines souveränen Landes hätte unterschreiben können (was man aber von Milosevic verlangte), antwortete Fischer, diese Passagen wären nur "Zusatzklauseln" gewesen - so als ob nicht jedes Kind wüßte, daß welche Klauseln auch immer Vertragsbestandteil und damit gültig sind. Der Vertrag sagte Milosevic: Wenn du nicht unterschreibst, wird dein Land von NATO-Truppen besetzt, wenn du unterschreibst, auch. Auf einer Karte des US-Europa-Kommandos ist Mazedonien bereits als selbständiger Staat eingezeichnet. Alles geht weiter. Es herrscht Krieg in Europa ...
Quellen: Eine gesunde Wahrnehmungsfähigkeit, Internet, Bittermann/Deichmann; Wie Dr. Joseph Fischer lernte, die Bombe zu lieben, Edition Tiamat

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