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30.09.2002   Bunkahle
Erich von Däniken vermutet Gantenbrinktor-Betrug
Erich von Däniken, Altertumsforscher, Buchautor und Erbauer des Mystery Parks in Interlaken, schmettert das Vorhaben ab: «Das ist bloss der nächste Betrug der ägyptischen Altertumsverwaltung», ereifert er sich. «Die Pyramide ist seit einem Monat für die Touristen geschlossen, und ich vermute, dass seither etwas im Geheimen passiert ist.»
 
cheops-pyramide
 
Die Toten brauchen keine Luft
 
 
 
Am 17. September wollen Ägyptologen eine vor neun Jahren entdeckte, geheimnisvolle Tür in der Cheops-Pyramide knacken. Was sich dahinter verbirgt, weiss niemand. Erich von Däniken spricht von einem «neuen Betrug der ägyptischen Altertumsforschung».
 Urs Wüthrich
 
Er war vom Tod besessen. Genauso wie seine Vorgänger 500 Jahre zuvor, und genauso wie seine Nachfolger 2000 Jahre später. Cheops, aus der 4. Dynastie, baute um 2500 vor Christus die grösste Pyramide, die je von einem Pharao errichtet wurde. Von seiner Mumie fehlt jede Spur, auch sein angeblicher Schatz wurde nie gefunden, aber sein Lebenswerk für das Leben nach dem Tod - die Cheops-Pyramide bei Kairo - steht immer noch. Bereits die ersten Gräber der frühesten Dynastie waren Paläste des Jenseits, ausgestattet mit schier unvorstellbaren Kostbarkeiten. Der Kult des ewigen Lebens dauerte im alten Ägypten Jahrtausende, zwischen dem ersten Pharao (Aha) und dem letzten (Chababasch) liegen mehr Jahre als zwischen der Gründung Roms und heute.
Selbst nach der Entzifferung der Hieroglyphen durch Jean-François Champollion im 19. Jahrhundert bleibt vieles im Dunkeln. Wie wurden die Pyramiden gebaut? Wozu diese Form? Gibt es noch unbekannte Kammern? Liegen tief im Innern Schätze aus Gold? Und wo sind die Mumien all der Herrscherfamilien? Vereinzelt wurden zwar welche gefunden, die berühmteste ist diejenige eines ziemlich unbedeutenden Pharaos namens Tutanchamun aus der 18. Dynastie (1550 bis 1292 v. Chr.).
 
Rätselhafte Türe entdeckt
Mehr Rätsel als Fakten gibt speziell die Cheops-Pyramide auf. Der komplizierte Innenbau mit den drei Kammern, der Galerie und den Luftschächten, die irgendwo im Mauerwerk enden, wird bis heute nicht verstanden. 1993 machte der deutsche Ingenieur Rudolf Gantenbrink eine sensationelle Entdeckung. Durch einen von der Königinnenkammer schräg nach oben führenden Schacht liess er einen kleinen Roboter laufen. Nach 65 Metern war Endstation.  
Das Kameraauge erblickte etwas, das seit 4500 Jahren niemand mehr gesehen hatte: eine kleine Tür mit zwei Metallbeschlägen, die das Weiterkommen verhinderte. Der Schacht ist mit einer Seitenlänge von 20 Zentimetern so klein, dass kein Mensch bis dorthin vordringen kann. Was befindet sich hinter der Tür? Ist es bloss ein weiterer Luftschacht? Tote brauchen keine Luft.
 
 
Neuer Vorstoss am 17. 9.
Archäologen unter der Leitung von Zahi Hawas von der ägyptischen Altertumsforschung wollen nun am 17. September gemeinsam mit der amerikanischen National Geographic Society die «Gantenbrink-Tür» knacken. Wieder soll ein Roboter die 65 Meter bis zur Tür zurücklegen und mit einer Kamera durch den unter der Tür befindlichen, winzigen Spalt spähen. Vielleicht gelingt es dem Vehikel sogar, die Pforte ins Unbekannte zu öffnen. Die Exkursion wird medienwirksam umgesetzt und soll in mehreren Ländern live ausgestrahlt werden.
 
 
Von Däniken: «Betrug!»
Erich von Däniken, Altertumsforscher, Buchautor und Erbauer des Mystery Parks in Interlaken, schmettert das Vorhaben ab: «Das ist bloss der nächste Betrug der ägyptischen Altertumsverwaltung», ereifert er sich. «Der Schacht ist seit 1993 bekannt, und seither hat die Verwaltung in Kairo die Öffentlichkeit alle paar Monate mit einer neuen Lüge abserviert und gesagt: Jetzt machen wir die Tür auf.> Aber sie haben nie etwas getan und sind laufend mit neuen Ausreden gekommen. 
«Show abziehen»
Von Däniken weiter: «Die Pyramide ist seit einem Monat für die Touristen geschlossen, und ich vermute, dass seither etwas im Geheimen passiert ist. - Vielleicht haben die bereits irgendetwas gefunden und es heimlich ausgeräumt. Und jetzt ziehen sie eine Show ab und zeigen dem Volk, dass sich nichts hinter der Tür verbirgt.» Er glaube ohnehin nicht recht daran, dass am 17. September überhaupt etwas passiere. «Selbst wenn nur ein Papyrus zum Vorschein käme, wäre das eine Sensation. Aber die Ägypter haben Angst, dass etwas zum Vorschein kommt, dann gibts nämlich ein Feuerwerk von Fragen, und die will man nicht.»
 
 
Keine Geheimnisse?
Offiziell wurde in der Cheops-Pyramide - ausser den bekannten Schächten - lediglich ein grosser, offener Sarkophag ohne Deckel in der Königskammer gefunden. Er muss schon beim Bau der Pyramide hergebracht worden sein, denn er passt durch keinen Gang. Von Däniken sagt: «Die Meinung der Ägyptologen ist die, dass es in der Pyramide keine Geheimnisse gibt.»
 
 
Andere Sichtweise
Cheops habe sie vor 4500 Jahren erbaut und mit drei Kammern versehen, der Rest sei kompaktes Gestein. Basta. Aber es gibt noch eine andere Sicht, und die stammt von antiken arabischen Historikern. Sie erzählen die Story anders: Ein König namens Saurid habe die Pyramide vor der grossen Flut gebaut, viele kleine Kammern gemacht und dort alle Bücher hineingelegt, die vor der Flut geschrieben wurden. «Darüber lacht die moderne Wissenschaft», meint von Däniken. Genau so wie über die Version von Al Mamun.  
 
 
Keine leeren Räume
Er lebte als Herrscher von Kairo im 9. Jahrhundert. 823 drang er als erster in die Cheops-Pyramide ein. Er liess den Tunnel aufbrechen, den heute noch Touristen benutzen, um die Innenräume zu besichtigen. Überliefert sei, dass Al Mamun drei Räume entdeckt habe, erzählt von Däniken. Aber keine leeren: «Im ersten befanden sich Gläser, die man biegen kann. Im zweiten glitzernde Metalle, die nicht rosten. Und im dritten Raum gabs Figuren, die leben und doch nicht leben ...» Was wirklich stimme, wisse niemand, «bis heute hat man nie solche Räume gefunden», sagt Erich von Däniken bestimmt.  
Mystisches hat die Cheops-Pyramide allemal zu bieten. Eine Auswahl: Die Nordseite zeigt fast exakt zum geografischen Nordpol. Der felsige Boden ist absolut waagrecht nivelliert (und das mit den damaligen Mitteln). Die Achsen der drei Pyramiden Cheops, Chephren und Mykerinos passen exakt auf die drei Gürtelsterne im Sternbild Orion ...  

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